Kohlrabi Carpaccio

Man muss manchmal innehalten und die eigenen Aktivitäten kritisch hinterfragen. Sich täglich über die Aktivitäten politischer Blender auszulassen, ist zwar in puncto der eigenen Psychohygiene sinnvoll, macht aber nicht wirklich satt. Andererseits kann ich nicht umhin, das Interview, in dem Kurz die Staatsanwälte der WKSTA mit pädophilen Kirchenmännern in Zusammenhang bringt, zu erwähnen. Es ist in seiner Dreistigkeit eines Tal Silberstein würdig und ich vermute, dass wir in dieser Richtung noch mehr „dirty campaigning“ erleben werden. Kurz hat ja einen ganz neuen Regierungsstil versprochen und versprochen ist versprochen….

Aber es ist Sommer, noch steht die Welt, lasst uns über die Freuden des Lebens reden. Dazu gehört gutes Essen. Ein Gericht, dass momentan einen gewissen Hype erlebt ist das Kohlrabi Carpaccio. Es gibt davon inzwischen zahlreiche Varianten mit unterschiedlichsten Zutaten. Mein Lieblingsrezept für dieses genauso köstliche wie unkomplizierte und gesunde Sommergericht beruht auf steirischem Kernöl.

Zutaten für 4 Personen

Ein frischer Kohlrabi (darf auf keine Fall innen holzig sein)

3-4 Esslöffel Kürbiskerne

Kürbiskernöl

Balsamicoessig

eine Prise Zucker

Blauschimmelkäse

Mit einem Hobel den geschälten Kohlrabi in möglichst dünne Scheiben hobeln (ca. 1 bis 1 1,5 mm) und jeweils 5-6 Scheiben auf  den Tellern verteilen. Aus Kürbiskernöl und Balsamicoessig*  mit einer Prise Zucker und etwas Pfeffer aus der Mühle eine nicht zu flüssige Marinade rühren. Die Kürbiskerne in einer Pfanne kurz anrösten und gemeinsam mit zerbröseltem Blauschimmelkäse über dem Kohlrabi  verteilen und das Ganze  mit der Marinade beträufeln. Der Kohlrabi soll aber nicht schwimmen damit sein Eigengeschmack erhalten bleibt.

*kann natürlich auch ein anderer Essig sein. Mein Geheimtipp: Hollunderblütenessig.

„Afghanistankrise löst Fluchtwelle aus. Tausend Soldaten an der Grenze“

Titelzeilen der Kronenzeitung   am 25.Juli 2021               

 Wenn es nicht so dummdreist und traurig wäre…. Phantasielos und mit immer den gleichen Szenarien versucht man die Aufmerksamkeit auf Unwesentliches zu richten, wenn man irgendwo anders in der Bredouille sitzt. Mag schon sein, dass vor den Taliban jetzt Tausende als Folge einer vollkommen verfehlten Großmachtpolitik der Amerikaner fliehen müssen, das hören wir ja täglich in den Nachrichten. Aber sind die alle morgen Nachmittag in Ungarn und an unserer Grenze? Natürlich nicht. Wem dient also das dümmliche Gezeter von den tausend Soldaten an der Grenze, als gelte es den Einfall der Hunnen abzuwehren? Haben es die Österreicher nicht langsam satt, sich von einem Maturanten mit einer Tendenz zum Größenwahn verarschen zu lassen? Stehen wir nicht ganz anderen Problemen gegenüber?

Nach 200 Jahren Aufklärung würde man anderes erwarten. Man sollte meinen, dass jeder, der eine Schule besucht hat, in der Lage ist, sich ein Bild über die Gegebenheiten unserer Existenz und die wirklichen Gefahren, denen sie momentan ausgesetzt ist, zu machen. Heute geht es um Selbstaufklärung, um eigenes Denken. Befremdlich, beängstigend und belustigend zugleich ist die Art und Weise, wie die dubiosesten Informationen aus Quellen wie der Kronenzeitung unhinterfragt mit einem Weltbild abgeglichen werden, das seinerseits schon auf unüberprüften Hypothesen und fragwürdigen Informationen beruht. Eine Zeitung, die mit österreichischem Steuergeld befeuert wird und deren Journalisten das schreiben, was vom Geldgeber gewollt wird, kann keine Quelle der Erkenntnis sein! Daraus kann nur eine geistige Sandburg entstehen.  Es ist und war immer schon Taktik von Politikern, mit faustdicken Lügen Verwirrung zu stiften und Bedrohungen zu suggerieren, dort wo sie nicht sind. Man denke an Donald Trump.

