Corona-Cluster-Chaos

Obwohl ich  selber bei Virustestungen involviert und von der Notwendigkeit mancher Maßnahmen bezüglich Corona überzeugt bin, erschreckt mich momentan die Vorgangsweise. Natürlich ist mir klar, dass Regierung und Behörden sich bei ihren Entscheidungen auf Fachleute verlassen. Andererseits hat es den Anschein,  dass manche Entscheidungen eher mit purer Behördenwillkür zu tun haben. Ich darf an das Strafausmaß erinnern, mit dem Leute, die einfach nur im Park saßen, eingedeckt wurden. Ob statt dem kompletten shut down  nicht auch gelindere Maßnahmen gereicht hätten, um die Epidemie einzugrenzen, wird wahrscheinlich erst retrospektiv zu beantworten sein, und das will ich auch niemandem vorwerfen. Allerdings,  die Penetranz mit der  der Bundeskanzler seine täglichen Fernsehauftritte, wie eine heilige Messe zelebrierte, um dann genau nichts zu sagen, zumindest nichts, was wir nicht eh schon wussten, wird mir wohl bis ans Lebensende in Erinnerung bleiben. 15 Stunden Grenzwartezeit, ein sinnloses Formular und die Auflage, dass eine deutsche Familie Österreich ohne Tankstop und Pinkelpause auf raschestem Weg zu durchqueren habe, sind ein Ärgernis. Aber was daneben so passiert ist noch ärgerlicher und spricht für katastrophale organisatorische Mängel*: Eine  junge Frau aus meiner nächsten Umgebung, hat vor ca. 14 Tagen von Kärnten aus einen Abstecher nach Italien an den Gardasee gemacht. Sie war in Begleitung von acht Studienkolleg/innen und Freunden. Kurz nach der Rückkehr nach Österreich besucht sie eine Geburtstagsfeier und eine Poolparty,  um dann für einige Tage nach Wien zu fahren. Sie ist Studentin und muss sich um ihre Wohnung in einer WG kümmern. Da die Stadt  Wien die Corona-Tests löblicherweise gratis anbietet und dies für Rückkehrer aus dem Ausland sinnvoll erscheint, machte sie einen Test, weil sich die Gelegenheit dafür bot. Zwei Tage später wird sie von der Bezirksbehörde ihrer Heimatgemeinde in Oberösterreich  per Telefon darüber instruiert, dass ihr Test positiv ist und es wird ihr eine 10 tägige Quarantäne mit den üblichen Verhaltensmaßregeln auferlegt.        Sie muss alle Personen mit denen sie in den letzten 48 Stunden Kontakt hatte angeben damit selbige überprüft bzw. getestet werden können. Selbstverständlich  informiert sie auch alle ihre Reisegefährt/innen sofort persönlich. Irritierend ist allerdings, dass sie am 21. August beim Test war, im Befund, der ihr mittels E-mail übermittelt wurde aber der 23. als Testzeitpunkt angegeben wird und als Testgrundlage ein Rachenabstrich vermerkt ist, sie aber einen Gurgeltest gemacht hat.  Sie ist also seit dem 21. 8. in Quarantäne, sitzt alleine in Wien in ihrer Wohnung und wird von Freunden mit Lebensmitteln versorgt.  Aber keiner ihrer Freunde, deren Namen sie angeben musste, wurde bis zum heutigen Tag von den Behörden informiert, geschweige denn zu einem Test eingeladen. Nach mehrtägiger Ungewissheit, in freiwilliger Absonderung,  haben sich alle entschlossen, selbst einen Test auf eigene Kosten durchführen zu lassen. Alle Tests waren negativ. Jetzt versucht  sich unsere junge Dame  doch auf Grund der widersprüchlichen Angaben Gewissheit zu verschaffen, ob das überhaupt ihr Test war, der da zur Quarantäne geführt hat. Also ruft sie die sattsam bekannte Nummer  1450 an und hängt dort lange in der Warteschleife. Als sie ihr Problem schildert, wird sie mit einem Arzt verbunden. Dem kommt das auch komisch vor und er rät ihr, sich bei der zuständigen Behörde –  das ist in Wien MA15 –  zu erkundigen. Dort hängt sie wieder 30 Minuten in der Warteschleife und dann wird ihr rüde beschieden, dass man ihr leider wegen Überlastung nicht weiterhelfen könne. Was tun? Sie ruft das Labor an, von dem der Befund stammt. Dort ist man verwundert darüber,  wieso sie schon im Besitz dieses Befundes sei. Diesen Befund sollte sie eigentlich erst morgen mit der Post bekommen und auch, woher das Gesundheitsamt in Oberösterreich schon den Bescheid hat, ist der Labormitarbeiterin ein Rätsel. Allerdings bestätigt sie den 21. 8. als Abnahmedatum und auch den Gurgeltest und dass der Test positiv ist. Bei so viel Ungereimtheiten wäre es naheliegend den Test zu wiederholen. Aber bis sie den Befund bekommt, wäre die Quarantänezeit sowieso schon vorbei und wer weiß, vielleicht kommt dann eine Bezirksbehörde auf die Idee noch einmal eine Quarantäne zu verordnen.

 Rein theoretisch hätten die jungen Leute, wenn sie nicht selbst verantwortungsvoll gehandelt hätten und zu Hause geblieben wären, jeweils zumindest ein paar weitere Infektionen bewirken können, denn von den Behörden ist bis jetzt nichts zur Aufklärung bzw. Verfolgung des möglichen Corona-Clusters geschehen.*1 Fazit, die Organisation scheint trotz aller gegenteiliger Beteuerungen im Chaos der Zuständigkeiten zu versinken. Wie es scheint ist der Informationsfluss von einer Bezirksbehörde zur anderen mit der Schneckenpost unterwegs und das System momentan an allen Ecken und Enden überfordert.  Statt eine zentrale Einsatzplanung und Datenverarbeitung zu installieren, wie es die Expertin Pamela Rendi-Wagner von Anfang an gefordert hat, krebsen die Bezirksbehörden mit jeweils länderspezifischen Vorgaben und Auflagen offensichtlich auf dem schon immer begangenen Amtsweg herum. Dass man mit dem Amtsschimmel  keine Epidemie aufhalten kann ist vollkommen klar, dass man es versucht ist aber typisch österreichisch.

*Die Informationen verdanke ich persönlicher Mitteilung

*1 Nachtrag am 28.8.2020: Die betroffenen jungen Leute wurden bis heute, also eine Woche nach dem Stichtag, nicht verständigt….

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