Pandämonium

Ein Ereignis wie die Corona Pandemie zeigt sehr deutlich die Grenzen des neoliberalen Systems auf. Auf der einen Seite sind es die rein profitorientierten Produktionszyklen, die zu Problemen führen. Ein Teil der Grundstoffproduktion z.B. für Antibiotika wurde nach China und Indien ausgelagert, weil die europäische Pharmaindustrie zu wenig daran verdient. Die kaufen das Zeug dort billig und verpacken es nur mehr und verkaufen es teuer.* Dazu gehören Blutdruckmittel, Lipidsenker und Antibiotika. Das heißt, wir sind in dieser Hinsicht vollkommen abhängig von offenen Handelswegen und letztendlich vom Goodwill der Produzenten. Hier zeigt das freie und demokratische und und und und .. Amerika mit seinem kaltschnäuzigen und dummen Präsidenten, dass er im Notfall nur an sich und „America first“ denkt, und sich die gesamte Impfstoffproduktion einer deutschen Firma unter den Nagel reißen würde. Nun gut, er wollte auch Grönland kaufen. Vielleicht ist er ein eher schlechtes Beispiel. Andererseits, ein Krieg, in den China involviert wäre, könnte die Medikamentenversorgung ernsthaft ins Wanken bringen.
Jetzt sieht man auch, dass bestimmte Berufsgruppen, die als Systemerhaltende besonders in Krisenzeiten unbedingt notwendig sind, auf Grund der schlechten Arbeitssituation der schlechten Bezahlung und der geringen Wertschätzung plötzlich rar werden. Wenn es wie jetzt noch mit Gefahren verbunden ist und diese Systemerhaltenden wie Ärzte, Krankenschwestern, Pflegepersonal, aber auch Handelsangestellte, Polizisten etc. durch eine ansteckende Krankheit sukzessive dezimiert werden, dann merkt die Gesellschaft plötzlich, dass eine Krankenschwester wichtiger ist als ein Bankmanager oder der Vorstand eines Autokonzerns.                                                                                                                                                                                                 Italien, dessen Versorgungssystem an der Grenze ist, holt derzeit  Ärzte sogar aus Venezuela und China.
Dazu kommt, dass die Wirtschaft, die sonst immer große Töne spukt (geht’s der Wirtschaft gut geht’s uns allen gut) schon beim geringsten Gegenwind in Panik gerät und sofort damit droht, Leute zu entlassen und vom Staat gerettet werden will, wie weiland die Banken, die Milliarden verzockt haben und ohne schlechtes Gewissen die staatlichen Unterstützungen gleich wieder als Boni an ihre Spitzenmanager ausbezahlt haben. Das Erste was unsere glorreiche Regierung in der jetzigen Situation tut – und man sollte  sich das in Erinnerung rufen – was also vom ersten Tag an feststand,  ist, dass sie 4 Milliarden, vielleicht sogar 6 Milliarden für die Wirtschaft  bereitstellt. Nicht für das Gesundheitssystem,  nicht für die Pflege, nicht für sonst was.  Natürlich gibt es eine große Zahl kleinerer Betriebe, die wohl tatsächlich in Konkurs gehen, wenn sie ein paar Wochen keine Aufträge ausführen. Denen zu helfen, ist keine Frage, denn durch deren Untergang würde eine wirtschaftliche Kettenreaktion ausgelöst.. Aber warten wir einmal ab und schauen wir uns an, wer aller kassiert hat, wenn die Epidemie vorbei ist. Das sind sicher nicht die Ärmsten.

*Hier muss man einfügen, dass wir Österreicher das Glück haben, eine der weltweit größten Antibiotikaproduktionsstätten im Land zu haben, nämlich in Kundl. Aber wie lange noch?

https://tirol.orf.at/v2/news/stories/2976605/

https://tirol.orf.at/v2/news/stories/2981726/

https://orf.at/stories/3157983/

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