Das Schweigen der Knaben

Es gibt ein paar kulturelle Institutionen in Österreich, die haben Kultstatus und sind einzigartig auf der Welt. Die Wiener Hofreitschule, das Burgtheater und die Wiener Sängerknaben gehören dazu. Letztere sind  sogar UNESCO Kulturerbe. Egal ob in Europa,  Australien oder in Asien, in Nord- oder Südamerika, das ist ein Chor, den  sicher ein Gutteil der musikinteressierten Menschen auf dieser Welt kennt. Sie haben einen Stellenwert wie Mozart oder Beethoven. Aber jetzt konnten die Sängerknaben nicht singen wegen Corona. Die rund 100 Knaben, die in 4 Chören aufgeteilt ca. 11 Wochen im Jahr die Welt bereisen und an die 300 Konzerte geben und immer und ausschließlich vor ausverkauften Häusern singen, mussten erstmals schweigen.                                                                               Sie spielen auf eigenem oder fremden Label zahlreiche Schallplatten bzw. CD’s  pro Jahr ein, die weltweit vertrieben werden.  Bei Amazon finden sich allein mehrere hundert verschiedene CD’s von und mit den Sängerknaben. Da müssen Tantiemen in mehrstelliger Millionenhöhe fließen. Auch die Eltern zahlen ein bescheidenes Schulgeld an den Verein, der das ganze Unternehmen leitet. Und einen Teil des Lehrpersonals wird wohl der Staat finanzieren. Natürlich, die Flugtickets für 100 Buben samt Equipage müssen bezahlt werden. Zahlreiche Betreuer, Musiker, Lehrer, Büroangestellte, Hausmeister und Putzkräfte in den Privatschulen, die zum Universum der Sängerknabenindustrie gehören, müssen ein Gehalt bekommen. Aber es ist ein Wirtschaftsunternehmen, das schon auf Grund seines einzigartigen Rufes Stabilität und Prosperität verspricht, basierend auf vorhersehbaren und stabilen Einkommensquellen und berechenbaren Ausgaben. Wenn man es genau betrachtet –  ein Millionenunternehmen. Da müsste doch eine Geschäftsführung nach den Prinzipien guter Kaufmannstradition auch Rücklagen gebildet haben, der Chor besteht seit immerhin schon seit 500 Jahren.  Trotzdem stehen die Wiener Sängerknaben laut Selbstauskunft vor dem Ruin weil im letzten halben Jahr keine Konzerte gesungen werden konnten. Die chinesische Community Wiens hat zu einer Sammlung aufgerufen und 10 000 Euro zusammengetragen und die Kronenzeitung ruft in einem dramatischen Artikel  zum Spenden auf. Und ich denk mir, da stimmt doch was nicht, da kann was nicht stimmen. Hat da nie wer in die Bücher geschaut? Wohin gehen die Millionen? Kaufen die Matrosenanzüge um das viele Geld ?

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