Die Lust am Töten.

Wenn man die Geschichte der Neuzeit betrachtet, so ist die nicht gerade langweilig. Sie ist eine ununterbrochene Abfolge von Genoziden, Weltkriegen und kolonialen Massakern. Es waren Jahrhunderte der Unmenschlichkeitsrekorde, und zwar von den technisch am weitesten fortgeschrittenen Nationen. Denken wir an den Genozid, der an den amerikanischen Ureinwohnern verübt wurde, an die kolonialen Verbrechen in Afrika durch Deutsche, Franzosen, Belgier, Holländer, Italiener, Portugiesen und Engländer. Erinnern wir uns an die mörderischen Kolonialkriege in China, Indien, Afghanistan und den Philippinen. Denken wir an den ersten und zweiten Weltkrieg, an den Holocaust und die Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki. Wie ist das alles zu erklären und zu verstehen? Warum führt der Homo sapiens sapiens Krieg, obwohl er doch ständig beteuert, wie wichtig ihm der Frieden ist, und jede Nation von sich behauptet nur friedliche Absichten zu haben. Aus friedlichen Absichten kann doch kein Krieg entstehen.                                                                                                                

Nationen, die selber für die irrsinnigsten Angriffskriege verantwortlich waren und noch vor kurzem die ungeheuerlichsten Kriegsverbrechen begangen haben,  geben sich jetzt empört über den Angriffskrieg der Russen auf die Ukraine. Die Russen  sind selber im Lauf der Jahrhunderte immer wieder angegriffen worden. Von den Mongolen, von Napoleon, vom deutschen Kaiser im ersten Weltkrieg und von Hitler im zweiten Weltkrieg. Und auch der kalte Krieg – die atomare Bedrohung durch die Amerikaner – hat seine Spuren hinterlassen.  Das hat dazu geführt, dass ihr Bedürfnis nach Sicherheit paranoide Züge angenommen hat, die durch die Nato – Umzingelung gerade wieder einmal auf dem Höhepunkt sind.  Zusammen mit einem Mann, der sich als neuer Zar gebärdet, eine tödliche Kombination für ihre leidgeprüften Nachbarn, die Ukrainer.

Man sollte meinen, so etwas ließe sich unter erwachsenen Menschen in Verhandlungen  ausdiskutieren.  Aber dem ist nicht so. Es muss Blut fließen. Als wäre da eine Bestie im  kollektiven Unbewussten, die nur unzureichend vom Intellekt kontrolliert wird und wieder und wieder an die Oberfläche drängt. In Wahrheit sind wir wohl eine mörderische Bande, die ihre Lust am Töten hinter den immer gleichen fadenscheinigen Argumenten verbirgt. „Kampf für die Freiheit“ nennen das derzeit wieder zehntausende Söldner, die sowohl in der Ukraine als auch in Russland freiwillig Krieg spielen. Ähnlich wie im Kosovokrieg stürzen sich Männer aus der ganzen Welt in dieses Abenteuer und verklären ihre Mordlust mit dem Begriff des Freiheitskämpfers. Krieg heißt töten und darum geht es ihnen. Und keiner fühlt sich im Unrecht, jeder kämpft für die gerechte Sache, fürs Überleben des eigenen Volkes oder die Befreiung der Unterdrückten.*1

Der Wahnsinn wird auch greifbar, wenn man die Informationen – soweit man ihnen trauen kann – über Putins Entscheidung zum Krieg gegen die Ukraine heranzieht: Angeblich hätte der russische Geheimdienst ermittelt, dass die Ukrainer durch die Bank prorussisch denken und nur auf ihre Befreiung vom faschistischen Joch durch die Russen warten. Und Putin, der Autokrat in seiner geistigen Isolation, hätte das nur zu gerne gehört, weil es zu seinem Traum von der Größe Russlands   passte. Irgendwann hatte dann niemand mehr den Mut, ihm zu sagen, dass die Ukrainer doch ihren eigenen Weg gehen wollen. Das ist so absurd, dass es wahrscheinlich wahr ist.  Aus dem geplanten Blitzkrieg ist jetzt ein Stellvertreterkrieg zwischen Russland und der Nato geworden, der sich über Monate auf dem Staatsgebiet der Ukraine  hinziehen wird. Inwieweit der Westen bei der Planung dieses Szenarios beteiligt war, werden wir erst in Jahren erfahren*2.                                                  

Die Amerikaner haben gerade beschlossen, Kampfdrohnen der Marke Switchblade zu liefern, das Modernste und Tödlichste, was sie an konventionellen Mitteln vorrätig haben. Für den Nachschub an Waffen ist also gesorgt. Ganz Europa schickt Kriegsmaterial. Die Russen werden ihr blaues Wunder erleben. Das Töten wird weiter eskalieren und ein vollkommen zerstörtes Land und tausende Tote hinterlassen. Möglicherweise kommt es sogar zum Einsatz taktischer Nuklearwaffen. Und das alles für Nichts, für eine vage Idee von Irgendwas, für einen biochemischen Zustand in einem Gehirn.

