Zurückgestuft

Österreich ist keine liberale Demokratie. Österreich ist aber auch noch keine iliberale Demokratie wie Ungarn, das inzwischen zwischen Guyana und Guinea – Bissau ungefähr an neunzigster Stelle im weltweiten Ranking liegt. Der Demokratie-Report, den das V-Dem-Institut* der Universität Göteborg jedes Jahr veröffentlicht, hat Österreich aber zurückgestuft zur „Wahldemokratie“.

Darunter ist zu verstehen, dass die Bevölkerung im Zuge von Wahlen zwar ihre Stimme abgeben kann, darüber hinaus mangele es aber an demokratischen Möglichkeiten.

Sobald nämlich die Stimmen abgegeben sind – zumindest in den letzten Jahren war es so – regiert eine Clique von Lobbyisten und setzt die politischen Interessen einer sehr kleinen Gruppe von Industriellen und Wirtschaftstreibenden um. Im Sinne der neoliberalen Doktrin wird alles, was in Österreich passiert, den Marktbedürfnissen – also den Profitinteressen einiger hundert Familien oder börsennotierter Konzerne untergeordnet. Und diese Konzerne und Familien nehmen vor den Wahlen Geld in die Hand, um damit die eine oder andere Partei, die sich anbietet oder direkt andient – wie Sebastian Kurz es gemacht hat – mit entsprechenden Mitteln auszustatten, die nötig sind, um die Wahlen zu gewinnen. Alles ist also eine Frage des Geldes.                                               

 Der Umbau des Staates und die grassierende Korruption ist also auch den unabhängigen Wissenschaftlern des V-Dem Institutes nicht entgangen.  

Den meisten Österreichern hingegen schon. Wir sind mit den Nebensächlichkeiten dermaßen eingenebelt und beschäftigt, dass wir das große Ganze gar nicht mehr wahrnehmen, obwohl Österreich eh gar nicht ganz so groß ist.

Dass ein paar Cobra- Beamte sich mit der Frau des Bundeskanzlers, Katharina Nehammer,  ein paar Achterl gönnen und dann den Dienstwagen schreddern, ist allemal wichtiger als der Bericht der Nationalbank, der besagt, dass inzwischen  nur ein Prozent der österreichischen Bevölkerung über 50% des gesamten Vermögens verfügt. Jenes Vermögen, das wir alle gemeinsam erarbeiten. Dass das Gesundheitssystem bald einmal krachen geht und die Krankenversicherung der Arbeitnehmer mit einem Schwall von falschen Versprechungen in die Hände der Arbeitgeber gespielt wurde, ist nicht so wichtig  und auch, dass jetzt bald im Bereich Sozial- und Bildungspolitik zugunsten einer massiven Aufrüstung des Bundesheeres gespart werden muss, nimmt der Österreicher einfach zur Kenntnis. Der österreichische Bürger hat nie begriffen, dass er in einer Demokratie der Souverän ist, vielleicht ist er aber auch einfach nur zu bequem, um sich mit der Politik zu beschäftigen.

Aber es gibt schon noch ein wenig Gerechtigkeit. Dass wir doch das eine oder andere aus den Hinterzimmern erfahren, in denen die weniger sauberen Abmachungen getroffen werden, ist dem Umstand zu danken, dass Politiker ihren Handys anvertrauen, was sie sonst nur engsten Freunden erzählen. Eines dieser geschwätzigen Handys gehört dem ehemaligen ÖVP- Kabinettchef Michael Kloibmüller. Bei einer gemeinsamen Bootsfahrt mit zwei Damen, anlässlich der Gartenmesse in Tulln 2017 wurde das Boot zum Kentern gebracht, weil eine der Damen – offensichtlich in Unkenntnis der Gesetze der Physik bzw. der Wirkung einer Verlagerung des Schwerpunktes – von ihrem Sitzplatz aufgestanden war. Alle fielen ins Wasser, auch Kloibmüllers Handy fiel ins Wasser. Bei der Reparatur saugte ein fieser IT Techniker vom BVT die Daten ab und gab sie weiter. Dem Kloibmüller sagte er, das Handy sei nicht mehr zu retten. (Soweit zur Datensicherheit beim BVT) Und wer war die Dame die das Boot zum Kentern brachte? Katharina Nehammer. Also ich finde das gerecht.

dr_2022.pdf (v-dem.net)

Vermögensverteilung Österreich: 1 % besitzt 50 % des Gesamtvermögens (neuezeit.at)

