Ein Weihnachtsmärchen

Es war einmal ein märchenhaftes Wirtschaftssystem das der Welt ein Versprechen gab. Es würde dafür sorgen, dass alle Menschen glücklich und zufrieden leben werden und, dass für alle alles da ist, was sie sich wünschen und darüber hinaus. Der Markt, so hieß es, sorgt für alles. Der Staat muss sich um nichts mehr kümmern. Der Markt regelt das Schul- und das Gesundheitssystem, sorgt für ausreichend Arbeitsplätze und auch die Umweltproblematik verschwindet wie von selbst.

Momentan leben mehr Menschen auf der Erde als jemals gestorben sind und ein Gutteil dieser Menschen glaubt an jenes Versprechen und alle warten auf den großen Tag, an dem sich die Prophezeiung des Kapitalismus erfüllen wird. Aber auch nach hundert Jahren intensivstem Kapitalismus hat sich nichts geändert. Ein Gutteil der Weltbevölkerung ist immer noch arm und hungrig. Täglich sterben 15 000 Kinder an Unterernährung und vermeidbaren Krankheiten. Das einzige was der Kapitalismus mit Bravour geschafft hat ist, dass alle konkurrierenden Wirtschaftssysteme untergegangen sind. Und darauf ist der Kapitalismus auch stolz, hat er doch bewiesen, dass man mit der Möglichkeit der Finanzkonzentration punktuell enorme Erfolge erzielen und auch hartnäckige Gegner in die Knie zwingen konnte. Und die Kapitalisten haben den Untergang dieser anderen Wirtschaftssysteme ausgelassen gefeiert. Sie haben aber verdrängt, dass dieser Untergang denselben Fehlern zuzuschreiben war, die auch dem kapitalistische System immanent sind – Machtrausch, Neid, Gier, Dummheit. Sie haben sich über die kommunistische Planwirtschaft lustig gemacht und haben aus deren Scheitern den Schluss gezogen, dass der Kapitalismus fehlerlos ist. Und sie sind so weit gegangen, dass sie die Regierungsgeschäfte vieler Staaten der Welt den marktbeherrschenden Konzerne und Händlern anvertraut haben. Jetzt besteht die Welt faktisch nur noch aus einem einzigen Wirtschaftssystem das darauf beruht immer mehr Güter zu produzieren, und diese Güter durch die ganze Welt zu transportieren. Diese Güter müssen so produziert werden, dass sie vergänglich sind, damit sie durch neue Güter ersetzt werden können. Sonst kommt es nämlich zum Stillstand des Systems. Und die Menschen weltweit muss man darauf einstimmen, dass im Kauf dieser Güter der Sinn des Lebens besteht. (Gerade zu Weihnachten spüren wir diese Sehnsucht nach Konsum tief in uns und wir kaufen ungeheure Mengen von Produkten, die uns tatsächlich für kurze Zeit glücklich machen). Wissenschaftlern, die sich mit diesem Wirtschaftssystem beschäftigten, wurden Preise und hohe Auszeichnungen verliehen, wenn ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse mit dem in Übereinstimmung zu bringen war, was alle glaubten.

