Zum Zeitgeschehen

Vor Jahren gab es einen Film, der ein utopisches Experiment zum Inhalt hatte: Tausende stählerne Krebse mit künstlicher Intelligenz und der Fähigkeit zur Selbstreplikation wurden auf einer Insel ausgesetzt und dann beobachteten Wissenschaftler das Geschehen. Nach Monaten hatten sich die Krebse allesamt gegenseitig kannibalisiert und nur noch ein einziges riesiges Exemplar war übrig, das dann zur Bedrohung für die Welt wurde.                                                                                                           

Wer will schon ewig der zweitgrößte Keksproduzent der Welt sein.*  Jedes Konzernmanagement strebt heute nach Expansion und Erschließung neuer Märkte und somit nach beständiger Erhöhung der Produktion. Am besten ist es, Monopolist zu sein und damit marktbeherrschend und preisbestimmend. Die geistigen Werkzeuge dazu – zumindest deren Grundlagen – erwirbt man an  renommierten Universitäten beim Studium der Wirtschaftswissenschaften. Das sind sozusagen  akademische Krämerkurse. Dort wird einem beigebracht, wie die Welt der Wirtschaft funktioniert und wie man es am besten  anstellt, die potentiellen Kunden von der Konkurrenz abzuwerben aber auch das Rüstzeug um die Mitbewerber auf dem Markt zu kannibalisieren oder zu vernichten kann man sich erwerben. Man nennt das natürlich nicht so. Niemand stellt die Wirtschaft öffentlich als  einen Kampf bis aufs Messer dar, obwohl  jeder Manager  das Buch: „Die Kunst des Krieges“, von Sunzi oder einen Band von Machiavelli auf dem Nachttisch liegen hat. Man lügt sich vor, dass man ja alles nur tut, um den Kunden zufrieden zu stellen, seine Wünsche zu erfüllen und die Welt mit den eigenen Produkten glücklicher und schöner zu gestalten. Kein Wort von aggressiver und verlogener Werbung. Kein Wort von umweltschädlichen Chemikalien, die man an unbedarfte Bauern in der dritten Welt verkauft und von tödlichen Waffen, die riesige Profite bringen. Kein Wort darüber wie Regierungen erpresst und Politiker bestochen werden. Kein Wort über Preisabsprachen zum Nachteil der Kunden und wie Umweltzerstörung in einem atemberaubenden Ausmaß legitimiert wird.  Niemand gibt zu, dass sein Job darin besteht, sinnlose Bedürfnisse zu wecken, um oft sinnlose Produkte an den Mann oder die Frau zu bringen. Man spricht in Marketingseminaren vom  Einkaufserlebnis des Kunden, von  Customer Journey*1, von Markentreue, und im Zeitalter des Internets vom digitalen Kundenerlebnis und ähnlichen Kauderwelsch. Genau wie man die Mitarbeiter, denen man möglichst wenig zahlt, mit billigen Gimmicks bei Laune hält. Das beginnt mit lächerlichen Titeln. So werden Keilertrupps bei Red Bull  als Gastromusketier*² bezeichnet. Das haben sie dann auch auf ihren Visitenkarten stehen.  In einschlägigen Internetforen, die dem „Networking“ dienen, wimmelt es von Titeln wie: Chief Business Development Officers, Chief Content Officer, Chief Executive Officer. Die Sekretärin wird zum Head of Verbal Communications.  Der Hausmeister wird zum Facility Manager, die Putzfrau zum  Environment Improvment Technician  und der Regalbetreuer im Supermarkt zum Stock Replenishment Adviser.  Dieser ganze Schönsprech soll darüber hinwegtäuschen, dass das kapitalistische System nicht nur von jeher den Menschen zum Subjekt der Ausbeutung gemacht hat, sondern die ganze Welt. An den Universitäten werden viele für unsere Kultur  bedeutende Studienfächer zugunsten der von der Wirtschaft gewünschten Ausbildungswege einfach eingestellt. Dort aber werden dann  Doktorarbeiten über einschlägige Themen verfasst. Beispielhaft in seiner Einfalt  das epochale Werk unserer zurückgetretenen Ministerin Aschbacher, wo es unter anderem um Mitarbeitermotivation anhand der Winterbereifung geht.  Beispielhaft in Österreich auch die Vergabe von Managerposten in der Staatsindustrie durch Politiker, die wiederum von der Industrie an die Macht gepuscht wurden. Welch Geistes Kind die alle sind, lässt sich in den etwas kritischeren Medien nachlesen.