Der Großteil der Menschen ist heute verunsichert und neigt dazu, jenen Glauben zu schenken, die einfache Lösungen anbieten. Dazu gehört die immer wieder aufgewärmte Behauptung, dass die Hauptbedrohung der westlichen Gesellschaft die Migration betrifft und, dass andererseits die Klimaerwärmung spätestens übermorgen mit technischen Mitteln gelöst wird. Laut Kurz und Konsorten sogar noch früher. Deshalb schadet es in keiner Weise – und das impliziert seine Aussage von der Steinzeit – den Konsumismus in seiner derzeitigen totalitären Form genau so weiterzuführen wie gehabt, nämlich alles haben zu wollen, weil man es haben kann. Verzicht ist Steinzeit, Verzicht verstößt gegen die Regeln des Marktes und ist abzulehnen.   Wenn wir uns auf diese „da Papa wirds scho richten“- Mentalität eines Maturanten einlassen, werden wir eine herbe Enttäuschung erleben. Das wirklich Erstaunliche ist, dass diese Haltung ja sofort widerlegbar ist.  Es gibt genug wissenschaftliche Daten, die zusammen ein klares Bild ergeben und dieses Bild zeigt in knapper Zukunft eine veritable Katastrophe, die nur noch zu verhindern ist, wenn wir spätestens heute Nachmittag damit beginnen, uns in Verzicht zu üben. Hybridautos mit 560 PS als Lösung anzubieten, wie es die Autoindustrie derzeit tut, ist nicht nur geschmacklos, es ist grenzdebil. Es geht nicht mehr um eine Korrektur, es geht um eine gewaltige Kehrtwende. Wenn wir nicht umgehend aufhören, alle Bereiche unserer künftigen Existenzgrundlagen – Wasser, Boden, Klima- zu vernichten wird unsere Kultur in grandiose Schwierigkeiten geraten.  DAS MAG UND KANN SICH NIEMAND VORSTELLEN, weil Menschen grenzenlose Optimisten sind und Leute wie Kurz immer wieder relativieren und so tun, als  wäre alles nur halb so schlimm und als hätten sie bereits Antworten und Lösungen.  Haben sie aber nicht.  Die Psychologie nennt diese Verhalten Dissonanzreduktion. Wir erklären die unangenehmen Folgen unseres Handelns – trotz der erkennbaren bedrohlichen Folgen – für geringfügig oder bestreiten sie überhaupt. Oder gehen den anderen Weg und sagen: Solange die Chinesen oder die Amerikaner oder die Afrikaner – oder wer auch immer – nichts ändern, warum sollen wir was ändern.  Die Geschichte hat nicht zuletzt am Beispiel des Sowjetreiches gezeigt, dass Kulturen oft noch einige Zeit über ihr Ablaufdatum hinaus existieren, um dann plötzlich bei einem Einzelereignis wie ein morsches Haus zusammenzubrechen.  Was das Coronavirus betrifft, so sind wir derzeit bei der Deltavariante. Hinsichtlich der menschengemachten Umweltproblematik sind wir aber schon bei Omega.

Gesichtslos

Wer heute die Eröffnungsveranstaltung der Salzburger Festspiele gesehen hat,  hat grundvernünftige Ideen zum Weltgeschehen  und letztendlich eine grundlegende Kritik am Kapitalismus von Alexander Van der Bellen und dem Philosophen Julian Nida- Rümelin, zu hören bekommen.

