No deal

Nein, die Schotten sind absolut nicht für den Brexit. Im Frühstücks TV in unserer Pension in der East London Street geht es jeden Tag ums selbe Thema: Am 31. Oktober müssen wir raus aber wir wollen das nicht. Sie sprechen auch über die Situation. Deutschland hat mit Lohndumping die Gewinne seiner Oberschicht erhöht und seine Exporte auf Kosten der anderen extrem gepusht. Die Probleme Griechenlands, und überhaupt des europäischen Südens kann man damit in Zusammenhang sehen. Und in England haben etliche Politiker sich Vorteile versprochen,wenn sie diesen Konkurrenzkampf nicht mehr führen müssen und haben zusätzlich ein paar Argumente, vorwiegend aus dem Schatzkästlein des Nationalismus erfunden, mit denen sie das Volk dermaßen eingeseift haben, dass zumindest für einige Zeit und etwas mehr als der Hälfte der Inselbewohner der Austritt als alternativlos erschien.
Damit hat sich der Kurs der Nation durch eine Kombination aus kultureller Selbstzufriedenheit, politischer Pomposität, falschem Patriotismus und gedankenloser Unterwerfung unter den Zeitplan irreversibel verändert. Und jetzt hängen alle in dieser Spirale fest. Niemand weiß eine Lösung, sagen die Schotten kopfschüttelnd und man sieht ihnen allen die Ratlosigkeit an. Ein Ehepaar aus dem Norden Irlands, das mit uns frühstückt, lässt ebenfalls Resignation erkennen, als im Zusammenhang mit der offenen Grenze nach Nordirland, die nicht unwesentlich für den Frieden ist, das Wort „backstop“ fällt.

Der Kolumnist Rafael Behr vom Guardian schreibt am 22.8.dazu und zieht zum Vergleich die Kette von Fehlentscheidungen heran, die zum ersten Weltkrieg oder zum Vietnamkrieg geführt haben:
„………Nun ist der Brexit keine militärische Gräueltat, und es gibt keine moralische Entsprechung im Vergleich zu Vietnam. Dennoch spüre ich, dass unser Amtsinhaber Johnson auch in der Mitte einer längeren Tragödie gefangen ist, deren Parameter wir nicht erfassen können. Diese Perspektive wird dem Premierminister immer verborgen bleiben, da er der Ansicht des 19. Jahrhunderts folgt, dass die Geschichte von großen Männern geschrieben wird (und ein Narzisst genug ist, um sich zu ihnen zu zählen).() und weiter:
Es könnte eine Illusion sein. Ich hoffe ich irre mich, aber es fühlt sich schon so an, als ob Entscheidungen, die in diesem Herbst noch nicht getroffen wurden, von einem Nebel der Unvermeidlichkeit eingehüllt sind – der Anhäufung einer Million Fehler, die bereits gemachte wurden.“

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