Das Jahrzehnt der Heiratsschwindler

Die Grundlage unserer Gesellschaft bildet gegenseitiges Vertrauen. Jeder von uns vertraut darauf, dass er nicht zusammengeschlagen wird, sobald er auf die Straße tritt, dass seine Sozialversicherung die Kosten fürs Krankenhaus übernimmt oder dass der Kassier vom Sparverein die Einlagen nicht für sich selbst verwendet. Ohne Vertrauen würde diese Gesellschaft sofort zusammenbrechen. Im Zusammenleben mit unseren Familien ist eine der wichtigsten Erfahrungen für das ganze Leben, dass man sich auf die Menschen verlassen kann, dass unser Vertrauen, das wir von Anbeginn mitbringen, nicht enttäuscht wir, denn diese Erfahrung ist die Basis für ein erfolgreiches Leben. Tatsächlich sind wir ja auch meist von freundlichen, hilfsbereiten und ehrlichen Menschen umgeben, die dieses Grundvertrauen rechtfertigen. Aber eben, weil dieses Grundvertrauen da ist, sind wir so leicht zu betrügen, von Menschen, die sich nicht an die Regeln halten.    Jeder Betrug, jeder Betrüger beginnt deshalb damit, Vertrauen aufzubauen, bevor er dieses Vertrauen für seine Zwecke auszunützen kann. In der Folge muss er herausfinden, welche Träume die Menschen haben.  Da ist es die große Liebe bei der einsamen Frau, die ihr der Heiratsschwindler vorgaukelt und das leicht verdiente Geld, das der Anklagebetrüger verspricht, oder die eigene Überhöhung durch die Idee, einem Staat von Herrenmenschen anzugehören,  die der nationalistische Politiker als Köder auslegt. Das gelingt umso leichter, je mehr Vertrauensvorschuss die Menschen bereit sind zu geben. Und der kollektive Vertrauensvorschuss ist in einer gesicherten Demokratie offensichtlich größer als uns allen guttut. Einer der Schritte, um Vertrauen aufzubauen ist es, Menschen die bereits Vertrauen genießen, für sich zu verwenden. Da sind die unzähligen Film- und Sportgrößen, die den Vertrauensvorschuss, den Menschen bereit sind, ihnen zu geben, nutzen, um Werbung für Produkte zu machen, die sonst vielleicht nicht verkäuflich wären oder sich mit Politikern öffentlichkeitswirksam fotografieren zu lassen.  Da sind ihrerseits wieder Politiker, die ihr Renommee als Staatenlenker in Form von Lobbyismus für Diktatoren und Glücksspielkonzerne zu Geld machen. Die sitzen dann als „vertrauensbildende Maßnahme“ im Aufsichtsrat dubioser Firmen in noch dubioseren Staaten.  Dagegen wirkt ein grauhaariger, seriös erscheinender Mann, der freizügig über seine Potenzprobleme spricht und Fernsehwerbung für ein homöopathisches Potenzmittel macht, das pharmakologisch garantiert unwirksam ist, nachgerade liebenswert, obwohl er ebenfalls durch seine schauspielerische Leistung hilft, das Vertrauen auszunutzen. So einfach ist das nämlich. Die Werbung macht es vor. Wenn man die letzten Jahre Revue passieren lässt, dann sieht man weltweit eine Zunahme von Politikern, die sich auf betrügerische Weise Vertrauen erschlichen haben und das noch immer tun.

Der Wahlsieg des ungarischen Politikers Victor Orban ist das beste Beispiel dafür, was es bedeutet, die Medien zu kontrollieren und zu manipulieren. Auch das beste Beispiel dafür welche Rolle Geld spielt, um mittels gekaufter Medien Vertrauen aufzubauen. Die Ungarn sind   trotz massiver Korruption des Orban-Clans inzwischen bereit, ihrem Führer alles zu glauben was er ihnen erzählt. Der Mann ist seit 12 Jahren durchgehend an der Macht und hat sich in einer Demokratie die absolutistischen Rechte eines Königs mit beinahe allumfassender Macht gesichert.  Die Behauptung, dass der politische Gegner die jungen Ungarn in den Krieg schicken will, war vollkommen abstrus und an den Haaren herbeigezogen. Trotzdem wurde Orban geglaubt als er beteuerte, nur er könne Ungarn vor der Teilnahme am Krieg in der Ukraine schützen. Und seine Macht wird durch den neuerlichen Wahlsieg noch mehr anwachsen. Wie man sieht, der Betrug funktioniert immer gleich – ob es ein Heiratsschwindler oder gar ein Zuhälter ist oder ein Politiker. Die Masche ist immer die gleiche.                                                                                 

Österreich ist gerade noch einmal davongekommen. Die politischen Absichten der Gruppe um Kurz und Strache gingen in die gleiche Orbansche Richtung. Nur der Dummheit und  Arroganz der Proponenten ist es zu verdanken, dass ihr nebulöses Modell, für das sie ebenfalls einen nahezu unfassbaren Vertrauensvorschuss erhielten, in die Binsen gegangen ist. Aber man sollte sich nicht täuschen lassen, das System Kurz hat noch immer Bestand, und zwar in genau den Strukturen, auf denen es gewachsen ist.  Es ist nicht vorbei und es hat sich auch nichts geändert, das zeigen die täglichen Vorkommnisse.  

All das zeigt auch, wie wichtig unabhängige Medien für eine Demokratie sind. In Österreich war die „Neue Volkspartei“ auf dem besten Weg, dem Vorbild iliberaler Demokratien zu folgen,  und gäbe es keine Medien und unabhängige Journalisten, hätte keiner von uns erfahren, was sich da im Hintergrund abgespielt hat. Irgendwann hätte es aber das gleiche böses Erwachen gegeben, wie bei den Opfern von Heiratsschwindlern, die der großen Liebe wegen ihr gesamtes Vermögens verlieren. Bleiben wir also misstrauisch….

Mit klammheimlicher Freude..

