Digitales Pilzmassaker

Es geht diesmal nicht um Politik! Das will ich gleich am Anfang sagen. Auch wenn der eine oder andere bei dem Wort Pilz inzwischen nicht mehr an Täublinge, Hallimasch oder Fichtenreizker denkt sondern an einen österreichischen Politiker, der jetzt ja auch vom Wähler in den Wald geschickt wurde. Es geht um das warme Wetter, das vermutlich nicht vom Wetter kommt, sondern vom Klima. Der wärmste Oktober, seit es Aufzeichnungen gibt, und darüber freuen sich die Schwammerl. Besonders hier im Donautal, wo bis Mittag ein dichter Nebel für ausreichend Feuchtigkeit sorgt, sprießen die Schwammerl wie die Schwammerl aus dem Boden der umliegenden Wälder. Diese dritte Gruppe der eukariotischen Lebewesen ist erstaunlicherweise näher mit den Tieren verwandt als mit den Pflanzen, weil sie keine Fotosynthese betreiben, sondern sich wie die Tiere durch die Aufnahme organischer Stoffe ernähren. Ihre Vielfalt ist enorm, ihre evolutionäre Anpassungsfähigkeit hat ihrer Art Zugang zu sämtlichen Lebensräumen auf dieser Welt verschafft. Sie leben im Magen von Wiederkäuern genauso wie in Form einer sozialen Kolonie aus Einzellern, die sich bei Bedarf und Futtermangel alleine auf den Weg machen. Bei besseren Bedingungen treffen sie sich wieder um einen einzigen Organismus zu bilden. Pilze produzieren antibiotisch wirksame Stoffe wie Penicillin und außerdem Alkohol, ohne den Österreicher nicht leben könnten. In Österreichs Wäldern sind mehr als 1000 Pilzarten nachgewiesen. Und wenn man in den letzten Tagen irgendwo in einem Wald herum gestrolcht ist, dann konnte man – eben auf Grund der momentan herrschenden Klimaverhältnisse – Arten entdecken, die hier sonst kaum anzutreffen sind oder zumindest entsprechend selten vorkommen: Der Tintenfischpilz, der eigentlich in Neuseeland beheimatet ist wurde schon im letzten Jahrthundert in Europa ersmals nachgewiesen und hat es inzwischen bis nach bis Aschach geschafft. Er stinkt ein wenig ist aber ungiftig. Oder der Habichtspilz, der roh schwach giftig, aber getrocknet ausgezeichnet zum Würzen geeignet ist. In früheren Zeiten hatte man für diese Unbekannten ein kleines Taschenbuch dabei mit den entsprechenden Abbildungen. Jetzt gib es eine Handy App – ein Foto genügt – und irgendein Algorithmus im Internet gibt Auskunft über den Fremdling. Essbar oder ungenießbar ist im Sekundenbruchteil entschieden. Und man trifft im Wald auf Schwammerlsucher, die seltsame Pilze in ihrem Korb haben. Pilze dich ich nie anrühren würde. Aber die Handy App sagt der ist zum Essen, Punktum. Hat früher der eine oder andere Pilz mangels eindeutiger Identifizierung überlebt, entgeht jetzt keiner mehr der Klassifizierung und damit dem Verspeist werden. Es würde mich nicht wundern, wenn die nächste Evolutionsstufe bei den Pilzen eine Art Farbstoff wäre, der sie auf Handybildschirmen unsichtbar macht um dem menschlichen Zugriff zu entgehen.

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