Das Bruttonationalglück

Bruttonationalglück, ist der Versuch, den Lebensstandard in breit gestreuter, humanistischer und psychologischer Weise zu definieren und somit dem herkömmlichen Bruttonationaleinkommen – einem ausschließlich durch Geldflüsse bestimmten Maß – einen ganzheitlicheren Bezugsrahmen gegenüberzustellen. Anders als vergleichbare Indikatoren, die etwas über den Lebensstandard in der Welt aussagen, bezieht sich das Bruttonationalglück auf das Königreich Bhutan. Dort wurde bereits im 18. Jahrhundert das Glück der Bevölkerung als Ziel von Entwicklung und Politik in Bhutan definiert. Aus dem Rechtskodex des Landes von 1729, der als Kurzform einer Verfassung des mittelalterlichen Bhutans angesehen wird, stammt das Zitat: „Wenn die Regierung kein Glück für sein Volk schaffen kann, dann gibt es keinen Grund für die Existenz der Regierung.“ Ab 1997 wurde in Bhutan im Fünfjahresplan darauf verwiesen. Als 1998 durch den Premierminister Jigmi Y. Thinley die vier Säulen des Bruttonationalglücks definiert wurden, stellte dies die erste Konkretisierung des Ansatzes dar. Um die weitere Verfolgung der Interessen im Sinne des Bruttonationalglücks zu gewährleisten, hat Bhutan mit der Kommission für das Bruttonationalglück eine Staatskommission eingesetzt. Ob der Weisheit einer solchen politischen Entscheidung kann man als Angehöriger der westlichen Zivilisation nur Staunen. Wenn man die derzeit in im Westen als vorrangig betrachteten Zielsetzungen der politischen Entscheidungsträger damit vergleicht- hier gelten ausschließlich die Interessen der Wirtschaft und der Finanz als ausschlaggebend für das Glück der Menschen. Das Prinzip des freien Marktes ist so etwas wie die Heilsversprechung des Christentums, das uns zusichert, bei entsprechender Lebensführung, im Himmel für ewig Halleluja singen zu dürfen. Unabhängig von den tatsächlichen und unbestreitbaren Erfolgen des Kapitalismus, die im Wesentlichen dem Westen zugutekommen, übersehen wir vollkommen, wie hoch der Preis für das Konsum- Glücklichsein inzwischen geworden ist. Insofern muss man sich langsam die Frage stellen, ob es so etwas wie Brutonationaldummheit auch gibt.

2 Gedanken zu „Das Bruttonationalglück“

  1. Dankeschön für diese Betrachtung!
    Interessant wäre es hier, noch über die „Säulen der Brutonationaldummheit“ nachzudenken. Wie muss gehandelt werden, um hier zu führen? Die dickste Säule ist natürlich der Konsum, also mehr Einkaufszentren, und dann muss unbedingt für Bildung, Kinder und Jugendliche weiterhin immer weniger Geld ausgegeben werden und, und, und…
    Mir scheint, die Regierenden sind immer noch auf diesem Weg. :-/

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