Der Satz von der klammheimlichen Freude stammt vom „Göttinger Mescalero“. Ein Pseudonym, unter dem 1977 ein zynischer Nachruf auf den von der RAF ermordeten Generalbundesanwalt Siegfried Buback verfasst wurde.  Diese klammheimliche Freude empfindet so mancher Österreicher im Zusammenhang mit der Anklage gegen Wolfgang Sobotka. Er ist genau der Typ Politiker, an dem sich die Geister scheiden. Mit minus 58 Punkten liegt er auf der Beliebtheitsskala noch hinter Godzilla oder dem bösen Wolf. Er ist eitel, arrogant und für ihn gilt die Unschuldsvermutung, obwohl vieles darauf hindeutet, dass er es manchmal mit der Wahrheit nicht genau nimmt. Zum Beispiel hat er immer geleugnet, dass er Jan Marsalek kennt, den inzwischen entschwundenen Mastermind von Wirecard, ein Wirtschaftskrimineller erster Güte. Leider gibt es ein Foto, wo er mit selbigem einträchtig am Tisch bei einer Feier in Moskau sitzt. Aber mit all dem passt er genau ins Schema eines gestandenen ÖVP-Politikers. Insbesondere was die Unschuldsvermutung betrifft. Ob man ihm aus dem Sachverhalt, dass er als Innenminister den von der ÖVP bestgereihten Bewerber zum stellvertretenen Polizeidirektor von  Wien gemacht hat, einen Strick drehen kann sei dahingestellt.*  Dass er maßgeblich am windigen Geschäft des Landes Niederösterreich beteiligt war, bei dem 2,3 Milliarden an Wohnbauförderungen versenkt wurden, hat ihn nie wirklich gekratzt und auch sein Umgang mit dem Vorsitz des Ibiza- und des ÖVP-Korruptionsausschusses, bei dem er selbst als Beschuldigter eine Rolle spielt, geht ihm am A….. vorbei.  Sobotka also unter Anklage. In jedem anderen Land der Welt müsste er jetzt zurücktreten, zumindest den Untersuchungsausschuss müsste er abgeben – aber das tut ein Sobotka sicher nicht, solange es keine rechtliche Verpflichtung gibt und eine moralische existiert für ihn sowieso nicht. Solange auch in der Justiz noch schwarze Seilschaften sitzen, rechnet er sich wohl Chancen aus, dass er ungeschoren davonkommt.

 Aber jetzt ist schon wieder was passiert.   Nicht nur, dass der Oberstaatsanwalt Fuchs wegen Geheimnisverrat und Falschaussage angeklagt und deshalb vorerst suspendiert wurde und der IBIZA- Aufdecker Julian H. dreieinhalb Jahre Haft  in einem seltsamen Prozess ausfasste. Zudem ermittelt auch noch die Staatsanwaltschaft gegen Martin Ho, den Freund von Sebastian Kurz, wegen schweren Betrugs. Es geht um rechtswidrig geforderte Kurzarbeitsförderung in nicht unbeträchtlicher Höhe. (Dass da noch viele andere, die von der Wirtschaftskammer an sich gezogenen Agenden der Corona-Förderungen missbraucht haben, steht für mich außer Zweifel. Jetzt fasst die Industrie nach und möchte gleich einmal 200 Millionen Euro an Vergütungen für die Energiepreiserhöhung lukrieren). Am anderen Ende Österreichs wurden die Gewerbetreibenden zu Inseraten im ÖVP- Wirtschaftsblatt genötigt. Der Landeshauptmann von Vorarlberg, Markus Wallner, wusste nicht, dass die Einkünfte aus Werbeeinnahmen zu versteuern sind. Die Kohle – ca. 1 Mio. Euro – wurde direkt an die Partei durchgereicht. Und das vermutlich nicht erst seit gestern.                    

Michael Stadler hat einen Tischlereibetrieb in Lauterach und war Innungsmeister. Er sagt im ORF, dass man einmal im Jahr vom Obmann des ÖVP- Wirtschaftsbundes „penetriert“ wurde, um in der Zeitung des ÖVP- Wirtschaftsbundes zu inserieren. Er hätte gewusst, dass er um 3000 Euro keinen Mehrwert für die Tischlerinnung erhält, sondern, dass es um eine Parteispende ging und das sei ihm 20 Jahre lang im Magen gelegen. Man hätte nicht widersprochen, da man offensichtlich Nachteile für den eigenen Betrieb fürchtete. Stadler hat am Morgen nach seinem Fernsehauftritt eine Mail vom Finanzamt bekommen. Ein Lohnabgabenprüfung wurde angekündigt. Stadler glaubt nicht an einen Zufall. Seien wir ehrlich, wir haben so etwas wie ein Mafiaproblem. Sie sitzen überall und haben Macht und Einfluss. Und nutzen das geschickt für ihre Zwecke. Ob es ein Posten in der Verwaltung, eine Widmung für ein Grundstück oder eine kleine Hilfe beim Steuerakt ist, wenn Du uns hilfst, helfen wir Dir, eine Hand wäscht die andere. Nur dass man zu Schutzgeldzahlungen halt Inserate sagt und, dass man keinen abgeschnittenen Pferdekopf im Bett findet, wenn man nicht spurt, sondern das Finanzamt plötzlich eine Betriebsprüfung macht.

