Warm abgetragen

Als aufmerksamer Leser diverser Tageszeitungen findet man immer wieder ein Thema, das von mehreren Medien aufgegriffen, aber gänzlich unterschiedlich dargestellt wird. Vieles davon, vor allem der Grundtenor der Berichterstattung ist bezeichnend für die dahinter stehenden Interessen. Ein nettes Beispiel ist wohl das Bauvorhaben in der Polsterlucke in Hinterstoder. Dort soll ein Luxuscampingressort entstehen. Immerhin gelangt man zu dem abgeschiedenen Areal vorbei am Schiederweiher, der 2018 zum schönsten Platze Österreichs gewählt wurde. Eine Investition in so ein Areal kann sich lohnen. Geplant sind 94 Premiumstandplätze, zwei Chalets, 10 Premiumhotelsuiten, vier Campingfässer und ein Gastrobereich mit Minimarket und Außenpool . Das alles abseits der Hauptverkehrswege in vollkommen intakter Natur umgeben von Bergen. Ein todsicheres Erfolgskonzept.

Die Geschichte dazu ist spannend. Ursprünglich war das 22000 Quadratmeter große Areal über eine Gesellschaft im Besitz der Gemeinde Hinterstoder. Auf dem Areal stand ein denkmalgeschütztes Gebäude, die Peham- Villa. Die Peham-Villa wurde im Jahr 2015 nachweislich durch Brandstiftung zerstört. Ausgerechnet in der Nacht von 6. auf den 7. September, als die Feuerwehr auf Betriebsausflug war. Der Täter wurde nie gefasst. In der Folge ließ der ÖVP Bürgermeister ohne das Denkmalamt überhaupt zu informieren die Brandruine abreißen, mit der Behauptung, es sei Gefahr in Verzug gewesen. Worin und für wenn die Gefahr bestand, ist nicht überliefert. Jedenfalls war das Grundstück jetzt unbebaut, der lästige Denkmalschutz war beseitigt und das Grundstück  konnte einer Verwendung zugeführt werden. Es wurde um 2 Millionen Euro an eine Campingplatz GmbH verkauft, deren Geschäftsführer ein ÖVP Gemeinderat ist. Lustig finde ich, dass die ÖVP Parteizeitung  Oberösterreichisches Volksblatt zwar über den Widerstand der Bevölkerung gegen das Projekt berichtet, aber die Vorgeschichte mit der warmen Abtragung und dem Verkauf an einen ÖVP Gemeinderat unerwähnt lässt. Dafür kommt der ÖVP Tourismuslandesrat Markus Achleitner  zu Wort und der spricht von einem sehr naturnahen Projekt.  Ich würde eher von einem Kriminalfall sprechen. Aber wie immer, wenn die ÖVP wo beteiligt ist,  gilt die Unschuldsvermutung.

3 Gedanken zu „Warm abgetragen“

  1. Erschreckend, wie skrupellos in den letzten Jahren unser Land zugebaut wird und denkwürdige Gebäude entfernt. Ich frage mich bloß, ob der Denkmalschutz da nicht gerichtlich tätig werden müsste. Einfach eine nicht nachvollziehbare Aussage des Bürgermeisters reicht, um es auf sich beruhen zu lassen?

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s