Parallelwelten

Es war vorhersehbar, ein verrückter Präsident, der es sein Leben lang mit der Wahrheit nicht genau genommen hat, und der entrückte Bodensatz der amerikanischen Kultur. Menschen, die irgendwo abgebogen sind ins esoterisch-ethnozentristische Märchenland, in dem ein Mann noch ein Mann ist und sich mit der Knarre in der Hand holt, was ihm zusteht. Unermessliche, ja märchenhafte Reichtümer auf der einen Seite und armseliges Fortkommen auf der anderen Seite nähren den Wunsch nach Gerechtigkeit, die es in diesem System nicht gibt. Tausende Familien, die gezwungen sind, auf der Suche nach Arbeit von einem Bundesstaat in den anderen zu ziehen, immer wieder alles aufzugeben und dennoch nie ihr Ziel erreichen und die obendrein  geneigt sind, alles zu glauben, was dieses erbärmliche Schicksal für sie eher erträglich und verständlich macht: Da sind dunkle Kräfte am Werk wie QAnon oder der Deep State oder der drohende Sozialismus  – ein Konglomerat von irren Phantasien, das Menschen in Internetforen zusammenführt und  von privaten Medienunternehmen so lange befeuert wird, bis sich bei tausenden Menschen die Gewissheit manifestiert, dass es genau so und nicht anders ist. Dazu kommt, dass zumindest ein Drittel der Amerikaner sowieso in einer religiösen Seifenblase existiert, in der die Evolution geleugnet und alles, was nicht in der Bibel steht, verdammt wird. Zum Glück ist Donald Trump nur ein verlogener, geldgieriger und geiler alter Mann, der allerdings erkannt hat, dass er die Massen für seine Zwecke instrumentalisieren kann und der darüber hinaus in der Republikanischen Partei genug Mitläufer gefunden hat, die ihm – aus welchen Motiven auch immer – die Treue halten. Man stelle sich vor, es wäre anders und Donald Trump wäre nicht nur verrückt, dazu weniger impulsiv und  ein besserer Stratege mit einem messianischen Sendungsbewusstsein und hätte seine Anhänger programmatisch fanatisiert wie Adolf Hitler. Wenn man die Ereignisse der letzten Tage betrachtet- so abwegig ist das nicht. Stellen wir uns weiter vor, er hätte planmäßig Sozial- und Beschäftigungsprogramme für die Armen erstellt und diese dadurch noch mehr an sich gebunden. Er hätte so was wie Kraft durch Freude und die Trump- Jugend auf die Beine gestellt. Stellen wir uns vor, er hätte darum auch diese Wahl gewonnen und würde für weitere 4 Jahre die Geschicke des Landes bestimmen……. 45% der Amerikaner befürworten nach einer heutigen Umfrage den Sturm auf das Kapitol, der 5 Menschen das Leben gekostet hat……..

Aber bleiben wir im Realen. Bleiben wir in Österreich. Keine Frage, das Management der Pandemie und der Vorbereitungen für die  Massenimpfungen ist unter dem Hund. Hin und her gerissen zwischen den wirtschaftlichen Erfordernissen, den Wünschen der Industrie- und Wirtschaftslobbyisten und den medizinischen Notwendigkeiten, legt die Kurz-Administration einen Schlingerkurs hin, der bei vielen Österreichern bereits zu einer veritablen Seekrankheit geführt hat. Und auch der Rest der Politiker, egal welcher Couleur, trägt mit den jeweiligen Stellungnahmen dazu bei, die Übelkeit zu verstärken.  Lockdown ist Lockdown sagt August Wöginger und schaut dabei drein, als hätte gerade wer die Blunzn von seinem Teller geklaut.“ Kein Grund den Lockdown fortzusetzen“, tönt es lauthals aus der FPÖ. Die Gesundheitssprecherin Belakowitsch ist ganz auf Linie, denn der Reimeschmiede und Philosoph Kickl hat die Parole ausgegeben: Kurz muss weg, die Seuche gibt es nicht und Gesichtsmasken sind Freiheitsberaubung, vielleicht weil sie nicht vor Chemtrails schützen?

Aber das alles beunruhigt mich nicht. Was mich beunruhigt, ist das Entstehen einer Corona-Parallelwelt. Ein Gemisch aus politischer Instrumentalisierung, Dummheit, und Irrationalität, das ähnlich wie in Amerika, nicht unabhängig von den Hintergrundakteuren betrachtet werden kann und jetzt gerade zum neuen Narrativ der Rechtsextremen und ihrer politischen Vertreter wird.  Da marschieren Hooligans mit Naturaposteln und Leuten aus dem vermeintlich linken Lager gemeinsam mit Staatsverweigerern und rechtsnationalen Antreibern durch die Städte und organisieren Busreisen von Ort zu Ort. Dazu sagt Herbert Kickl, sie kämpfen für Demokratie, Rechtsstaat und Freiheit.  Und der EU Abgeordnete Haider verlinkt kommentarlos auf seiner Facebookseite zum FPÖ Desinformationsmedium Wochenblick, wo ein Post mit folgendem Inhalt zu lesen ist:

Hängt sie – Eicha Kopf wead rollen, sprengt die Schweine in die Luft, das Volk wird’s ohne Führer nicht schaffen…..und ….Stürmen wir das Parlament und jagen wir die Regierung aus unseren(sic) Österreich……. gibt es vor dem Parlament Straßenlaternen? ich frage für einen Freund.

Was soll man also davon halten, wenn  ein österreichischer Burschenschaftler einen Aufruf zum Mord und zum Sturm auf das Parlament  in den sozialen Medien verlinkt? Ist das wieder ein Einzelfall oder ist das zu verstehen wie:  I like the Pennsylvania Avenue……

How White Evangelical Christians Fused With Trump Extremism – The New York Times (nytimes.com)

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