Der Osten ist rot…

Dieses Lied, das den großen Mao Zedong verherrlichte, war während der Kulturrevolution faktisch die Nationalhymne Chinas.  „Die kommunistische Partei ist wie die Sonne und scheint genau so hell“, hieß es  darin. So weit, so lächerlich, wenn man an die damaligen Zustände denkt.

Nun, unser Osten ist auch rot. Aber nur  auf der Corona- Ampel.  Und die Loblieder auf die türkise Partei werden langsam leiser. Der große Vorsitzende verhaspelt sich zusehends in  seinem Geflecht von Rechtfertigungsversuchen, die offensichtlich nicht die Wahrheit beschreiben. Einen Tag erzählt uns der Kanzler, wie sehr er der EU eingeheizt hat, damit die Schurken sofort 400000 Impfdosen rausrücken, die sie widerrechtlich den Österreichern vorenthalten. Am anderen Tag wird das von der EU dementiert, weil Österreich in Wahrheit auf die Bestellung verzichtet hat, weil der AstraZeneca Impfstoff nur knapp 2€ kostet und die anderen um die 15€ pro Dosis. Aus der zur Schau getragenen  Siegesgewissheit des Kanzlers wird ein trotziges:  „Ich werde dafür kämpfen!“ Seine Behauptung er setze sich für Länder wie Bulgarien ein, die gleich ihm bei der Verteilung von Impfstoff benachteiligt wurden, erweisen sich in dem Zusammenhang ebenfalls als Geflunker und das ist ein gelinder Ausdruck.

 Der Politiker Quaksprech zeigt aber immer wieder aufs Neue wirklich lustige Facetten. Seit fast einer Woche wird ständig vom Osten oder von der Ostregion Österreichs gesprochen. Das klingt nach einem dramatischen geografischen  Abstand von einer riesigen Westregion, die wohl im fernen Vorarlberg anzusiedeln ist. Ostregion klingt  irgendwie nach Sibirien und unendlichen Weiten mit Tundra und  eisigen Winden. Eine Gegend, in der ein paar Altnazis wohl den slawischen Untermenschen ansiedeln würden. Aber es geht nur um Wien, Niederösterreich und das Burgenland – die Bundesländer mit der höchsten Inzidenz. Um den Länderchefs, die darauf Wert legen, sich als unbeugsame Landesfürsten bei ihrem Wahlvolk zu zeigen, nicht mit einer österreichischen Gesamtverordnung in die Parade zu fahren, werden nächtelang kleinräumige  Verordnungen ausgehandelt, wie auf dem von Kurz erwähnten Bazar. Der Gesundheitsminister spricht ein wenig verklausuliert über den täglichen Kampf gegen unendliche  Widerstände und trägt dabei ein Gesicht zur Schau wie Laokoon, kurz bevor er von der Schlange erwürgt wird. In der Ostregion, an den fernen Gestaden des Neusiedlersees, wo Österreich dann langsam in die große ungarische Tiefebene übergeht,  werden gerade die Intensivbetten zur Mangelware und die Entwicklung der Fallzahlen lässt vermuten, das in spätestens 14 Tagen das Limit erreicht ist und triagiert werden muss. Der Terminus: „exponentielle Ausbreitung“,  ist für die Politiker der Ostregion noch immer schwer zu verstehen und weil die Wirtschaft rebelliert, macht  man halt wieder einen Kompromiss mit einem 4-tägigen Lockdown in der Ostregion, passenderweise zu Ostern.  Das ist aber dem Virus egal, vor allem den neuen Mutationen. Die kennen keine Kompromisse.                                

 Die medizinische Chefideologin der FPÖ, Frau Belakowitsch, fordert indessen ostentativ, den traurigen Krankheitsfall des künstlich beatmeten Manfred Haimbuchner „nicht für politisches Kleingeld zu missbrauchen“. Dessen Immunsystem entsprach wohl nicht den von Kickl dargestellte Anforderungen an ein FPÖ Immunsystem, zumindest wenn man seine schwachsinnigen  Aussagen auf der letzten Wiener Corona-Demo berücksichtigt – nämlich,  dass ein gesundes (arisches?) Immunsystem mit allem fertig wird. Dass die FPÖ seit einem Jahr genau das tut, nämlich ununterbrochen gegen alle Vernunft argumentiert und aus abgedroschenem  Corona-Stroh nicht nur politisches Kleingeld, sondern Wählergold spinnt, lässt die Dame unerwähnt. Und Kickl gibt sich ebenfalls uneinsichtig und lässt verlauten, an der Linie der FPÖ werde sich nichts ändern und schwere Verläufe seinen im Einzelfall immer tragisch. (Für den der den schweren Verlauf erlebt natürlich). Und weiter meint er, die FPÖ sei die einzige Partei, die einen differenzierten und ganzheitlichen Blick auf die Problematik habe. Was nachzutragen ist: Alle, die früher gegen Asylanten waren, sind momentan gegen die  Coronaregeln.  Das kommt wohl vom differenzierten und ganzheitlichen Blick.

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