Kunst und Kultur

Wenn jetzt schon eine neue Kulturstaatssekretärin das Sagen hat, muss man fordern, dass sie die Kultur dort fördert, wo sie wirklich stattfindet. Die Avantgarde ist in Oberösterreich. Das Land hat erkannt, wo die Kultur wirklich ihr Zuhause hat und mit 6,5 Millionen als Anerkennung für die Motorradkultur des Stefan Pierer endlich ein Zeichen gesetzt. Da wäre jetzt gleich ein großer Wurf nötig, der angesichts der Situation in der wir uns befinden die Synergien zwischen Wirtschaft und Kultur nützt, denn geht es der Wirtschaft gut geht es vermutlich auch der Kultur gut, oder so ähnlich hieß es doch. Und man soll sich keine Denkverbote auferlegen, denn unsere wirkliche Kultur ist die Kultur der raschen Bewegung, die sich auf den Straßen abspielt. Der öffentliche Raum wird vom Auto bespielt. Der Rest, der sich in Theatern und Konzertsälen abspielt ist in Österreich eigentlich in erster Linie für die Fremdenverkehrswerbung gedacht. Die menschliche Kultur bestimmt seit einem Jahrhundert nicht Dostojewski oder Mozart, sondern Otto und Diesel. Nur getrauen wir uns nicht, uns dazu zu bekennen. Die Zuordnung einer Kultur wird von den Archäologen und Historikern üblicherweise an Hand ihrer Artefakte gemacht. So kann ein Ärchäologe eine Keramikscherbe rasch der Mondseekultur, den Bandkeramikern oder den Nazka in Südamerika zuordnen. Die Schiffsbegräbnisse sind typisch für die Wikinger und bestimmte Formen von Lanzen, Schwertern und Dolchen für die Kirgisen. Was werden Historiker über unsere Kultur einmal anhand der Artefakte herausfinden? Was ist am meisten verbreitet und  wird auch in Jahrhunderten oder Jahrtausenden als bestimmendes Element unserer Kultur gelten? Das Auto. Wir werden als die Automobilkultur in den Geschichtsbüchern aufscheinen. Alles andere wird nur einen geringen Stellenwert als Verweis auf unsere Kultur haben. Unsere Kultur ist zugleich auch unsere Religion der wir vieles unterzuordnen bereit sind nicht zuletzt unsere Umwelt und die Existenzbedingungen unserer Nachfahren.  Im selben Maß wie die Bewohner der Osterinsel  eine riesige Steinfigur nach der anderen produzierten und dabei alle Ressourcen der Insel vernichteten, haben wir immer mehr Straßen und  Autobahnen gebaut. Parkflächen und nicht zuletzt riesige Fabriken, die weltweit unendliche Mengen an Stahl, Glas, Buntmetallen und Plastik verschlingen um immer noch ein neues Auto und noch eins auszuspucken. Und jetzt sind sie bald intelligenter als ihre Fahrer. Noch trifft sich die Jugend zu illegalen Autorennen, weil man ihnen verbietet, ihre Kultur zu leben, aber wie es aussieht wird bald  die Kulturförderung das Golftreffen in Kärnten bezuschussen. Kunst ist Porsche oder Aston Martin und der Fahrer ein Teil des Kunstwerkes.  Waren edle Pferde und demgemäß Reiterstandbilder das Nonplusultra früherer Jahrhunderte, so sollten berühmte Persönlichkeiten als Autostandbild im Stadtpark stehen. Kurz der Sebastian im Geilomobil, Niki Lauda im Ferrari und der Bundespräsident im Alfa Romeo. Wann ist es endlich soweit, dass jemand eine Sinfonie für Lamborghinis und Porsches oder eine kleine Nachtmusik für Tesla komponiert und eine Parkplatzpolka. Wann bekommen Autodesigner einen Oscar?  Warum will man Millionen an die Filmförderung oder irgendwelche Pimperl-Kulturvereine verschwenden, wenn man mit dem selben Geld die individuelle Mobilität fördern kann, indem man den Autoherstellern mit einer Kulturförderung unter die Arme greift, wo doch die ganzen Staatskünstler eh nur auf einer Bratsche herumzupfen oder Wände mit Graffitis beschmieren und sich über die Politiker lustig machen. Unsere Kultur ist laut und dröhnend. Der Verbrennungsmotor und die Geschwindigkeit sind die Parameter dieser Kultur. Warum bekennen wir uns nicht endlich bei der Kunstförderung auch dazu. Ist doch alles nur eine Frage der Definition. Schauen Sie sich um in der Stadt. Was sehen sie? Autos, Autos, Autos. Eine Kultur der maßlosen Konsumation und der raschen Bewegung. Geht hin und verwandelt die Welt in eine Maschine!

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