Die Corona- Kreuzung

Jetzt ist die Coronakrise ganz offensichtlich bei einer Kreuzung angekommen, weil wir eine Ampel brauchen. Erstmals gibt es Querverkehr. Da sind einmal die Ärzte die – ich weiß nicht recht, inzwischen eher von links kommend –  den Verkehrsfluss bremsen. Die Ärzte, vor allem die Allgemeinmediziner, denen ohne entsprechende Schutzausrüstung  und mit einer Unzahl von Regierungsvorgaben die Arbeit direkt am Patienten oblag, müssen jetzt vom Gesundheitsminister erfahren, dass sie während der Krise gar nicht da waren. Ja, klar, die Ordinationen waren leer wegen der vom Minister verfügten  Ausgangssperre. Viele Ärzte haben dennoch den ganzen Tag telefoniert, um die Wege im Gesundheitssystem für ihre Klienten zu ebnen. Rezepte wurden direkt an die Apotheken übermittelt. Krankschreibungen ebenfalls per Telefon und Intranet erledigt. Für die, die trotzdem in die Ordination kamen, gab es mühevolle Hygieneprozeduren. Andere haben täglich mehrere Hausbesuche mit jeweils frischem Vollvisier und Schutzanzug absolviert. Alleine das Anziehen und Ausziehen und die fachgerechte Entsorgen dauert eine Viertelstunde. Und diese Schutzanzüge wurden von den Ärzten – nicht von der GKÖ finanziert, während die Preise innerhalb kurzer Zeit um 1000% stiegen. Mehrere Millionen Schutzmasken, die die ÖVP Ministerin Rauch-Kallat 2005 angeschafft hat, wobei ihr Ehemann Alfons Mensdorff- Pouilly eine Provision von 257.592 Euro kassierte, und die dann um den Preis von 55 Cent pro Maske Österreichweit eingelagert wurden, sind nämlich verschwunden. Niemand weis, wo 7,7 Millionen Masken verblieben sind, für die das Gesundheitsministerium verantwortlich zeichnet. Manche Ärzte haben ihren Urlaub unterbrochen oder nicht angetreten, um mitzuhelfen. Ein Kollege in Niederösterreich hat sich infiziert und ist gestorben. Jetzt müssen alle Ärzte ihren Arztassistentinnen eine Corona-Prämie bezahlen. Das ist gerade beschlossen worden. Die meisten Ärzte dürften das noch gar nicht wissen. Das sei den Ordinationsassistentinnen gegönnt, aber erwähnt sollte es werden. Während die Apotheker  hinter Plexiglas weitgehend in Sicherheit waren und die Umsätze sicher nicht wesentlich eingebrochen sind, hat es bei den Kassenärzten 20 % Umsatzeinbußen gegeben, die niemand ersetzt. Keine Kurzarbeit, keine staatliche Hilfe wie bei Novomatic. Das lässt man halt nicht gerne auf sich sitzen.                                                                                                                                         

Die Ampel ist ein Konzept, das auf Grund ihres ubiquitären Vorhandenseins im Straßenverkehr eine Art gewohnheitsmäßigen Gehorsam einfordert. Wir lernen diesen Gehorsam von Kindesbeinen an: Augen auf, Ohren auf, Helmi ist da – der Satz gehört zu den frühesten Erinnerungen vieler Österreicher. Und das Helmi-Lied: Neger auf Kaffeebohnen, Chinesen auf Zitronen…heute politisch inkorrekt, hat vielleicht der eine oder andere von der televisionären Verkehrserziehung aus den 80er Jahren noch im Ohr. Die Kindersendung, die das rechte Bewusstsein im Straßenverkehr nahebringen sollte, war eine durchschlagender Erfolg mit Langzeitwirkung. Im Gegensatz zum italienischen Straßenverkehrsteilnehmer, der die Ampel eher als Empfehlung wahrnimmt, wartet der Österreicher vor der roten Ampel auch dann, wenn die Straße in beiden Richtungen 500 Meter einsehbar ist und weit und breit kein Auto fährt. Die Ampel nimmt den Leuten das Denken ab und man kann sie lenken wie eine Herde Schafe, wenn man sie einmal konditioniert hat. Was Wunder, dass sich die Regierung ebenfalls für eine Ampel zur Durchsetzung der Corona- Maßnahmen entschieden hat. Da gibt es schon eine Organisationsstruktur im Kleinhirn der Österreicher, die automatisch anspringt, wenn die Farbe wechselt. Allerdings gibt es bis dato noch keine gesetzliche Grundlage für diese Regelung – aus Angst vor dem Verfassungsgericht gibt es nur eine Empfehlung. Aber die will der Linzer Bürgermeister nicht akzeptieren. Er fährt jetzt von rechts kommend in die Kreuzung und schert sich nicht um Gelb. Eh klar, ein Roter, ein notorischer Querulant und Widerspruchsgeist.  Aber vielleicht wäre statt dem Ampelkonzept mit den Eskalationsstufen grün, gelb, orange, rot etwas anderes leichter zu akzeptieren gewesen. Zum Beispiel das Kasperltheater  mit den Bedrohungsstufen: Kasperl, Pezi , Räuberhauptmann, Großmutter. Vielleicht würden sich die Linzer da leichter tun und hätten weniger Anlass für provokative Verweigerung wie bei einer Ampel. Dann wäre jetzt nämlich nur die Bedrohungsstufe Pezi.

https://www.trend.at/skandale/mensdorff-pouilly-maria-rauch-kallat-schutzmasken-deal-332089

https://www.profil.at/home/mensdorff-275-000-euro-grippemasken-hersteller-331994

https://kurier.at/chronik/oesterreich/corona-virus-rauch-kallat-schutzmasken-noch-einsatztauglich/400773234*

*Bemerkenswerterweise ist in diesem Artikel nur von 1,6 Millionen Masken die Rede, obwohl 7,7 Millionen eingelagert wurden und insgesamt 23 Millionen angekauft wurden.

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