 In den anschließenden Mittagsnachrichten wird über inzwischen schon   vertraute  Umweltkatastrophen berichtet, diesmal über einen Taifun in China. Ein weiterer Bericht setzt sich mit den Kontrollen der österreichischen Finanzpolizei im Zusammenhang mit den Kurzarbeitszahlungen des Staates an Firmen auseinander. Zehntausend Firmen wurden bisher überprüft und siehe da, bei 6000 gibt es Hinweise, dass betrogen  wurde. Es gibt also 6000 (sechstausend) Anzeigen gegen Firmen, die Zahlungen kassiert haben, die ihnen nicht zustanden weil sie ihre Angestellten gar nicht kurzarbeiten ließen oder sonst wie falsche Angaben gemacht haben. Interessant auch der Umstand, dass das Thema in den Abendnachrichten ausgespart blieb. Wenn man die Zahlen jetzt extrapoliert, und auf ganz Österreich hochrechnet, dann sieht es ganz danach aus, dass der überwiegende Teil der Unternehmer in Österreich die Coronakrise benutzt hat, um einen kleinen oder größeren Zuverdienst einzustreifen und, dass man darüber keine all zu große öffentliche Diskussion  wünscht.  Verteilt wurde das Geld von der Wirtschaftskammer, was von Anfang an – zu offensichtlich berechtigter Kritik – geführt hatte – aber von der Regierung unbedingt gewollt war.  Eigentlich ein moralisches Desaster, wenn eine Regierung, die sich die Lehre von der Freiheit des Marktes und den Wohltaten des kapitalistischen Systems auf ihre Fahnen heftet, zu Kenntnisse nehmen muss, dass die von ihr vertretenen Marktkapitalisten bei der ersten kleinen Krise vom Statt gerettet werden wollen und diesen dann auch noch in großem Umfang bestehlen.

Aber moralische Kategorien gelten im freien Markt nicht. Moralische Kategorien dienen lediglich als Referenzwert  für Ausreden, um die  kleinen und größeren  Vergehen mit den eigenen Wertmassstäben irgendwie in Einklang zu bringen. Wahrscheinlich sind unter den hunderten Besuchern der Eröffnungsveranstaltung -also unter der künstlerischen und wirtschaftlichen Elite – zumindest  ein paar von denen gewesen und haben sich die Reden angehört. Gut versteckt hinter den Gesichtsmasken. Gesichtslos sozusagen.

https://tvthek.orf.at/profile/ZIB-1300/71280/ZIB-1300/14099915

Die Osterinsel der Seligen

Jared  Diamond hat in seinem Buch „Kollaps“ plausibel dargestellt, was bei  Kulturen, wie der der  Mayas oder der Osterinsulaner letztendlich zum Untergang geführt hat: Sie haben ab dem Zeitpunkt, an dem sie erkannten, dass die Überlebensbedingungen prekär werden alle Anstrengungen, die sich bisher als erfolgreich erwiesen hatten, verstärkt. Wenn die Böden schlechter wurden, baute man intensiver an und verstärkte dadurch die Erosion. Man schlug mehr Holz als nachwachsen konnte, um Boote für den Fischfang zu bauen. Man handelte auf der Basis der eigenen Erfahrungen. Aber neue Überlebensbedingungen erfordern neue Überlebensstrategien. Die vermeintlich nützlichen Erfahrungen werden zur Gefahr.1)