 Menschen haben seit jeher Überzeugungen getragen und abgelegt wie alte Kleider. Die subjektiven politischen Wahrheiten die zur Rechtfertigung von Kriegen herangezogen werden, sind letztlich alle absurd.  Nationalismus, religiöse Überzeugungen – Glaubensfragen, rassistische und  vielfältige andere Gründe, bis hin zur Behauptung, dass der Krieg nur der Demokratie zum Durchbruch verhelfen soll, waren nichts anderes als dem Zeitgeist entsprechende Lügen. Eine Maskerade, die die  Wahrheit verschleiern soll. Einmal ein luftiges, demokratisches Fähnlein, dann ein strenges Korsett aus derbem Leder mit festen Schuhen, die durch die Straßen hallten, und übermorgen Hermelin und Straußenfedern. Es war beliebig, was man trug, zu jeder Zeit. Die Angst dahinter, war die Angst vor dem Anblick der eigenen Nacktheit. Das nackte, das gemeine, das mörderische  Tier, das zu sein sich alle schämen, muss gebannt werden, und dazu dient die Maskerade. Die pelzverbrämten Mäntel, die Uniformen und Abzeichen, die Soutanen und die dunkelgrauen Anzüge, ebenso wie die schwarzen Kapuzen über den Köpfen der Henker und die Kronen auf den gesalbten Häuptern, sie verbergen die einzige Wahrheit: Die Menschen sind mordgierige Bestien und haben seit jeher Angst voreinander! Der Vater ist vor den eigenen Kindern nicht sicher, so wie diese nur allzu leicht Opfer seiner Verblendung wurden. Der Mann war der Frau seit jeher ein unverständiger Feind, nur durch die Lust an sie gekettet, wofür er sie umso mehr hasst. Die unzähligen Frauenmorde im zivilisierten Land Österreich sprechen eine deutliche Sprache. Die Sippen, in einer immerwährenden Vendetta begriffen, schließen nur Allianzen, wenn die Angst vor einem größeren Feind sie dazu zwingt, und die Völker stehen sich mit Argwohn und Hass gegenüber. Und je größer und berechtigter die Angst voreinander ist, umso grausamer und brutaler sind die Herrscher, die man wählt. Das Wissen um die nackte Bestie hinter der Verkleidung ist das bestgehütete Geheimnis der Menschheit. Ein Schrecken, den man nur indirekt erwähnt, den man durch die Umschreibung neutralisiert. Im Krieg, beim systematischen Mord, spricht man von Ehre und Mut, statt von der Lust am Töten zu reden, und von Sicherheit wenn man nachts die Häuser versperrt, statt von der Angst, die einen nicht schlafen lässt. Die Mörder sind mutige Kämpfer für die Gerechtigkeit, und die Opfer immer und ausnahmslos für die Gerechtigkeit gestorben.

Sogar die Liebe ist ein Mummenschanz und die Nächstenliebe eine Phrase, denn die Angst voreinander wiegt schwerer, und niemandem gelingt es wirklich, seine Feinde zu lieben.

Söldner: Töten für viel Geld | Nachrichten.at

https://www.derstandard.at/story/2000133753411/internationales-freiwilligenheer-und-putins-soeldner-ziehen-in-den-krieg

https://www.derstandard.at/story/2000133922346/was-hinter-den-mutmasslichen-austro-jihadisten-im-ukraine-krieg-steckt

*1 aus verlässlicher Quelle weiß ich, dass in den wiener Armyshops kugelsichere Westen derzeit ausverkauft sind. Und die Käufer sind sicher nicht nur Ukrainer sondern auch testosterongesteuerte Österreicher, denen nicht bewusst ist, dass sie neben ihrem Leben auch die Staatsbürgerschaft verlieren, wenn sie als Angehörige eines neutralen Staates für eine fremde Armee kämpfen.

*2 Ich denke dabei an den Krieg in Kuweit. Am 25. Juli 1990 empfing Iraks Diktator Saddam Hussein die US-Botschafterin April Glaspie in Bagdad. Angesichts der Truppen, die Saddam bereits an der Grenze zu Kuweit konzentriert hatte, sagte sie: „Wir haben keine Meinung zu arabisch-arabischen Konflikten wie Ihren Grenzstreitigkeiten mit Kuwait. Das war für Saddam Hussein der Hinweis, dass Amerika nicht einschreiten würde. In Wahrheit der Weg zum ersten Golfkrieg. Etliche Politologen gehen davon aus, dass man ihn damit ganz bewusst in die Falle gelockt hat. Ähnlich die Aussagen zum absehbaren Angriff auf die Ukraine: Die Nato wird nicht eingreifen. Jetzt liefern NATO- Staaten Waffen auf Teufel komm raus und zigtausende Söldner, unter anderem aus Amerika, nehmen an den Kämpfen teil.

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2 Gedanken zu „Die Lust am Töten.“

  1. Wir ( Soroptimistclub Eferding)
    wurden auch gefragt ob wir den Ankauf einer kugelsicheren Weste finanzieren.
    Diese werden,so wurde uns mitgeteilt, in die Ukraine geschickt um die Menschen zu schützen , welche nachts in den Dörfern und Siedlungen zum Schutz der Einwohner patrouillieren .

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