Welcome Idiots oder Gehirne ohne Sauerstoff.

In dem Film von Woody Allen „Die letzte Nacht das Boris Gruschenko“ gibt es eine köstliche Szene, die das jährliche Treffen der Dorftrottel irgendwo in Russland zeigt.  Würden sich die Dorftrottel heute treffen, dann geschähe das sicherlich im Internet und zwar mit hoher Wahrscheinlichkeit als Facebookgruppe. 

Derzeit wird bei Facebook das Video einer Neurologin verbreitet, die salbungsvoll erklärt, dass mehr oder weniger alle, die eine Stoffmaske tragen, auf Grund von Sauerstoffmangel sterben oder zumindest verblöden.  Schauen wir uns die Fakten an, dann kann jeder, der durch den Maskengebrauch noch nicht verblödet ist, nachrechnen, ob das, was die Dame von sich gibt, stimmt oder eher nicht so wahrscheinlich ist. Für die Berechnungen genügt im Prinzip die Kenntnis des kleinen Einmaleins und der Multiplikation und der Division.

Ein erwachsener Mensch atmet etwa 12 bis 15 mal pro Minute. Dabei hat er pro Atemzug ein Atemzugvolumen von 500 bis 700 ml. Somit beträgt sein Atemminutenvolumen durchschnittlich acht Liter (13 × 600 ml = 7800 ml) pro Minute. Die Luft, die uns umgibt, enthält als Hauptbestandteile  78 % Stickstoff,  21 % SauerstoffWasserdampf und verschiedene Edelgase sowie 0,04 % Kohlenstoffdioxid (CO2). Die Luft wird beim Einatmen durch die Nase zusätzlich mit  Wasserdampf angefeuchtet. Unser Körper setzt einen Teil des in der Atemluft enthaltenen Sauerstoffs in Kohlenstoffdioxid um, weil er alles, was wir essen, zur Energiegewinnung mit dem Sauerstoff zu Wasser und CO2 verbrennt. Die Ausatemluft enthält weiterhin 78 % Stickstoff, aber immerhin noch ca. 17 % Sauerstoff und ca. 4 % Kohlenstoffdioxid (CO2), das bei unseren Stoffwechselvorgängen entsteht. (1)  Rund 1 % andere Bestandteile wie beispielsweise Aceton oder Wasserstoff atmen wir ebenfalls aus. Nehmen wir jetzt die Menge Luft, die sich hinter einer Atemmaske, die vernünftigerweise ziemlich dicht anliegt, zum Vergleich. Und ich rechne großzügig, damit niemand sagen kann, ich rechne die Gefahr klein: Die Fläche einer üblichen Atemmaske von 17 x 10 cm ist 170 Quadratzentimeter. Nehmen wir an, die Maske wäre rundherum vollkommen dicht und  läge mit einem durchschnittlichen Abstand von 2 mm auf unserer Haut an.  (Um die Nase ein wenig mehr, dafür an den Wangen weniger). Dann sind hinter der Maske 34 Kubikzentimeter Luft, die nach dem Ausatmen im schlimmsten Fall statt 21% nur 17 % Sauerstoff und statt 0,04% CO2 jetzt 4% CO2 enthält. Mit dem nächsten Atemzug durch die Maske nehmen wir aber wieder 700 Kubikzentimeter Luft mit 21% Sauerstoff auf. Die 34 Kubikzentimer werden also mit 700 Kubikzentimeter gemischt. (Verdünnungsfaktor 20,5x) Die 34 Kubikzentimeter mit nur 17% sind also irrelevant, was die Sauerstoffversorgung unseres Gehirns betrifft, desgleichen die 4% Kohlendioxyd, vor allem wenn man bedenkt, dass unsere Bronchien, die ja nicht am Gasaustausch teilnehmen, ungefähr 700 Meter in ihrer Gesamtheit messen und diese sich beim Ausatmen nicht vollkommen entleeren sondern ein Residualvolumen haben in dem sich sowieso noch die erhöhte CO2 Konzentration der Ausatemluft befindet und das ist bei weitem mehr als 34 Kubikzentimeter.     