Geschichte wird nur im Kontext mit der Gegenwart verständlich und auch nur im Hinblick auf die Ideen, die die Zukunft einer Gesellschaft bestimmen sollen. Angesichts dessen kann man in einer Zeit, in der die Menetekel an der Wand zusehends eindeutiger werden, zum Schluss kommen, dass wir als menschliche Gesellschaft bereits ans Ende der Geschichte gekommen sind.  Und man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass immer noch Mächte am Ruder sitzen, die vollkommen unfähig und weitgehend auch unwillig sind, den einmal eingeschlagenen Kurs – und somit die Geschichte – zu ändern.  Wir haben gut hundert Jahre einer unglaublich rasanten Entwicklung, die nicht nur von der Genialität Einzelner, sondern auch von gewaltigen Leistungen der Kollektive geprägt waren und in vielen Bereichen erstaunliche Fortschritte gebracht haben, hinter uns. Wir haben in der Verwendung und Bearbeitung von Materie erstaunliche Erkenntnisse gewonnen. Angefangen bei der Spaltung des Atoms bis zur Kombination vielfältigster Substanzen aus dem Periodensystem zu Geräten, die die menschlichen Möglichkeiten  in einem fast magischen Licht erscheinen lassen. Die Faszination all unserer technischen Möglichkeiten hat den Blick auf die Welt eindimensional werden lassen. Aus dem daraus entstandenen Wirtschafs- und Handelssystem ist ein schwerfälliges Gebilde entstanden, das jetzt wie ein Ozeanriese auf einem Meer  voll drohender Gefahren  navigiert und viele Kilometer braucht bis es zum Stillstand kommt.   Dazu kommt, dass die Besatzung sich nie darüber Gedanken gemacht hat, was dann sein soll, wenn das Schiff einmal zum Stillstand kommt.  Sie kennt nur die gloriose Fahrt geradeaus. All das Bewährte, das bis jetzt für so viele den erträumten Wohlstand geschaffen hat, kann doch nicht falsch sein. Darum sieht man die eingeschlagene Richtung als alternativlos und macht weiter wie bisher. Produktion von alternativen Gütern schreibt man sich jetzt auf die Fahnen. Produktion von alternativen Energien, von alternativen Transportmitteln, das wird der neue Geschäftszweig. Hauptsache Produktion.  Die Krise wird zwar inzwischen erkannt, die Zeichen an der Wand werden gedeutet, aber alles was geschieht ist, dass jene Methoden intensiviert werden, die bis dato erfolgreich waren. Paradigmatisch für diese Haltung ist der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz, der gerade seine unreflektierten Aussagen in einem Interview kundtut. Kurz sagt: „Es wäre vollkommen falsch, zu glauben, dass wir in Zukunft das Klima dadurch retten können, dass wir uns nur noch im Verzicht üben, und  der Klimaschutz dürfe uns nicht in die Steinzeit zurück versetzten“.  Diese Aussage zeigt eine bespiellose Ignoranz und Phantasielosigkeit.  Wie kann so ein junger Mensch, von dem man eigentlich erwarten würde, dass er neue Wege mit Begeisterung und Elan beschreitet dermaßen borniert darauf beharren, die ausgetretene Pfade zu verteidigen.  Wie kann man die unzähligen Möglichkeiten für die österreichischen Industrien, die mit den Maßnahmen des Klimaschutzes verbunden sind, übersehen und statt sich für das, was auf uns zukommt zu rüsten, immer die gleiche Litanei herunterbeten, die darin besteht, dass die Wirtschaft Priorität vor allem anderen hat. Österreich hat wenig Bodenschätze.  Der einzige Bodenschatz den es reichlich gibt, ist Hirnschmalz. Und wenn man das entsprechend fördert, dann kann Österreich zu einem Vorreiter in Sachen Klimaschutz werden. Das wird aber mit einem Kanzler Kurz und seinen Freunden nicht funktionieren, denn er denkt, wie er heißt.

1)Zitate aus: Selbst Denken. Eine Anleitung zum Widerstand  von Harald Welzer

Beissreflex

Es gibt mutige und ängstliche Hunde. Die Strategie der ängstlichen Hunde besteht oft darin, dass sie geringe Körpergröße, Angst und eigene Unsicherheit durch ein höheres Maß an agressiv zur Schau getragener Angriffslust kompensieren.  Manch potentieller oder vermeintlicher Gegner  lässt sich dadurch einschüchtern. Wenn der vermeintliche oder potentielle Gegner aber seinerseits agressiv auftritt, bringen sich die Kläffer sofort in Sicherheit. Auch in der Politik gibt es diesen Typus der aggressiven Vorausverteidigung. Dazu zählen   derzeit die Geschehnisse um die Hochwasserschäden in Hallein. Die Landwirtschaftsministerin Köstinger ist sofort angetreten um dem  Naturschutzbund die Schuld zu geben. Dieser hat sich nämlich  gegen ein Hochwasserschutzprojekt das mit einer  massive Verbetonierung das Ortsbildes einhergegangen wäre zur Wehr gesetzt und wollte ein Alternativprojekt durchsetzen das weniger Beeinträchtigung des Ortsbildes durch Beton mit sich bringt. Tatsache ist aber, dass das Unglück mit den geplanten und nicht errichteten Schutzbauten nichts oder nur wenig zu tun hat. Die Regenfälle haben dazu geführt, dass drei Autos in die Rinne des Kothbaches gespült wurden und dadurch der Abfluss der Wassermassen behindert  wurde. Erst der Rückstau hat die Katastrophe ausgelöst. Weder an den Starkregenfällen, noch an den Autos und auch nicht an der Tatsache, dass ein vernünftiges, ortsbildschonendes Alternativprojekt nicht akzeptiert wurde ist der Naturschutzbund schuld. Aber Hauptsache es wurde jemand gebissen.