*Die Infos stammen vom Handy des Herrn Kloibmüller. Aus den Chats geht hervor, dass sich die ÖVP um eine Gegenkandidatin oder einen Gegenkandidaten gekümmert haben soll und auch der damalige Innenminister Wolfgang Sobotka damit befasst war. Was Kloibmüller von der Idee halte, Jelinek gewähren zu lassen und sich dafür vom damaligen Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) einen Wunsch erfüllen zu lassen? Kloibmüller dachte selbst eine Zeit lang über einen Deal nach, hielt den dann offensichtlich aber nicht für notwendig: „Aber wie ich gesehen habe, dass wir unseren Mann durchbringen, dachte ich, den Sozen zu zeigen, wo der Hammer hängt.“                                    

  Sobotka und Marsalek in Moskau. Ein Bild wie ein Geständnis –

Armin Thurnher – FALTER.at  Wolfgang Sobotka – ein Spekulant? |

Die Presse.com                                                               

Macht euch die Erde untertan

Der Mensch hat ein Raubtiergebiss und einen Darm, der in seiner Länge in etwa zwischen der Länge von reinen Pflanzenfressern und der von Fleischfressern liegt. Somit ist der Mensch in der Lage sowohl pflanzliches als auch tierisches Eiweiß, Fett und Zucker zu verwerten. Anders als bei reinen Fleischfressern, die große Stücke schlucken können, müssen wir alles gut kauen und ein Enzym im Speichel hilft uns, pflanzliche Stärke schon beim Kauen abzubauen. Während reine Fleischfresser Vitamin C selbst bilden können, sind wir auf die Zufuhr des Vitamins mit der Nahrung angewiesen, weil wir auf Grund der Pflanzennahrung im Lauf der Evolution auf die Eigenproduktion verzichten konnten.  Kurz und gut, wir sind Allesfresser. Das ist die biologische Tatsache.  Davon unberührt sind ethische Fragen, die sich der Mensch erst seit einem gewissen Grad der Hirnentwicklung und dem damit verbunden Bewusstsein seiner eigenen Rolle in der Welt, stellen kann. Dazu gehört die Frage, ob es legitim ist, Tiere zu essen.  Die Bibelstelle aus der Genesis:  Macht euch die Erde untertan und herrschet über die Fische des Meeres, die Vögel des Himmels, über das Vieh und alles Getier, scheint diese Frage vorab, zumindest für die westliche Welt, oft synonym für das christliche Abendland, beantwortet zu haben. Fast alle Religionen kennen Regeln und Gesetze zum Töten und Verzehren von Tieren. Das geht vom totalen Tabu bis zu: alles ist möglich. Es gibt keinen gemeinsamen Nenner oder eine gemeinsame ethische Stellungnahme zu diesem Thema.  Jeder muss es für sich entscheiden und viele tun dies auch heute ganz bewusst in die eine oder andere Richtung.   Was wir aber gemeinsam ändern müssen, ist   der respektlose und achtlose Umgang mit Tieren.                                                                                                                                             

 Im Gegensatz zu reinen Fleischfressern und reinen Pflanzenfressern haben wir uns hinsichtlich Ernährung also an unterschiedliche Gegebenheiten angepasst. Wohl einer der Gründe für unsere Erfolgsgeschichte. Denn für die Entwicklung eines dermaßen großen Gehirns war die Aufnahme bestimmter Nährstoffe wie Phosphor und Eisen, die in Fleischnahrung wesentlich reichlicher vorkommen als in Pflanzen, von essenzieller Bedeutung.  Erst vor etwa zwei Millionen Jahren beschleunigte sich das Wachstum unseres Gehirns dramatisch. Das Gehirn des damals lebenden Homo habilis nahm ungefähr 600 Kubikzentimeter ein. Der Homo sapiens vor 190 000 Jahren brachte es   schon auf etwa 1400 Kubikzentimeter. Diese Entwicklung ließ den Menschen zu dem werden, was er heute ist. Heute ist er vor allem ein Vielfresser. Zumindest die Menschen in der „westlichen Welt“* verbrauchen pflanzliche, aber vor allem tierische Produkte in einem Ausmaß, das eigentlich nicht verantwortbar ist. Einerseits verwenden wir einen Teil der durch unseren Bauwahn immer kleiner werdenden lokalen Ackerbauflächen zur Produktion von Futtergetreide, um in erster Linie Millionen von Rindern, Schafen, Schweinen und Geflügel damit zu füttern und andererseits beziehen wir zu diesem Zweck Nahrungs- und Futtermittel – vor allem Soja und Palmöl- aus Ländern wie Brasilien oder Indonesien. Dort wird zum Erschließen von Anbaufläche der tropische Regenwald vernichtet. Das Absurde ist, dass wir von den damit gefütterten Tieren einen nicht unwesentlichen Anteil wegwerfen. Der Überfluss ist so groß, dass wir unzählige Tonnen Fleisch nach Ablauf der Lagerzeit vernichten. 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel werden pro Jahr vernichtet, das sind 2400 Tonnen pro Minute. Nahezu jedes dritte Rind, das großgezogen und geschlachtet wird, landet in der Mülltonne.

Der amerikanische Naturkundler und Schriftsteller Henry Beston hat in seinem Buch „Das Haus am Ende der Welt“ geschrieben: „Tiere sind nicht unsere Brüder und auch nicht unsere Untertanen, sie sind Wesen mit Sinnen, die wir verloren oder nie entwickelt haben. Sie hören auf Stimmen, die wir weder hören noch verstehen würden, wenn sie sprechen könnten. Sie sind eine andere Nation, die mit uns gefangen ist im Netz des Lebens und der Zeit, Mithäftlinge im Rausch und im Leid des Lebens“.

