Wer am Wege baut..

……hat viele Baumeister, sagt ein chinesisches Sprichwort. Natürlich hat jede zeitgemäße Architektur ihre Besonderheiten, die sich aus den Bedürfnissen der Bauherren, den technischen Möglichkeiten, den vorhandenen Materialien und den Kosten für ein Gebäude ergeben. Moderne Gebäude sind nicht besser und nicht schlechter als das kulturelle Bau-Erbe, das in Österreich bis in die Römerzeit zurückreicht. Andererseits ist die heutige Baukultur im Wesentlichen von Kapitalinteressen und nicht vom Drang nach Schönheit geprägt. Nehmen wir das Beispiel Aschach an der Donau. Auf einer Strecke von knapp 2 Kilometern, zwischen Aschach und Hartkirchen, wurden im Laufe der Zeit  von den Gemeinden  die Genehmigungen für den Bau von 5 Supermärkten erteilt. Alle bieten im Wesentlichen das Gleiche an und versiegeln mit Baukörper und Parkplätzen eine Fläche von mehreren 1000 Quadratmetern.
Ob wer die nächtlichen Leuchtreklamen schön findet?
Ob die versiegelten Flächen nicht besser Wiesen geblieben wären, auf denen zumindest ein paar Insekten überlebt hätten?
Beide Orte haben dadurch, zumindest partiell, den Charme einer amerikanischen Trabantensiedlung, nur steht da halt Spar und Hofer statt Wal Mart und Giant. Ob für knapp 7000 Einwohner tatsächlich 5 Supermärkte nötig sind, ist heute keine Frage mehr. Es geht den Gemeinden um Steuern und die Konzerne liefern sich auf Kosten der Natur und des Landschaftsbildes einen beinharten Verdrängungskrieg. Nach dem Motto: der Finanzstärkste wird überleben, koste es was es wolle.
Was die alte Bausubstanz betrifft, so ist Aschach nicht nur auf einer Schweizer Webseite über Sünden in der Landschaftsgestaltung erwähnt, auch die weitgehende Vernichtung der einmaligen Gartenanlage des Schlosses Aschach und in neuerer Zeit der Bau von Silos, hinter denen das Schloss selbst jetzt verschwunden ist, gehört offensichtlich zum zeitgemäßen Umgang mit unserem kulturellen Erbe. Der 27 Hektar große Schlossgarten mit einem einzigartigen Baumbestand stand bis 1964 unter Naturschutz. Bereits 1959 wurde das Schloss und Teile des Gartens an die DOKW verkauft. Baubüros waren im Schloss, während das Donaukraftwerk entstand. Der Hochaltar der Schlosskapelle wurde trotz Denkmalschutz um 200 000 Schilling von der DoKW nach St. Pölten verkauft. Ein Teil des Gartens wurde durch einen Verschiebebahnhof für den Kraftwerksbau zerstört. In der Folge wurde das Schloss und ein Großteil des in Europa einzigartigen Parkgeländes direkt an der Donau an die Oberösterreichische Warenvermittlung (Raiffeisen) verkauft. Der Denkmalschutz wurde aufgehoben, das Schloss dem Verfall preisgegeben und es entstand anstelle des Parks jenes gigantische Mischfutterwerk, das bis heute den Sieg von Wirtschaftsinteressen über die Kultur symbolisiert.

Anlass für diesen Blog ist das Erscheinen das Buches von Wolfgang Burghart und Gerhard Hertenberger: Österreichs gefährdetes Kulturerbe*, in dem man die ganze Geschichte über Aschachs verschwundenes Schloss nachlesen kann.

http://www.initiative-denkmalschutz.at/denkmail/Denkmail_Nr_23_174dloesaJ53.pdf

Aschach: Ein sehr hässlicher urbaner Ort , http://www.archicultura.ch (27.April 2015)

https://www.nachrichten.at/oberoesterreich/wels/Ortsbildbeirat-gibt-gruenes-Licht-Graue-Silos-werden-mit-bunten-Netzen-verhuellt;art67,1710689#kommentarArt__outer

*office@idms.at hier kann man das Buch beziehen

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