Mit Anlauf in die nächste Welle

Sucharit  Bhakdi , eine Ikone der Corona-Leugner, bezeichnet die Corona Impfung als Hölle auf Erden und im selben Aufwaschen nennt er Israel eine lebende Hölle wegen der Impfung. Die Israelis hätten das Böse gelernt und auch die Amerikaner wären in der selben Gefahr, nämlich eine „living hell“ zu errichten. Bhakdi hat jetzt seine Popularität genutzt und  in Deutschland eine Partei gegründet, die sich „Die Basis“ nennt. Es fragt sich die Basis von was?   Der Mann, der auch Stammgast im Red Bull Sender „Servus TV“ war, ist mit seinen hirnrissigen und antisemitischen Aussagen wieder mal im Mittelpunkt. Das braucht er offensichtlich und es gibt genug andere, die ihm das ermöglichen. Der Intendant von Servus TV, Ferdinand Wegscheider, begibt sich gerne auf das gleiche Niveau und verquirlt krude Thesen  und blanken Unsinn mit seinem Narrenstäbchen zu einer leicht braunen Mixtur die offensichtlich von einem Drittel der Bevölkerung ohne Bedenken konsumiert wird.  Begründen tut er das damit, dass die Wissenschaft nicht in Stein gemeißelt sei. Genau so könnte man auch argumentieren, dass die Mainstream- Wissenschaftler viel zu wenig auf die Befürworter der Scheibenwelttheorie eingehen.                                                                                                                                 Der österreichische Bundeskanzler weilt in Amerika, wurde aber von Präsident Biden nicht empfangen. Vermutlich weil er immer noch ein wenig nach Trump riecht, bei dem er sich eingeschleimt hatte.1)  Aber vor seiner Abreise hat er seinem Volk eine kryptische Nachricht hinterlassen: Von nun an gibt es keine Pandemie mehr, von der alle betroffen sind, sondern ab sofort ist jeder für sich selbst verantwortlich, hat er sinngemäß gesagt. Er hat somit die Pandemie im Alleingang für Österreich zur Epidemie zurückgestuft oder besser zur Ego-Demie. Und deshalb soll unter Ausschluss der Ungeimpften  wieder jedes Vergnügen möglich sein. Der Erfolg gibt ihm Recht – der massive  Anstieg der Neuinfektionen kam prompt und zeigt, wie gut die Österreicher mit Eigenverantwortung umgehen können. Immer noch sind erst 49% der Bevölkerung zweimal geimpft. Die  Gründe für die mangelnde Impfbereitschaft lassen einen schaudern. Eine Geschichte ist besonders erzählenswert, sie ist aber bei weitem nicht die einzige, an die Herr und Frau Österreicher glauben: Laut einer, in Internetforen aufgetauchten „wissenschaftlichen Studie“, (angeblich auch aus Israel) verströmen geimpfte Personen  „Zytokine“, die bei ungeimpften Frauen die diese einatmen zu hormonellen Veränderungen und zu Regelstörungen führen können. (Aus einer ernstgemeinten Patientenanfrage in einer gynäkologischen Praxis). 2)          

Das ganze illustriert wie gut sich schlechtes Krisenmanagement, Dummheit und wissenschaftliche Ignoranz ergänzen.  