*Man beachte diese Zuordnung: Der Begriff „westliche Welt“, zu der vereinbarungsgemäß auch die nördliche Welt gehört, determiniert eine Abgrenzung zu einer östlichen oder einer südlichen Welt. Demnach scheint es nicht die Welt schlechthin zu geben, sondern Einzelfälle mit differenten Entwicklungen. Hier die westliche Welt, dort die Versager, die nicht in der Lage sind, für sich selbst zu sorgen und deshalb Hunger leiden. Wir haben vergessen, dass die westliche Welt, allen voran Europa und Amerika, diese östlichen und südlichen Territorien seit Jahrhunderten mit Gewalt und Terror überzogen und ausgeraubt hat.

Bauernladen.at

Es ist so weit. Derzeit kennt jeder jemanden, der an Corona erkrankt ist. Zwei grüne Gesundheitsminister wurden zwischen dem Anspruch, richtig und evidenzbasiert zu handeln, und den türkisen Entscheidungen, die ausschließlich von den Interessen der Wirtschaft bestimmt wurden, zerrieben. Der neue Gesundheitsminister ist schon gescheitert noch bevor er angelobt wurde. Die Wissenschaftskommission GECO hat keinerlei Bedeutung und wird lediglich dazu benutzt, der Öffentlichkeit vorzugaukeln, dass die ständig wechselnden, chaotischen Verordnungen nach Gesichtspunkten der medizinischen und wissenschaftlichen Notwendigkeit getroffen würden. Der Unterrichtsminister steht überhaupt auf dem Standpunkt, dass die wissenschaftliche Expertise überbewertet wird und macht seine eigene Coronapolitik für die Schulen. Sonst macht er nichts.                                                                                                                              

 Die neuesten Chats zwischen Sebastian Kurz und dem Unternehmer Sigi Wolf zeigen eines überdeutlich: Die Wirtschaft hat sich mit Millionenspenden eine willfährige Regierung gekauft, die ausschließlich das tut, was ein paar sehr reiche Leute in Österreich wollen. Nehammer setzt das fort, was Kurz begonnen hat. Er ist nicht ganz so schleimig wie sein Vorgänger, was beim naiven Publikum allenthalben den Eindruck erweckt, er sei besser, obwohl er schon als Innenminister Gelegenheit hatte, seine Inkompetenz zu beweisen. Aber sein segensreiches Wirken rund um das Attentat in Wien und das Leugnen jeglicher Verantwortung der ÖVP, die wichtige  Posten im Staatsschutz jahrelang mit inkompetenten Parteigenossen besetzt hat, ist wohl schon wieder in Vergessenheit geraten.

Das alles ist  auf Grund des Krieges in der Ukraine in den Hintergrund getreten. Wenn trotzdem Zeit bleibt für einen kurzen Blick auf das innenpolitische Geschehen, dann stolpert man in allen Bereichen und in allen Bundesländern über eine sagenhafte Inkompetenz und Fahrlässigkeit. Ob es die Querelen in der Justiz sind, die nach wie vor Ermittlungen gegen ÖVP Mitglieder erschweren, oder die durchgehende Sabotage des Untersuchungsausschusses durch Sobotka. Ob ein Landeshauptmann meint, niemand hätte ahnen können, dass die Anzahl der Infizierten ansteigt, wenn man die Maßnahmen zurücknimmt, oder ein anderer um viele Millionen  Euro gleich  zwei neue Stadien  für zwei Fußballvereine bauen lässt, obwohl die Sache mit dem Eigenkapital der Vereine nicht geklärt ist und eine gravierende Planänderung nach Baubeginn den Landesrechnungshof in Alarmstimmung versetzt.                                                                                                    Da ist das plötzliche Interesse an der kostspieligen Aufrüstung des Bundesheeres. Die Kosten hat die Verteidigungsministerin schon  im Kopf durchgerechnet, noch bevor die Ministerkollegen etwas davon wissen. Da geht es wieder um Milliardenbeträge und hohe Provisionen, die in Parteikassen und in den Taschen dubioser Vermittler verschwinden werden. Dazu kommt eine personalintensive Umstrukturierung der Führungspositionen, die man mit Parteigünstlingen besetzen kann. Dass bei solchen Deals auf keinen Fall ein Benefit für den Staat herauskommt, sollte das Beispiel der Gesundheitskassen zeigen. Statt der von der ÖVP großartig angekündigten und versprochenen Patientenmilliarde durch Einsparungen sind bis jetzt nur 67 Millionen jährliche  Mehrkosten für zusätzliche Posten entstanden und an der Besserstellung von Lehrern, Beamten und Bauern im Gesundheitssystem hat sich nichts geändert. Bin gespannt, wann die Österreicher endlich realisieren, dass sie für die ÖVP nur Nutzvieh sind und auch die Melkmaschine noch selber bezahlen.