Kapitalismus ist ein System, das Vermögenswerte konzentriert, mit dem neue Investitionen möglich werden, die wieder neue Vermögenswerte konzentrieren. Es ist ein Akkumulationsprozess, der darin besteht, dass der Besitzer der Produktionsmittel den Arbeitern wesentlich weniger zahlt, als die Waren wert sind, die sie täglich produzieren. So entstehen riesige Kapitalanhäufungen, die letztendlich dazu dienen, alles an sich zu ziehen und alles zu kontrollieren. Die Arbeitsplätze, die Medien und die Politik. Es ist ein neues Feudalsystem entstanden und das ist schon dermaßen etabliert, dass es kaum noch jemand hinterfragt. Wenn die Rede auf Erbschaftssteuern oder höhere Besteuerung großer Vermögen oder internationaler Konzerne kommt, wird sofort abgewunken und mit Scheinargumenten  entgegnet. Letztlich kommt immer das Argument von den Arbeitsplätzen, das den Kritikern ihre Abhängigkeit vor Augen führen soll, aber in Wahrheit nur deshalb schlagend ist, weil die Staaten inzwischen zu schwach sind, um die Kapitalverflechtungen und Kapitalverschiebungen der Konzerne zu verhindern.  Aber mit dieser ständig wiederholten Drohung, die inzwischen die meisten verinnerlicht haben, wird auch die Möglichkeit der Selbstermächtigung der  Massen überschattet und negiert. Die meisten glauben inzwischen wieder, wie im Mittelalter, dass es zwei Klassen von Menschen gibt.  Das geht so weit, dass Arbeiter inzwischen regelmäßig bei Wahlen ihr Kreuzerl bei einer Unternehmerpartei machen anstatt einer zünftigen Revolution.

Wenn man zum Himmel schaut, sieht man die blaue Farbe, die dadurch entsteht, dass die Moleküle der Luft alle Wellenlängen des Lichts streuen. Das blaue Licht ist am energiereichsten und wird am stärksten gestreut.  Wir sehen deshalb das Blau an einem schönen Tag wie heut über uns. Wie weit weg ist das Blau des Himmels? Die Atmosphäre*³ ist zwölf Kilometer dick. Also irgendwo innerhalb dieser zwölf Kilometer sehen wir das Blau und die Wolken über uns. Lächerliche zwölf Kilometer. Das ist gerade einmal so viel wie man bei einem Spaziergang in zwei Stunden gehen kann oder knapp die Hälfte der Strecke zwischen Aschach und Linz.  Jenseits dieser zwölf Kilometer ist nichts außer der Unendlichkeit des Alls, nichts was für uns erreichbar wäre. 12 Kilometer, die uns von der Todeszone trennen. Alles was wir haben, ist diese kleine Welt in Blau. Und wenn gerade ein paar Superreiche wie Jeff Bezos, Richard Branson  und Elon Musk den Eindruck erwecken, dass sie mit den Milliarden, die sie bei der Ausbeutung der Ressourcen dieser kleinen Welt erbeutet haben, jetzt gerade den Weltraum für uns alle erschließen, dann ist das schlicht und ergreifend ein unfassbarer Blödsinn. Sie haben einfach soviel Geld, dass sie es sich leisten können, Raketen in den Orbit zu jagen  weil es ihnen Spaß macht oder weil sie ein neues Geschäft wittern. Sie lösen damit kein einziges Problem unserer Welt auf der hunderttausende Menschen Hunger leiden und gerade das größte Artensterben der von uns überschaubaren Geschichte stattfindet. Es ist andererseits vorstellbar, dass wir ein System zur gerechten Verteilung finden. Das kann durchaus auch ein wenig kapitalistisch sein. Und es muss möglich sein, Produktionszyklen zu etablieren, die nachhaltig sind und die Welt nicht weiter schädigen und zur Temperaturerhöhung beitragen. Wir müssen aber zuerst all  dem Einhalt gebieten, was momentan geschieht. Wenn wir nicht wollen, dass in Zukunft blutige Verteilungskämpfe stattfinden und Chaos die Welt beherrscht, dann müssen wir jetzt handeln. Wir haben als vernunftbegabte Wesen aber  nur eine Option  und diese Option ist die Demokratie und das Wahlrecht. Lasst es uns in diesem Sinn nutzen, bevor wir das auch nicht mehr haben.

* Der zweitgrößte Süßwarenhersteller der Welt,  Ferrero aus Italien hat gerade einen seiner Konkurrenten in Amerika geschluckt..

*1 Customer-Journey: 5 Tipps, wie Sie die Wünsche Ihrer Kunden verstehen (defacto.de)

*2  Zitat aus der Anwerbebroschüre von Red Bull : „Wir nennen sie die „Musketiere“ – kommunikative, trendige Szene-Insider, die die Marke Red Bull und die Marke Organics by Red Bull in der Gastronomie authentisch und kompetent repräsentieren.

*3 Die Dicke der Troposphäre – also der unteren Schicht der Atmosphäre, in der sich 80 Prozent der Luft und 99 Prozent des Wasserdampfs befinden, und in der sich das gesamte Wettergeschehen abspielt – beträgt 12 km.

*4 Der amerikanische Senat besteht zu mehr als der Hälfte aus Millionären. Éine Studie der Princeton  Universität  zeigt, dass der weitaus überwiegende Teil der Gesetze  nicht den Menschen des Landes dient, sondern nur den reichen Menschen das Landes.

Studie zeigt: Lobbyismus hebelt repräsentative Demokratie aus | abgeordnetenwatch.de

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