1)Warum Trump Sebastian Kurz trifft – Politik – SZ.de (sueddeutsche.de)

2) persönliche Mitteilung

Strom

6 Uhr früh,  auf der A1 Richtung Salzburg dichter Verkehr. Ab der Abfahrt Regau Richtung Gmunden, eine durchgehende Kolonne. Hunderte LKW unterwegs. Man wird das Gefühl nicht los, dass das Chaos auf den Straßen täglich zunimmt. Seit 1990 hat das Verkehrsaufkommen um 60% zugenommen und ist für 28% des CO2 Ausstoßes in Österreich verantwortlich. Ab 2035 ist der Verbrennungsmotor  nicht mehr zugelassen. Die Mitglieder der EU-Kommission haben sich geeinigt: 2035 soll der Verkauf von Neuwagen mit Verbrennungsmotor in der EU enden. Hersteller dürfen dann nur noch Elektroautos verkaufen – oder andere Autos, die kein CO₂ ausstoßen. Das ist sicher eine wichtige Entscheidung, aber sinnvoll ist das nur wenn der Strom dafür aus erneuerbaren Ressourcen gewonnen wird. Dazu sind wir in der Lage. Eine Umstellung auf ausschließlich Elektromobilität würde laut einer Studie der TU Wien den Stromverbrauch um 18 % ansteigen lassen. Da für E Autos absehbar – vorwiegend Nachtstrom verwendet wird – kommt es infolge der besseren Netzauslastung zu keiner wesentlichen Krise. Aber es muss noch sehr sehr viel geschehen: Die Batterien müssen leichter werden, die Ladezeit kürzer, die Reichweite größer, das Netz an Ladestationen umfangreicher. Und das Recycling der Batterien, die für den Betrieb im Auto nicht mehr taugen als Heimspeicher für Solaranlagen, ist auch nur eine Zwischenlösung. Der Schwerverkehr sollte weitgehend auf die Schiene verlagert und das Bewältigen kürzerer Strecken  mit dem Fahrrad sollte zur Normalität werden und nicht nur am Sonntag das Gefühl  vermitteln, dass man eigentlich Leistungssportler ist. Ob wir das alles in 14 Jahren schaffen?

Man reiche mir die Unschuldsvermutung

Den Italienern hat Berlusconi imponiert, weil er sich an keinerlei Regeln hielt und er hat salonfähig gemacht, dass derjenige, der  fair spielt anstatt sich jeden möglichen  Vorteil zu verschaffen, milde belächelt wurde. So ist innerhalb weniger Jahre ein Klima der Korruption, der Bestechung  und  der Missachtung der Justiz und des politischen Anstandes entstanden.  Berlusconi war paradigmatisch für eine Entwicklung, die wir weltweit beobachten können, nämlich, dass das Volk seine Gauner liebt. Trotz zahlreicher Gerichtsverfahren und ganz offensichtlich begangener Straftaten, trotz Steuerbetrug in großem Ausmaß und zahlloser Lügen war er viermal Ministerpräsident von Italien. Zusätzlich Außen-, Wirtschafts-  und Gesundheitsminister. Auch seine Verbindung zur Mafia,  mit deren Hilfe er zu einem der reichsten Männer Italiens wurde, hat ihm nicht geschadet. Die Frage ob genügend (minderjährige) Frauen auf seinen Sexpartys waren, hat ihn sicher mehr bewegt als die Anzahl der Kindergartenplätze für die Kinder alleinerziehender Mütter. Da fragt man sich, was geht in den Köpfen der Menschen vor, die einem ausgefuchsten und vollkommen moralbefreiten Gauner das ganze Land, ihre Zukunft und die Zukunft ihrer Kinder anvertrauen. Aber Berlusconi ist bei weitem nicht er Einzige, der dieses Kunststück zuwege brachte. Trump, Putin, Orban, Bolsonaro, Erdogan… sie alle scheinen nach dem Grundsatz des Okkultisten und  Satanisten Aleister Crowley zu leben, der sagt: Tu was du willst, sei das einzige Gesetz und die Schwachen müssen von den Starken zertreten werden. Zu Aleister Crowleys Maximen gehörte auch die Verachtung des Durchschnittsbürgers, der Religion  und der Demokratie. Auch in unserem politischen System scheint es die Glorifizierung der verwegenen Polit- Hasardeure zu geben, die es verstehen, die emotionalen Bedürfnisse eines gewissen Teiles der Bevölkerung anzusprechen, aber letztendlich tun, was sie wollen. Die den Staat für ihre Interessen instrumentalisieren, auf den Pöbel herabblicken und neben der Religion – auf die sie sich zwar zum Schein berufen – auch die Demokratie nur als Mittel zum Zweck betrachten. Wie sonst wäre es zu erklären, dass nach den vielen Chatprotokollen die eindeutig Lügen, Postenschacher und eine antidemokratische Haltung zeigen, nach zahlreichen Angriffen auf den Rechtsstaat und die Justiz, die Umfragewerte der Kurz-Partei nach wie vor stabil und hoch sind. Ihr kann kein Skandal schaden. Weder eine Hausdurchsuchung beim amtierenden Finanzminister, noch Ermittlungen gegen den Kanzler selbst. Solange wir es zwar alle wissen, aber kein Gericht ein Urteil gesprochen hat, ist der geistige Impakt bei der Bevölkerung erstaunlich gering, denn so lange gilt die Unschuldsvermutung. Und damit lässt sich in der Politik gut leben.