Eingreiftruppe

Bei einer Eingreiftruppe handelt es sich dem Namen nach um eine Truppe, die Eingriffe durchführt. Da der Heeresverband, den die EU gerade im Windschatten des Ukraine-Krieges aufstellt, nur 5000 Mann umfasst, kann es sich nur um kleine Eingriffe handeln. Heute wurde das in allen Medien bekanntgegeben, auch dass Österreich natürlich bei dieser Eingreiftruppe dabei ist und die Neutralität dadurch in keiner Weise gefährdet ist, hat man erfahren. Allerdings hat man verabsäumt zu erklären, warum ein neutraler Staat, der sich einem Heeresverband nicht neutraler Staaten anschließt, damit die Neutralität nicht verletzt.                                                                                                 

 Auch darüber, wo genau die eilig gegründete Truppe eingesetzt werden soll, hat man uns bis jetzt im Unklaren gelassen. Und auch wer das Kommando hat, wer ein etwaiges Eingreifen dieser Eingreiftruppe, die immerhin auch von unserem Geld bezahlt wird, befiehlt, dürfen wir nicht wissen.  Das Eingreifen in einen bewaffneten Konflikt, erscheint bei einer schwer bewaffneten Eingreiftruppe am wahrscheinlichsten. Auch als Instrument einer kolonialen Macht wäre sie geeignet, um zum Beispiel für Europa wichtige Rohstoffquellen in Afrika  zu schützen. Aber wie gesagt, wir wissen nicht, wozu die 5000 Elitesoldaten zur Verfügung stehen sollen. Insgesamt geht es in der EU, die als Friedensprojekt gegründet wurde (man hat bei keiner Gelegenheit vergessen das zu betonen)  jetzt wieder ans Hochrüsten. Hat man aus der EU bis dato Waffen sowohl an Russland als auch an die Ukraine, aber auch an jeden beliebigen Möchtegernpotentaten der Welt geliefert, so ist plötzlich die eigene Hochrüstung wieder im Brennpunkt des Interesses. Natürlich…. Russland….. der Aggressor…! Grund genug, sich für einen Weltkrieg vorzubereiten und die Rüstungsindustrie wieder einmal auf Hochtouren laufen zu lassen. 100 Milliarden Euro wollen alleine die Deutschen investieren und unsere eloquente Bauernkammer-Verteidigungsministerin  stößt umgehend ins selbe Horn. Und der ÖVP Finanzminister sieht die Notwendigkeit für den Ankauf größerer Mengen Kriegsmateriales ebenfalls gegeben. Jahrelang hat man sich damit zufriedengegeben, dass nicht einmal der eigenen Luftraum konsequent überwacht werden kann, weil die Eurofighter, sobald es dunkel wird, im warmen Hangar bleiben müssen. Aber jetzt wird das dank Tanner anders. Die Liechtensteiner Polizei kann sich warm anziehen. Die Militärs bekommen leuchtende Augen und die Waffenproduzenten Orgasmen.  Rüstungsporno ist angesagt. Rüstungskonzerne und PolitikerInnen – speziell in Österreich – immer schon eine unheilige Allianz.  Plötzlich ist alles gerechtfertigt. Wozu für Frieden einstehen, wenn man Krieg haben kann und die Gelegenheit selten günstig ist, solange sich die Bevölkerung Europas  von den Russen bedroht fühlt. Dazu kommt, dass man für eine Weile die leidige Umweltproblematik ignorieren kann. Wenn interessiert es, dass die Temperatur am Südpol für die Jahreszeit um 40 Grad zu hoch ist, wenn man dem militärisch industriellen Komplex der westlichen Welt etwas Gutes tun kann. Wenn plagt der Gletscherschwund, wenn man mit Kampfhubschraubern über die Alpen fliegt? Wenn kümmert der Anstieg des Meeresspiegels, wenn man Hyperschallraketen hat?

Während sich die Menschheit in einer immer wiederkehrenden geistigen Umnachtung allenthalben auf Kriege gegen die eigene Spezies vorbereitet und wertvolle Ressourcen in eine neue Rüstungsspirale steckt, aktiviert der Planet Erde sein Immunsystem. Und wie bei jedem Infekt steigt zuerst die Temperatur.

Die Lust am Töten.

Wenn man die Geschichte der Neuzeit betrachtet, so ist die nicht gerade langweilig. Sie ist eine ununterbrochene Abfolge von Genoziden, Weltkriegen und kolonialen Massakern. Es waren Jahrhunderte der Unmenschlichkeitsrekorde, und zwar von den technisch am weitesten fortgeschrittenen Nationen. Denken wir an den Genozid, der an den amerikanischen Ureinwohnern verübt wurde, an die kolonialen Verbrechen in Afrika durch Deutsche, Franzosen, Belgier, Holländer, Italiener, Portugiesen und Engländer. Erinnern wir uns an die mörderischen Kolonialkriege in China, Indien, Afghanistan und den Philippinen. Denken wir an den ersten und zweiten Weltkrieg, an den Holocaust und die Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki. Wie ist das alles zu erklären und zu verstehen? Warum führt der Homo sapiens sapiens Krieg, obwohl er doch ständig beteuert, wie wichtig ihm der Frieden ist, und jede Nation von sich behauptet nur friedliche Absichten zu haben. Aus friedlichen Absichten kann doch kein Krieg entstehen.                                                                                                                

Nationen, die selber für die irrsinnigsten Angriffskriege verantwortlich waren und noch vor kurzem die ungeheuerlichsten Kriegsverbrechen begangen haben,  geben sich jetzt empört über den Angriffskrieg der Russen auf die Ukraine. Die Russen  sind selber im Lauf der Jahrhunderte immer wieder angegriffen worden. Von den Mongolen, von Napoleon, vom deutschen Kaiser im ersten Weltkrieg und von Hitler im zweiten Weltkrieg. Und auch der kalte Krieg – die atomare Bedrohung durch die Amerikaner – hat seine Spuren hinterlassen.  Das hat dazu geführt, dass ihr Bedürfnis nach Sicherheit paranoide Züge angenommen hat, die durch die Nato – Umzingelung gerade wieder einmal auf dem Höhepunkt sind.  Zusammen mit einem Mann, der sich als neuer Zar gebärdet, eine tödliche Kombination für ihre leidgeprüften Nachbarn, die Ukrainer.

