Das kleine und das große Geschäft

Ganz dem Stil der FPÖ entsprechend ist die Intervention von Peter Sidlos Vater, der dem ehemaligen dritten Nationalratspräsidenten Martin Graf auf der Toilette bei einem Rapid Match  begegnete und die gute Gelegenheit nutze, um  ein wenig Lobbying für seinen Sohn zu betreiben.

Wie muss man sich so eine Intervention am Pissoir jetzt vorstellen?

Ist das in sehr gepflegter Form abgelaufen?  Etwa so:  „Bitte vielmals um Entschuldigung, dass ich sie beim Urinieren inkommodiere Herr Dr. Graf. Ich hätte mich nicht getraut sie anzusprechen, wenn wir nicht gerade da so zufällig nebeneinander stünden und nicht auch mein Sohn bei der nationalen Heimatpartei ein Mitglied wäre. Es ginge um ebendiesen, meinen Sohn und seine Karriere. Sie wissen nicht zufällig ob da schon eine Entscheidung gefallen ist…? Er wäre so gerne Casino-Vorstand geworden und ist auf Grund seiner FPÖ Mitgliedschaft  sicher bestens geeignet. Falls es Probleme gäbe, also  wenn die FPÖ – was abzusehen ist – staatstragend wird, wird sie ja sicher geeignete Mittel finden um diese Bestellung entsprechen d zu würdigen….“

Oder eher auf gut Wienerisch: „Heast Oida, weul i di da grad beim Brunzn dawisch, muass i die wos frogn. Es warat wegn mein Buam, der mecht was wern bei de Casinos.  Direkta mecht a werdn,  aber wias auschaut ziegt se de Entscheidung a wengl in die  Läng.  I man,  da kunnt ma do was tuan. Wann der H.C. amoi an der Macht ist, dann griegn de eh jeds Gesetz des woin. Vastehst Oida a jeds Gesetz! Bedingung, mein Bua muss vo dera Automatenfirma  a unterstützt wern, weil sunst spüt se nix o. Mia wars recht, da Peda ko jo net ewig bei mia wohna….“

Martin Graf gibt im Zusammenhang mit dem Klobesuch im Rapidstadion  zu Protokoll, dass die Unterredung nur  knapp 60 Sekunden gedauert hat. Das spricht gegen ein Prostataleiden.

Martin Graf  wird am Donnerstag im Untersuchungsausschuss Peter Sidlo, Norbert Hofer und Peter Fuchs (ehem. FPÖ Staatssekretär), höchstpersönlich zu den Vorfällen rund um die Casino-Bestellung einvernehmen. Alles Parteigenossen und keiner – inclusive Graf – ist ein unbeschriebenes Blatt. Würde man so eine Konstellation in einem Krimi verwenden, jeder hielte das für unglaubwürdig.

Ein Gedanke zu “Das kleine und das große Geschäft”

  1. Wunderbare Beschreibung. Hab sehr gelacht ob der Pissoir-Szene. ….. Wenn’s nicht eigentlich eine traurige Episode zum Fremdschämen in unserem Staat wäre, könnte der Plot tatsächlich eher als Komödie denn als Krimi dienen. Leider ist er Letzteres.

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