PS: Man möge mir Geschmacklosigkeit vorwerfen – das nehme ich in Kauf – aber diese Pointe lasse ich mir nicht entgehen: Ich möchte wissen, ob Sebastian Kurz Vaterschaft Teil der Marketingstrategie ist und ob dazu vorher eine Meinungsumfrage gemacht wurde.

Kollateralschaden

Wie kann es sein, dass eine Partei, die im Parlament vertreten ist, wissenschaftliche Erkenntnisse und die daraus zu ziehenden Konsequenzen einfach ignoriert. Schließlich leben wir im 21. Jahrhundert und inzwischen hat sich das mit der Seuchenhygiene sogar in Ländern der Dritten Welt herumgesprochen. Wie kann es sein, dass der Bundesparteiobmann der FPÖ das  auch noch mit Argumenten, die nicht einmal zu Paracelsus Zeiten glaubwürdig gewesen wären, verteidigt und ihn niemand fragt, wann er eigentlich aus der Anstalt entlassen wurde und ob er seine Medikamente noch einnimmt…

  Man nennt das wohl Narrenfreiheit. Schließlich hat man ja als FPÖler ein gesundes Immunsystem von der Vorgängerpartei geerbt und Wissenschaft ist auch überbewertet. Darum weg mit Bevormundung. Ich bin kein Versuchs-Kaninchen das man einfach impft, ich bin ein selbstbestimmtes Kanin. Was in einer Pandemie erlaubt ist und was nicht, bestimmen die Kanine selbst. Und wenn es dabei Kollateralschäden gibt, wie jetzt im Untersuchungsausschuss, wo der Herr FPÖ Fraktionsführer vermutlich fünf  Mitglieder des U-Ausschusses mit dem Coronavirus versorgt hat,  dann ist das keine Frage von Schuld und erfüllt auch nicht den Tatbestand der wissentlichen – oder zumindest wissentlich in Kauf genommenen – Weiterverbreitung einer ansteckenden Krankheit, sondern das ist von den Nornen bestimmtes Schicksal.                                 

Irgendwann wird ein Großteil der Österreicher geimpft sein und die Krankheit wird nur noch im Kreis der Ungeimpften ihre Opfer finden, wie die Hasenpest unter den Nagetieren, die auch immer wieder einmal aufflackert. Die Mitglieder der sozialen Heimatpartei werden dann Opfer bringen müssen für ihren Glauben.