Man sollte meinen, so etwas ließe sich unter erwachsenen Menschen in Verhandlungen  ausdiskutieren.  Aber dem ist nicht so. Es muss Blut fließen. Als wäre da eine Bestie im  kollektiven Unbewussten, die nur unzureichend vom Intellekt kontrolliert wird und wieder und wieder an die Oberfläche drängt. In Wahrheit sind wir wohl eine mörderische Bande, die ihre Lust am Töten hinter den immer gleichen fadenscheinigen Argumenten verbirgt. „Kampf für die Freiheit“ nennen das derzeit wieder zehntausende Söldner, die sowohl in der Ukraine als auch in Russland freiwillig Krieg spielen. Ähnlich wie im Kosovokrieg stürzen sich Männer aus der ganzen Welt in dieses Abenteuer und verklären ihre Mordlust mit dem Begriff des Freiheitskämpfers. Krieg heißt töten und darum geht es ihnen. Und keiner fühlt sich im Unrecht, jeder kämpft für die gerechte Sache, fürs Überleben des eigenen Volkes oder die Befreiung der Unterdrückten.*1

Der Wahnsinn wird auch greifbar, wenn man die Informationen – soweit man ihnen trauen kann – über Putins Entscheidung zum Krieg gegen die Ukraine heranzieht: Angeblich hätte der russische Geheimdienst ermittelt, dass die Ukrainer durch die Bank prorussisch denken und nur auf ihre Befreiung vom faschistischen Joch durch die Russen warten. Und Putin, der Autokrat in seiner geistigen Isolation, hätte das nur zu gerne gehört, weil es zu seinem Traum von der Größe Russlands   passte. Irgendwann hatte dann niemand mehr den Mut, ihm zu sagen, dass die Ukrainer doch ihren eigenen Weg gehen wollen. Das ist so absurd, dass es wahrscheinlich wahr ist.  Aus dem geplanten Blitzkrieg ist jetzt ein Stellvertreterkrieg zwischen Russland und der Nato geworden, der sich über Monate auf dem Staatsgebiet der Ukraine  hinziehen wird. Inwieweit der Westen bei der Planung dieses Szenarios beteiligt war, werden wir erst in Jahren erfahren*2.                                                  

Die Amerikaner haben gerade beschlossen, Kampfdrohnen der Marke Switchblade zu liefern, das Modernste und Tödlichste, was sie an konventionellen Mitteln vorrätig haben. Für den Nachschub an Waffen ist also gesorgt. Ganz Europa schickt Kriegsmaterial. Die Russen werden ihr blaues Wunder erleben. Das Töten wird weiter eskalieren und ein vollkommen zerstörtes Land und tausende Tote hinterlassen. Möglicherweise kommt es sogar zum Einsatz taktischer Nuklearwaffen. Und das alles für Nichts, für eine vage Idee von Irgendwas, für einen biochemischen Zustand in einem Gehirn.

 Menschen haben seit jeher Überzeugungen getragen und abgelegt wie alte Kleider. Die subjektiven politischen Wahrheiten die zur Rechtfertigung von Kriegen herangezogen werden, sind letztlich alle absurd.  Nationalismus, religiöse Überzeugungen – Glaubensfragen, rassistische und  vielfältige andere Gründe, bis hin zur Behauptung, dass der Krieg nur der Demokratie zum Durchbruch verhelfen soll, waren nichts anderes als dem Zeitgeist entsprechende Lügen. Eine Maskerade, die die  Wahrheit verschleiern soll. Einmal ein luftiges, demokratisches Fähnlein, dann ein strenges Korsett aus derbem Leder mit festen Schuhen, die durch die Straßen hallten, und übermorgen Hermelin und Straußenfedern. Es war beliebig, was man trug, zu jeder Zeit. Die Angst dahinter, war die Angst vor dem Anblick der eigenen Nacktheit. Das nackte, das gemeine, das mörderische  Tier, das zu sein sich alle schämen, muss gebannt werden, und dazu dient die Maskerade. Die pelzverbrämten Mäntel, die Uniformen und Abzeichen, die Soutanen und die dunkelgrauen Anzüge, ebenso wie die schwarzen Kapuzen über den Köpfen der Henker und die Kronen auf den gesalbten Häuptern, sie verbergen die einzige Wahrheit: Die Menschen sind mordgierige Bestien und haben seit jeher Angst voreinander! Der Vater ist vor den eigenen Kindern nicht sicher, so wie diese nur allzu leicht Opfer seiner Verblendung wurden. Der Mann war der Frau seit jeher ein unverständiger Feind, nur durch die Lust an sie gekettet, wofür er sie umso mehr hasst. Die unzähligen Frauenmorde im zivilisierten Land Österreich sprechen eine deutliche Sprache. Die Sippen, in einer immerwährenden Vendetta begriffen, schließen nur Allianzen, wenn die Angst vor einem größeren Feind sie dazu zwingt, und die Völker stehen sich mit Argwohn und Hass gegenüber. Und je größer und berechtigter die Angst voreinander ist, umso grausamer und brutaler sind die Herrscher, die man wählt. Das Wissen um die nackte Bestie hinter der Verkleidung ist das bestgehütete Geheimnis der Menschheit. Ein Schrecken, den man nur indirekt erwähnt, den man durch die Umschreibung neutralisiert. Im Krieg, beim systematischen Mord, spricht man von Ehre und Mut, statt von der Lust am Töten zu reden, und von Sicherheit wenn man nachts die Häuser versperrt, statt von der Angst, die einen nicht schlafen lässt. Die Mörder sind mutige Kämpfer für die Gerechtigkeit, und die Opfer immer und ausnahmslos für die Gerechtigkeit gestorben.

