Cattle grid and sheep’s head broth

Es gibt zwei Besonderheiten auf den Hebriden, über die es lohnt zu berichten: Das Essen und die Schafe – zumal beides immer irgendwie miteinander zu tun hat. In der Zeitung „Hebrid Events“ schreibt John Dory über Hebridean Cuisine. Im ersten von zwei Beiträgen schreibt er über die Zutaten, die das Eiland liefert, für den zweiten Teil hat er sich vorgenommen die moderne Küche der Hebriden zu beschreiben. Natürlich steht Fisch und alles was aus dem Meer kommt an erster Stelle. Mit Gemüse hält er sich nicht lange auf. Hafermehl und die Kartoffel haben natürlich ihren festen Platz aber dann kommt schon das Schaf. Dazu gibt es dann auch ein Rezept: Schafskopfsuppe. Ein Rezept, das man durchaus als detailverliebt bezeichnen könnte. Es beginnt mit einem Lamento über die fiesen EU- Regeln, die verbieten das wohlschmeckende Gehirn des Schafes zu verwenden. Scarpie, heißt die Krankheit, die zu den spongiformen Encephalopathien zählt, die ähnlich dem Rinderwahnsinn auf den Menschen übertragen wird und diesen zum geistigen Ebenbild seines Abendessens machen kann.
Hier das Rezept und die Zutaten: Wasser, eine Tasse Hafermehl, zwei Zwiebeln, Karotten, Salz, ein halbes Krauthäupl, Steckrüben und natürlich ein Schafskopf.
„Wenn man den Schafskopf jetzt mit einer Lötlampe abflämmt, empfiehlt es sich dazu in die Scheune zu gehen – as there is a very strong smell in this part of the process“ – heißt es dazu in der Anleitung. Nachdem alle Haare inklusive Augenbrauen auf diese Art abgesengt wurden, wird der Schädel in der Mitte mit einer Bügelsäge auseinander geschnitten und anschließend – leider, die EU schreibt es vor – Gehirn und Rückenmark herausgekratzt von wegen Scarpie. Man will ja dann letztlich doch nicht blöder werden als die Steckrübe in der Suppe. Der Kopf wird dann 24 Stunden in Salzwasser eingeweicht und das Wasser mehrmals gewechselt, um das Blut zu entfernen. Dann kocht der Kopf für zwei Stunden wobei der entstehenden Schaum abgeschöpft wird (remove the brown skum from the top of the liquid). Das Ergebnis mag durchaus wohlschmeckend sein. Aber ich denke, dass ein Gutteil der Kontinentaleuropäer sich nach dem Lesen des Rezeptes zumindest vorübergehend zum Vegetarismus bekennen wird. Das Rezept führt einen gedanklich zwangsläufig zum Cattle grid. Das ist ein Gitter, das über einem Graben vor jeder Haus- aber auch vor fast jeder Ortseinfahrt angebracht ist um den überall frei herumlaufenden Schafen das Vordringen in den jeweiligen Bereich unmöglich zu machen. Die Gitterstäbe sind so angebracht, dass ein Schaf darauf nicht Fuß fassen kann. Es gibt einen Horrorfilm – Black sheep – genmanipulierte Schafe fallen im neuseeländischen Outback über die Menschen her und zerfleischen sie…daran habe ich mehrmals gedacht, wenn sich plötzlich ein paar Schafe wie auf Kommando zusammenrotten, um die Straße zu blockieren und einen dann bösartig anstarren wenn man auf dem Recht des Stärkeren beharrt. Oder wenn ein einzelnes Schaf sich mitten in den Weg stellt, mit einem Blick, der verrät, dass es auf Konfrontation aus ist…..
Ich denke, wenn die Schafe jemals rausfinden was der freundliche Farmer mit ihnen macht, wenn er mit ihnen in der Scheune verschwindet, dann hat der cattle grid seine Berechtigung. Gott sei Dank gibt es so etwas auch vor unserem Haus in Seilebost. Im Notfall könnten wir auch mit den Kajaks, die unter der Veranda versteckt sind über das Meer flüchten.

PS.: Ob das EU-Verbot Schafshirne zu essen, etwas mit dem Brexit zu tun hat, kann ich nicht sagen.
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