Potus

Über die Österreicher hat Karl Kraus gesagt, sie seien das einzige Volk, das aus Erfahrung dümmer würde. Dem stimme ich mit Einschränkungen zu. Aber für die Amerikaner gilt das noch viel mehr. Wir erleben gerade, dass ein  – ich kann es nicht anders sagen – widerlicher, aufgeblasener und psychisch gestörter Lügner sich zum Präsidenten von Amerika erklärt, obwohl die Wahl noch gar nicht zu Ende ist – die Stimmen noch nicht ausgezählt sind. Gleichzeitig kündigt er an, die Auszählung der restlichen Stimmen zu unterbinden. Das sind Töne, die wir nur aus totalitären Führerstaaten kennen. Das Ganze ist so ungeheuerlich, dass man es nicht für möglich halten sollte. Offensichtlich setzen viele Amerikaner ihr Vertrauen in diese Witzfigur, die einem Comic-Heft entsprungen sein könnte. Welchen Blick auf die Welt hat der amerikanische Durchschnittswähler? Wie kann man diesem Kotzbrocken, der die Wiederwahl dringend braucht, weil ihn sonst die Gerichte für seine diversen Malversationen zur Verantwortung ziehen können, auch nur einen Millimeter über den Weg trauen. Er verkörpert im wahrsten Sinn des Wortes die hässlichste Fratze des Kapitalismus. Er ist durch windige Geschäfte reich geworden und seine gesamte Karriere ist ein Strudel aus Skandalen, Lügen und widerwärtigen Entgleisungen. Seine gespielte Kumpelhaftigkeit lässt Arbeiter und Farmer glauben, er sei einer wie sie. In Wahrheit ist er weiter von ihnen entfernt als jemals ein amerikanischer Präsident es war.

Der Erste aus der europäischen Union, der gratuliert, ist bezeichnenderweise Janez Janša, der rechtsnationale slowenische Ministerpräsident, der wegen Korruption vor Gericht stand. Janša gehört zu den Klimawandelleugnern, er plädiert außerdem für das Recht slowenischer Bürger, Schusswaffen tragen zu dürfen, und stellt sich gut mit den slowenischen Identitären. Und er twittert auch gerne wie Trump. Er gratuliert also nicht nur, weil Melania aus Slowenien stammt. Während die meisten von uns entsetzt nach Amerika blicken, sollten wir vielleicht  nicht übersehen, dass in der EU ebenfalls bereits rechtsnationalistische Parteien an der Macht sind, die in ihrer Methodik Trump um nichts nachstehen. Wie man die Medien kontrolliert, hat Ungarns Premier Victor Orban vorgeführt. Die konservative Wende mit der Unterdrückung bürgerlicher Freiheiten, besonders derer der Frauen, vollzieht die PIS in Polen gerade. Wenn in Frankreich Wahlen wären, würde Macron derzeit gegen Le Pen verlieren, sagen die Umfragen. Schneller als wir es realisieren, könnten sich in der EU die Machtverhältnisse dramatisch verändern. Es gab Zeiten in Amerika, da stand das Wort Demokratie für etwas Unanständiges, nämlich für die Möglichkeit, dass eine arme Mehrheit eine reiche Minderheit per Gesetz enteignet. Es ist eine Frage der Zeit und des Einflusses auf die Medien, um genau das wieder zu erreichen. Wenn Trump immer wieder wiederholt, dass die Briefwahl zu Wahlbetrug führt, glauben es die Leute. Wenn man immer wieder betont, dass Demokratie nur dazu führt, dass eine verantwortungslose und disziplinlose Mehrheit den Staat ins Unglück stürzt, wird die Bereitschaft, sich hinter einen weisen Führer zu stellen, immer größer. Dann haben wir keine Potus, sondern einen Potentaten.

POTUS:  President oft the Unitet States

Amüsant finde ich, dass das Wort Potus im medizinischen Bereich synonym für einen Alkoholiker, eine Trinker ist und man könnte in diesen Zusammenhang davon sprechen, dass Trump inzwischen von der Macht betrunken ist.

https://www.zeit.de/politik/ausland/2020-01/frankreich-marine-le-pen-rechtsextremismus-emmanuel-macron-praesidentschaftswahl

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