Was man alles unter einer Demokratie versteht

Eigentlich geht es kaum noch besser: Victor Orban, der eine Diktatur und einen Einparteienstaat in Ungarn errichtet, beklagt sich in ganzseitigen Inseraten in mehreren europäischen Tageszeitungen, dass die EU in Brüssel einen antidemokratischen Superstaat baut. Dass er gemeinsam mit Polen zu den größten Empfängern von EU Geldern zählt, spielt keine Rolle. Das Geld wird eh gerecht verteilt an seine Freunde und Vewandten. Und die EU strebt wegen des neuen  Gesetztes gegen die Rechte von LBGT Personen ein Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof an. Das kann Jahre dauern. Orban weiß das. Die Inserate zahlt er mit EU-Geld.  Offiziell ist Ungarn aber eine Demokratie.

Die Türkei steigt aus der Istanbulkonvention aus.  Das ist ein 2011 ausgearbeiteter völkerrechtlicher Vertrag, der verbindliche Rechtsnormen gegen Gewalt an Frauen schafft. Die WHO benennt Gewalt gegen Frauen als eines der größten Gesundheitsrisiken für Frauen weltweit. Aber eigentlich steigt nicht die Türkei, sondern Recep Tayyip Erdogan als Führer der AKP aus der Istanbulkonvention aus und überlässt damit die Entscheidung darüber, was Gewalt gegen Frauen ist und was nicht, wieder den Ehemännern. Offiziell ist die Türkei eine Demokratie.

 Donald Trump wird angeklagt bzw. sein Firmenkonglomerat steht in Person des Finanzchefs Allen Weisselberg vor Gericht, um sich wegen Steuerbetrugs zu verantworten. Trump nennt das eine Hexenjagd. Er hat immer noch die volle Unterstützung der Republikanischen Partei, obwohl er vor ein paar Monaten seine Anhänger zu einem Sturm auf das Kapitol aufgerufen hat. Donald Rumsfeld, ein weiterer Republikaner ist tot. Seelig im 88 Lebensjahr entschlafen. Er war mit schuld an den vielen Lügen, die zur Legitimierung der amerikanischen Kriegszüge in Afghanistan und Irak verbreitet wurden und damit schuld an hunderttausenden ermordeten Zivilisten in diesen Ländern. Offiziell ist Amerika eine Demokratie.

Der österreichische Finanzminister ignoriert den Verfassungsgerichtshof und der österreichische Bundeskanzler, Sebastian  Kurz, ignoriert das Parlament und schwindelt sich mit Hilfe seiner Fraktion und des  parteieigenen Ausschussvorsitzenden Sobotka  durch die Befragung im IBIZA Untersuchungsausschuss. Dabei nennt er alle: „feste Trottel“, die sich wegen einer Parteispende ins Kriminal begeben. Was wohl seine Freunde dazu sagen? Dass er die Vertreter der katholischen Kirche erpressen wollte, dazu darf man ihn  nicht fragen, angeblich gibt es eine anonyme Anzeige.  Wer hatte wohl diese Idee?  Für den Mord an dem 13 Jährigen Mädchen macht er – wie erwartet – alle anderen verantwortlich, vor allem wieder die Justiz. Dass er Integrationsstaatsekretär war und unter seiner  ÖVP/ FPÖ Regierung eben diese Justiz ausgeweidet wurde und die Verfahren darum jahrelang dauern, wird nicht erwähnt. Dass niemand in Österreich dafür ist, straffälligen Asylwerbern den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen, ebenfalls. Aber so ein Mord sorgt dafür, dass man das Thema um das Asylrecht weiter politisch ausschlachten kann.   Österreich ist  offiziell eine Demokratie.

Xi Jinping feiert 100 Jahre kommunistische Partei.  Die Millionen Uiguren in den chinesischen Konzentrationslagern werden vermutlich keinen Anlass zum Feiern haben. China ist gemäß Verfassung eine demokratischen Diktatur des Volkes.

Kim Jong Un sucht auch gerade wieder einmal  die Schuldigen – offensichtlich  für das sich abzeichnende wirtschaftliche Desaster in seinem Land. Wahrscheinlich wird er wieder ein paar Verwandte und ein paar Generäle mit einem Flugabwehrgeschütz hinrichten lassen. Nordkorea ist eine demokratische Volksrepublik.

Regieren ist kein Ding für Leute mit Charakter und Erziehung, hat schon Aristophanes gesagt. (Die Ritter (Hippeis), uraufgeführt 424 v. Chr.)