Dachschaden im Dachverband.

Es war für mich von Anfang an klar: Die ganze Reform der Gebietskrankenkassen ist nichts anderes als eine Enteignung. Ziel war es, den Gesundheitsmarkt Österreichs in die Hände von Vertretern des Finanzkapitals zu bringen und die Arbeiter und Angestellten aus den Selbstverwaltungsgremien der Gebietskrankenkassen zu drängen. Mit dem Versprechen, eine Milliarde einzusparen, hat die türkisblaue Abrissbirne die selbstverwalteten Bundesländerkassen zerschlagen und jetzt stellt sich zur Überraschung aller heraus, dass die GKK (ÖGK) noch vor 2 Jahren über 111 Millionen Euro an Rücklagen hatte,  das System heuer aber bereits mit 174,6 Millionen Euro im Minus ist und für 2021 ein Minus von 159,8 Millionen bereits feststeht. Sehr viel Geld bei der Filetierung des Bratens haben Beraterfirmen kassiert, genau wie ich es schon vor 2 Jahren vorausgesagt habe. Wem diese Beraterfirmen nahestehen, sollte man eigentlich eruieren. (Soll ich raten?) Im Vorjahr wurden 3, 8 Millionen und heuer 8,2 Millionen alleine für Beratungsleistungen veranschlagt. Das ist aber nur ein Teil der Kosten. Jetzt  folgt  der nächste Schritt der wirtschaftlichen Verwertung. Peter Lehner, ehemals Chef der jungen Wirtschaft, der  den klingenden Titel „Vorsitzender des Dachverbandes der Sozialversicherungsträger“ inne hat, also ein Unternehmer, der die Krankenkassen seiner Angestellten verwaltet, deutet an, in welche Richtung er denkt. Mit den Worten „Gesundheit ist wichtiger als Datenschutz“ (*1) versucht er zu begründen, dass die Gesundheitsdaten der Österreicher doch zur Verfügung gestellt werden sollten. Nachdem sie mit ELGA eh schon perfekt gesammelt wurden, steht einer Auswertung und Nutzbarmachung durch Versicherungen‚ Werbefirmen etc. nichts mehr im Wege. Im Gesetz über ELGA hat man schon vorsorglich einen Passus eingebaut, der die Verwendung der Daten durch „Institutionen mit einem begründeten Interesse“ daran erlaubt. Begründet wird das aber scheinheilig mit dem Vorsorgegedanken. Der gute Mann macht sich Sorgen um die Volksgesundheit. Als ob wir in Österreich nicht wüssten, wo die Gesundheitsrisiken liegen: Überernährung durch zu viel Zucker, zu viel Fleisch und Wurst, Rauchen und Stress am Arbeitsplatz. Dazu braucht man nicht die Gesundheitsdaten der Österreicher,  dazu braucht man nicht die Krankengeschichte meiner Tante Frieda! Da genügt ein Blick auf die Gewinne der Konzerne. Ob das Red Bull mit seiner ungesunden Zuckerpampe ist, der Agrargigant Agrana, der tonnenweise Fruktose unters Volk bringt oder der industrielle Schweineverwerter aus Tirol, der mit seinem Speck die Supermarktregale flutet. Dort liegt die Gefahr für die Gesundheit. Dazu braucht man keine Daten. Da sollte man in erster Linie die Steuern auf zuckerhaltige Getränke, wie in England geschehen, erhöhen und die Standards bei der industriellen Massentierhaltung kontrollieren und die Arbeitsbelastung reduzieren statt den 12- Stunden- Tag einzuführen. Alles was uns jetzt aufgetischt wird, ist ein Lügengebäude und mich packt die kalte Wut, wenn ich die ganzen lächelnden Wirtschaftsfuzzis sehe, die unter den Schwingen ihres neoliberalen Erzengels Sebastian den Staat zu ihrer eigenen Firma machen.

*1)O.Ö.Nachrichten  13.2.2020

https://alfredwassermair.wordpress.com/2018/01/17/kassa-machen-2/

https://alfredwassermair.wordpress.com/2018/09/15/masterplan/

https://kurier.at/wirtschaft/sozialversicherung-fsg-wirft-lehner-verachtung-der-arbeitnehmer-vor/400743762

Ein Gedanke zu “Dachschaden im Dachverband.”

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