Vielleicht macht aber ein anderer Vergleich den Sachverhalt ein wenig verständlicher: Raucher atmen bei jedem Zug an einer Zigarette das Giftgas Kohlenmonoxyd ein. Kohlenmonoxyd bindet sich im Gegensatz zu Kohlendioxyd an den Blutfarbstoff Hämoglobin und zwar 300 x stärker als der Sauerstoff, den das Hämoglobin durch unseren Körper transportiert. Die Halbwertszeit dieser Bindung ist 6,5 Stunden. Das heißt, dass im Blut von Rauchern, die 20 Zigaretten am Tag rauchen, ungefähr 8% (2) des Hämoglobins mit Kohlenmonoxyd beladen ist, was dazu führt, dass sowohl die Sauerstoffaufnahme als auch die Abgabe von CO2 um diesen Wert vermindert ist. Aber deswegen laufen Raucher auch nicht wie hirnlose Zombies durch die Gegend. Im schlimmsten Fall erhöht sich die Herzfrequenz, um den Sauerstoffmangel eines Rauchers zu kompensieren. Und statt täglich 5000 Liter pumpt das Herz dann um 8% mehr Blut durch den Körper.(3)                                     Wer das was ich oben berechnet und erklärt habe nicht verstanden hat, der sollte sich auch kein Urteil über die Physiologie unserer Atmung anmaßen, darf sich aber jederzeit bei der Facebookgruppe „Welcome Idiots“ anmelden.

Nachtrag: Natürlich fliegen beim Atmen und Sprechen auch keine einzelnen Viren wie ein Pfeil zielgenau durch die mikroskopischen Maschen des Gewebes vor unserem Mund. Tatsächlich wird sich der Großteil der Viren in mehr oder weniger großen Speicheltröpfchen befinden und als solche zum überwiegenden Teil an den Maschen des Gewebes kleben bleiben. Wer immer auch die Bakterien- und Pilzkolonien, die sich aus den Abstrichen von Gesichtsmasken züchten lassen ins Netz gestellt hat, um zu zeigen wie grauslich das alles ist, hat genau das bewiesen. Alle diese Bakterien, Pilze und Viren stammen aus unserem Mund und sind unsere ständigen Begleiter. Und auch jetzt, in diesem Moment, tummeln sich in Ihrem Mund Myriaden von Mikroben. Jeder Unfallchirurg hat die Erfahrung gemacht, dass der unversorgte Biss eines Menschen, soweit es Bakterien betrifft, wesentlich gefährlicher sein kann als ein Hundebiss.

Ein kleines Experiment. Polieren sie die Oberfläche ihres Smartphones mit einen sauberen Tuch , dann stellen sie den Lautsprecher an und telefonieren sie für ein paar Minuten mit der besten Freundin / Freund. Dabei halt sie das Mobilphone in etwa 30 cm Abstand zu ihrem Mund. Anschließend zählen sie die Speicheltröpfchen die Sie auf dem Touchscreen hinterlassen haben.
Dann wiederholen Sie das Experiment mit einem Mund- Nasenschutz. Dann bekommen Sie eine Vorstellung davon wie viele Keime Sie bei einem normalen Gespräch in ihrer Umwelt verteilen oder wenn Sie gar husten oder niesen.

(1) CO2 ist in diesem Sinne also nicht giftig. Die Konzentration macht es aus. Ab einer Konzentration von 8% in der Einatemluft wirkt es tödlich, da es dann die Sauerstoffaufnahme behindert. Da es schwerer als Luft ist, sinkt es zum Boden und kann dann in Silos oder Gärkellern zu einer Verminderung der Sauerstoffaufnahme und damit zum Tode führen.

(2) Der Wert ist aus der Fachliteratur und ein Durchschnittswert aus tausenden eigenen Messungen an Rauchern.

(3) Was natürlich keinesfalls heißt, dass Rauchen zu verharmlosen ist, denn neben dem Giftgas Kohlenmonoxyd, enthält der Zigarettenrauch noch an die 4000 verschiedene Substanzen, wie Schwermetalle, radioaktive Stoffe wie Polonium und  ein paar von den potentesten Cancerogenen, die es auf der Welt gibt.

