Eine Begründung für eh alles….

Ich will jetzt nicht zynisch werden, aber bei aller Unbequemlichkeit, bei allen Sorgen, die viele Österreicher jetzt haben, sie sitzen doch üblicherweise im Warmen, sind satt und können auf eine beträchtliche Menge an Vorräten, insbesondere Klopapier zurückgreifen, auch wenn die Quarantäne lange dauert. Was einige aber noch immer bewegt: Es könnten in dieser Situation ein paar Flüchtlinge ins Land kommen. Um Himmels Willen. Womöglich Kinder und Frauen aus Moria auf der Insel Lesbos, die dort in einem Drecksloch zusammengepfercht sind und sich vor Corona nicht in Sicherheit bringen können. Wir haben also jetzt einen guten, einen triftigen Grund gefunden, unser Selbstmitleid ins Zentrum all unserer Betrachtungen zu stellen und das Elend der anderen vollkommen zu negieren. Jetzt gibt es für Österreich nämlich Wichtigeres als Flüchtlinge – wir sind bedroht. Damit glauben viele, sogar die Wohlmeinenden, sich entschuldigen zu können. Immerhin, unsere Generation erlebt zum ersten Mal Geschichte. Die ganze Welt steht still. Alles davor waren Ereignisse. Ereignisse, die wir üblicherweise aus der Ferne in den Medien betrachten und diskutieren konnten. Auch beim Anschlag auf des World Trade Center – Nine Eleven – ein Synonym für allgemeine Erregung, die durch die Medien weltweit verbreitet wurde, fühlten wir Betroffenheit auf Grund des gewaltigen und bildmächtigen Spektakels. Damals kamen 3000 Menschen ums Leben. Jetzt sind alleine in Italien fast 10 000 Menschen an der Seuche gestorben und in Österreich werden die Todesfälle in den nächsten Tagen deutlich ansteigen. Da kann eine Regierung, die sich medial gut als Krisenmanagement präsentieren will, nur Härte zeigen. Da geht es in erster Linie ums Überleben der Wirtschaft. Das wird uns deshalb täglich, wenn nicht stündlich erklärt. (Wobei man hier als Zeitzeuge auf die subtile Differenzierung beim Verteilen der riesigen Geldbeträge ein Auge haben sollte) Der Plan ist offensichtlich, dass man in der Folge wieder genauso weitertun kann wie gehabt und dann hat man wegen der folgenden Rezession zusätzlich einen Grund, alle Umweltbedenken über den Haufen zu werfen und geplante Maßnahmen auszusetzen.
Mir fällt bei all dem der Titel von Andreas Grubers Film über die Mühlviertler Hasenjagd ein: Vor lauter Feigheit gibt es kein Erbarmen.

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