Die Frau Kanzleirat

Der österreichische Beamte hat seit der k.u.k. Monarchie das Stigma des kleinkarierten Erbsenzählers, das einerseits mit einer gewissen Lethargie, andererseits aber mit einer ordentlichen Portion Bösartigkeit, Inkompetenz und Kleinlichkeit verbunden ist, der aber einen klingenden Titel wie Postoberoffizial oder Kanzleirat, Amtsdirektor oder Regierungsrat führt. Das Fernsehen breitet bürokratische Schikanen mit Genuss vor dem p.t. Publikum aus. Damit hat die Verachtung der bürokratischen Seele dann auch in den Köpfen der Bevölkerung Ewigkeitscharakter. Was im Fernsehen ist gilt, auch wenn es mit den eigenen Erfahrungen nicht übereinstimmt. Anlässlich einer durchaus unterhaltsamen Sendung über diese Spezies, habe ich versucht, mich zu erinnern, wann ich zum letzen Mal von einem österreichischen Beamten in irgendeiner Weise schikaniert worden bin. Und ich bin draufgekommen, dass es kein letztes Mal gibt, ja nicht einmal ein erstes Mal. Bei einer kürzlich notwendigen Vorsprache bei der Grundbuchstelle in Eferding, war ich dermaßen beeindruckt, von der Professionalität, die bei der Polizistin am Eingang des Gebäudes beginnt und bei der Hilfsbereitschaft und Kompetenz der BeamtInnen weitergeht. Mein Behördenweg konnte in kürzester Zeit absolviert werden, weil die BeamtInnen intern dermaßen gut organisiert sind, dass sich jede private Firma davon was abschauen kann. Vielleicht liegt es daran, dass sie Beamtinnen sind und keine Beamte?

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