2 Gedanken zu „Welcome Idiots oder Gehirne ohne Sauerstoff.“

  1. Ein wirklich toller Bericht. Klingt verständlich und nachvollziehbar.
    Vielen Dank für die Information.
    Ich werde zwar meine Meinung zur Notwendigkeit der Maskenpflicht nicht ändern, da ich der Meinung bin, wir sollten unser Immunsystem auf den Vordermann bringen, als dass wir uns immer tiefer in eine ,,ich schütz dich, schützt du mich Gesellschaft manövrieren. Wenn wir alle einen besseren Umgang mit uns selbst lernen, werden diese Maßnahmen hinfällig sein.
    Zu Ihren Wortmeldungen betreffend bin ich etwas enttäuscht, das Sie es wie viele andere Berichterstatter nicht schaffen, Informationen ohne Emotionen oder Beleidigungen zu teilen. Obwohl sie ja anscheinend belesen und gebildet wirken, bewegen sie sich, wie sie meinen, auf den gleichen Niveau, wie die, die sie kritisieren.
    Ich hoffe es gibt auch wieder mal eine “nur“ informelle Berichterstattung, ohne sich als Leser schlecht oder dumm fühlen zu müssen.
    Mfg
    Thomas Fellner

    Alles was man selbst gesehen, erforscht oder miterlebt hat……das weiß man. Den Rest kann man nur glauben.

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    1. man möge mir meine manchmal zur Schau getragene Übellaunigkeit verzeihen. Aber oft fließt eben das Unbehagen über die unendliche Dummheit mancher Zeitgenossen in meine Texte mit ein. Damit bin ich aber nicht der Erste und Einzige, der das in irgend einer Form äußert. Natürlich, ohne mich vergleichen zu wollen, möchte ich Einstein zitieren: Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher. Er hats halt nicht personalisiert….
      Zu der oft geäußerten Idee, das „Immunsystem auf Vordermann zu bringen“, möchte ich folgendes sagen: Der Gedanke ist nett und entspringt dem Wunsch aller Menschen selbstwirksam zu sein und sich aus eigener Kraft auf Gefahren vorzubereiten. Die Problematik ist aber, dass das weitgehend ein Trugschluss ist. Unser Immunsystem ist in der Lage, vorausgesetzt das blutbildende System ist ausreichend mit den nötigen Nährstoffen, Vitaminen und Spurenelementen versorgt, gegen nahezu jeden möglichen Angreifer Antikörper zu bilden. Das tut es auch sobald wir in diese Welt eintreten. Für einige Zeit schützen uns noch mütterlichen Antikörper (der sogenannte Nestschutz) aber mit zunehmendem Kontakt mit der Umwelt und den überall auf uns einwirkenden Bakterien, Viren, Pilzen, bildet unser Immunsystem seine eigene Abwehr. Wir erkranken aber dabei fast jedes Mal. Kinder sind häufig krank, zu bestimmten Zeiten (z.b. Eintritt in den Kindergarten) oft in wöchentlichen Abständen. Husten, Halsweh, Schnupfen, wieder Husten oder noch immer Husten, Ohrenschmerzen, Varicellen und und und… ausgelöst durch all die Keime, die man mit der Umwelt austauscht. Dabei lernt das Immunsystem mit den häufigste uns umgebenden Krankheitserregern fertig zu werden. Es wird dabei aber nicht „gestärkt“ wie der Muskel bei einem Muskeltraining, es hat halt immer mehr Antikörper gegen immer mehr Krankheitserreger parat. Kommen aber blöderweise Diphteriebakterien daher, helfen alle diese Antikörper gar nichts. Diese Bakterien produzieren sehr rasch Giftstoffe die zu einer schweren Schädigung des Herzmuskels, einer Lungenentzündung und massiven neurologischen Schäden führen Dann entscheiden unspezifische Antikörper und die Genetik darüber ob man stirbt oder nicht. Sterblichkeit ist heute noch bei 10%, früher ohne Antitoxin und Antibiotika bei 40%. Allerdings sind wir alle durchgeimpft, drum kennen die Ärzte die Krankheit faktisch nicht mehr. Beim Coronavirus gilt das Gleiche. Man kann sein Immunsystem darauf nicht vorbereiten oder trainieren. Es hängt von vielen, zum Teil noch ungekannten Faktoren ab, ob man daran stirbt oder nicht. Wo die höheren Wahrscheinlichkeiten liegen ist schon klar geworden, aber viele Junge sterben und nicht alle Alten die sich infizieren Sterben. Danke für Ihren Kommentar.

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