Irgendwann hat aber jemand darüber nachgedacht. Es wurde nämlich immer wärmer und es fiel den Menschen dann auf, dass sie seit Jahren zu Weihnachten keinen Schnee mehr sahen. Und ein paar Wissenschaftler verbreiteten die Schreckensmeldung, dass daran womöglich das kapitalistische System schuld wäre. Aber niemand wollte das glauben. Unser wunderbares kapitalistisches System, dass viele von uns so ungeheuer reich gemacht hat und das dafür sorgen wird, dass es am Ende allen Menschen auf der Welt gut geht und Friede auf Erden usw…usw……, kann doch nicht daran schuld sein. Vor allem darum, weil wir ja noch gar nicht am Ziel angekommen sind, weil es ja noch gar nicht allen Menschen auf der Welt gut geht. Da musste irgendwo ein Fehler sein. Man setzte sich also zusammen und überlegte wie es denn sein könnte, dass noch immer nicht alle reich waren und trotzdem schon mehr Energie und mehr Ressourcen verbraucht waren, als auf der Welt langfristig zur Verfügung standen und in Afrika inzwischen nicht nur die Tiere sondern auch die Menschen verhungerten und verdursteten und im Elend lebten. Dass der Regenwald in Brasilien abgeholzt wurde und Australien in Flammen stand.
Und da kam jemand auf die unerhörte Idee, vom kapitalistischen System und seinen Vertretern einen Terminplan einzufordern. Niemand hatte sich bisher Gedanken darüber gemacht wann genau das Ziel- dass es allen Menschen auf der Welt gut geht- erreicht wäre. Niemand wollte bis jetzt von denjenigen, die den Kapitalismus als Gesellschaftsmodell anpreisen und davon profitieren wissen, wann es endlich soweit ist. Wann können die Menschen in der dritten Welt damit rechnen, dass ihre Bodenschätze nicht mehr nur vom Finanzkapital ausgebeutet werden, sondern in ihrem Sinn verwendet werden und ihr Lebensraum dabei erhalten bleibt? Wann genau ist der Kapitalismus soweit, dass die Umweltschäden alle geheilt sind und auch durch den systemimmanenten Zwang zum Wachstum keine neuen Bedrohungen mehr entstehen? Wann genau werden wir das letzte verhungerte Kind beklagen müssen und wann genau wird der letzte Tellerwäscher auf dieser Welt zum Millionär? Wann ist auch der ärmste Chinese ein reicher Mann, der im kristallklaren Wasser des Jangtse, mit dem Jangtse Delphin gemeinsam schwimmt? Wird das noch vor der Erhöhung des Meeresspiegels um einen Meter sein, oder erst nachher? Die Vertreter des Systems vermieden es das Thema zu erwähnen. Es war so wie in vielen Religionen, dass entscheidende Punkte nie hinterfragt wurden. Du musst glauben! war die Antwort. Wenn die Wirtschaftsfachleute, die Ökonomen, die Betriebswirte, die Politiker, die für dieses System verantwortlich zeichnen, überzeugt sind, dass das alles funktioniert, dann müssten sie eigentlich schon lange wissen, wann genau der Erfolg weltweit spürbar wird. Es wird uns zwar ständig berichtet, dass der Hunger in der Welt weniger ist und mehr Menschen Zugang zu medizinischer Versorgung haben als vor 50 Jahren, aber gerade auf Grund dieser Zahlen sollte ja eine Prognose möglich sein, so wie jeder kapitalistisch wirtschaftende Betrieb aus der Bilanz der vergangenen Jahre und der Beobachtung der Marktentwicklung eine Prognose ableiten kann und das auch tut, um für die Zukunft gerüstet zu sein. Man sollte doch sagen können, bis zum Jahr 2050 sind so und so viele Menschen durch den Kapitalismus ihre Sorgen los und bei der derzeit absehbaren Bevölkerungsentwicklung sind wir denn 2100 soweit, dass niemand auf der Welt hungern oder vor einem Krieg flüchten muss. Aber niemand lüftet das Geheimnis, obwohl alle so tun als lebten sie in der absoluten Gewissheit, dass es bald soweit ist. Niemand gibt uns Auskunft darüber wann die Kinder in Afrika oder im Jemen nicht mehr verhungern. Niemand will uns sagen, ab wann es keine Flüchtlinge mehr auf der Welt gibt, weil die Bedingungen für die Menschen weltweit gleich gut sind und niemand mehr flüchten muss. Niemand erklärt uns, warum das kapitalistische System ungeheuer viel Geld in Waffen investiert statt hungrige Mäuler zu stopfen. Wohl darum, weil der freie Handel nichts mehr wert ist, sobald ein Staat meint, dass die Anwendung militärischer Mittel einen Vorteil bringt. Und das Mutterland des Kapitalismus – Amerika – ist ein Paradebeispiel dafür, wie rasch die Freiheit des Marktes nichts mehr gilt, wenn es um die Interessen der Eliten des eigenen Landes geht. Amerika gibt unter Trump für das Militär täglich (sic!) 2 Milliarden Dollar aus. Und niemand hinterfragt ernsthaft warum man mit begrenzten Ressourcen und steigender Weltbevölkerung den Konsum immer weiter erhöhen kann bis in alle Ewigkeit. Es wird schlicht und einfach unterschlagen, auf wessen Kosten der Kapitalismus so gut funktioniert. Kosten nämlich, die nirgends in der Bilanz aufscheinen. Da wird einfach ein Posten nicht mitberechnet – das sind die Kosten für die Natur des winzigen Planten auf dem wir leben. Das sind die Ökosteuern die wir nicht bezahlen und die wir damit allen anderen Lebewesen vorenthalten die mit uns auf dieser Arche sind. Das Leben in Saus und Braus ist nur möglich, weil die Firma Menschheit AG lügt und betrügt und Bilanzen fälscht. Aber irgendwann – und ich befürchte eher bald als später – wird sich jemand die Bücher ansehen und dann sind wir alle dran.

Frohe Weihnachten

https://www.welthungerhilfe.de/hunger/?wc=17GOFM2000&gclid=EAIaIQobChMIkv7nvPTu5QIVTM-yCh244A70EAAYASAAEgJtx_D_BwE

https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2017-10/unicef-kindersterblichkeit-neugeborene-who-weltbank

ttps://www.welt.de/politik/deutschland/article204345346/Gescheiterter-Klimagipfel-Politiker-enttaeuscht-ueber-Schande-von-Madrid.html

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s