Goldene Flügel

Der Neos-Gründer Matthias Strolz wollte zumindest den Kindern die Flügel heben. Damit war gemeint, alle Möglichkeiten zu nutzen, um Bildung so breit wie möglich zu fördern.  Im Gegensatz dazu müssen sich jetzt die Universitäten um ein paar 100 Millionen € anstellen, die für den Betrieb unbedingt erforderlich sind. Geschweige denn, dass Geld da wäre, um den Wissenschaftsstandort Österreich abzusichern. An den Unis muss forschendes Personal entlassen werden. Viele werden im Ausland mit offenen Armen aufgenommen und Österreich hat das Nachsehen. Aber mit dem Geld das jetzt fehlt  hat die COFAG der Wirtschaft – und hier vor allem den Superreichen wie René Benko – goldene Flügel verliehen. Der Wissenschaftsstandort Österreich ist in Gefahr und man bekommt graue Haare, wenn man hört, dass die Unis vermehrt auf Distanzlernen ausweichen sollen, weil man beim Heizen in den Hörsälen sparen muss. Bildungspolitisch sind wir also auf dem Weg ein Dritte-Welt-Land zu werden.  Dafür erfüllt sich der Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka einen Herzenswunsch. Auf sein Betreiben hin – er ist ja einerseits Hausherr des Parlamentsgebäudes und anderseits ein ausgesprochen musischer Mensch – steht im neu renovierten Parlament ein vergoldeter Bösendorfer Flügel. Der Flügel wird um 3000 Euro monatlich angemietet. Jetzt ist ein goldener Flügel ja was sehr schönes und die Qualität eines Bösendorfer ist auch nicht zu verachten – Österreich ist ja, laut Selbstdefinition, ein Kulturland, (das in erster Linie von der Vermarktung eines einmaligen kulturellen Erbes zehrt), und der goldene Flügel ist wohl in dieser Tradition zu sehen. Ob 36000 Euro jährlich gerechtfertigt sind, damit im Parlament ein wertvoller Flügel herumsteht, wird allerdings kontrovers diskutiert. Während die Opposition kein gutes Haar an Sobotkas Selbstinszenierung als Musenfreund und vor allem am goldenen Flügel lässt, möchte die Grüne Nationalrätin Eva Blimlinger  gerne ein Parlamentsorchester. Das wäre wohl auch Sobotkas Traum. Ein Parlamentsorchester und er am Dirigentenpult. Das erinnert mich ein wenig an Nero, der sich für einen großartigen Kitharöden hielt. Um an Musikwettbewerben in Griechenland teilzunehmen  ließ er die Regierungsgeschäfte für eine Weile ruhen, um dann mit genau 1808 gewonnenen Preisen im Jahre 68 n. Chr. nach Rom zurückzukehren.  Vielleicht wäre ja ein Parlamentsorchester mit Sobotka als Dirigent eine neue Chance für den Untersuchungsausschuss zur ÖVP Korruption?

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