Sogar die Liebe ist ein Mummenschanz und die Nächstenliebe eine Phrase, denn die Angst voreinander wiegt schwerer, und niemandem gelingt es wirklich, seine Feinde zu lieben.

Söldner: Töten für viel Geld | Nachrichten.at

https://www.derstandard.at/story/2000133753411/internationales-freiwilligenheer-und-putins-soeldner-ziehen-in-den-krieg

https://www.derstandard.at/story/2000133922346/was-hinter-den-mutmasslichen-austro-jihadisten-im-ukraine-krieg-steckt

*1 aus verlässlicher Quelle weiß ich, dass in den wiener Armyshops kugelsichere Westen derzeit ausverkauft sind. Und die Käufer sind sicher nicht nur Ukrainer sondern auch testosterongesteuerte Österreicher, denen nicht bewusst ist, dass sie neben ihrem Leben auch die Staatsbürgerschaft verlieren, wenn sie als Angehörige eines neutralen Staates für eine fremde Armee kämpfen.

*2 Ich denke dabei an den Krieg in Kuweit. Am 25. Juli 1990 empfing Iraks Diktator Saddam Hussein die US-Botschafterin April Glaspie in Bagdad. Angesichts der Truppen, die Saddam bereits an der Grenze zu Kuweit konzentriert hatte, sagte sie: „Wir haben keine Meinung zu arabisch-arabischen Konflikten wie Ihren Grenzstreitigkeiten mit Kuwait. Das war für Saddam Hussein der Hinweis, dass Amerika nicht einschreiten würde. In Wahrheit der Weg zum ersten Golfkrieg. Etliche Politologen gehen davon aus, dass man ihn damit ganz bewusst in die Falle gelockt hat. Ähnlich die Aussagen zum absehbaren Angriff auf die Ukraine: Die Nato wird nicht eingreifen. Jetzt liefern NATO- Staaten Waffen auf Teufel komm raus und zigtausende Söldner, unter anderem aus Amerika, nehmen an den Kämpfen teil.

Bericht von jenseits des Äquators

Vor mehr als 25 Jahren war ich zum ersten Mal im Inselarchipel der Malediven. Der Tauchsport begann damals gerade sich auszubreiten und neben den Wagemutigen auch die normalen Touristen zu erreichen. Damals waren die Riffe überall von unglaublicher Schönheit. Hart- und Weichkorallen, Gorgonen und Schwämme bildeten unterseeische Großstädte, die von einer unbändigen Fülle  von Lebewesen bevölkert waren. Und ähnlich wie in einer Großstadt konnte man als Taucher eine unglaubliche Betriebsamkeit beobachten. Die Anzahl unterschiedlicher Arten, aus denen diese Biotope zusammengesetzt waren, schienen unüberschaubar. Zwei Jahre später hatte ein ausgeprägter El Nino* für eine Wassererwärmung gesorgt und die oberen Korallenbänke waren zu unserem Entsetzen ausgebleicht und abgestorben. Wiederum zwei Jahre später hatten sich die Riffe zum Teil schon wieder erholt. Die Umweltproblematik wurde noch kaum thematisiert. Seither ist es zu einer kontinuierlichen Erwärmung der Meere gekommen. Das, was damals der El Nino auslöste, ist jetzt ein Dauerzustand und es wird schlimmer. Jetzt sind an vielen Stellen die Anzahl der Korallen und damit verbunden die der Riffbewohner drastisch zurückgegangen. In weiten Bereichen schwimmt man über Trümmerfelder. Dort, wo noch vor Jahren eine unfassbare Vielfalt herrschte und jeder Zentimeter Riff bewohnt war, schwimmen ein paar Doktorfische und Papageienfische über Kalkwüsten auf denen einzelne Tischkorallen übriggeblieben sind. Es sieht aus, wie eine ausgebombte Stadt, in der nur noch die Alten und Kranken zurückgeblieben sind und es ist erschütternd zu sehen, wie sich hier auf dem zerstörten Grund tausende braune Mönchsfische zu ihrem Paarungsritual versammeln, wie sie es seit Jahrtausenden tun. Sie wissen nicht, was ihren Nachkommen droht.

  Tropische Korallenriffe bedecken weniger als 0,1 Prozent des weltweiten Meeresbodens. Nichtsdestotrotz beherbergen sie mindestens ein Viertel aller bislang bekannten Arten des Meeres. Diese Vielfalt resultiert daraus, dass Korallen im Zuge ihres Wachstums riesige Kalkstrukturen bilden, in deren vielen Höhlen, Gängen und Nischen wieder hunderttausende andere Meereslebewesen Nahrung und Schutz finden. Zu den Nutznießern der Riffe zählt aber auch der Mensch. Weltweit profitieren mehr als 500 Millionen Menschen aus 90 Ländern von den Ökosystemleistungen der Korallenriffe. Sie fischen in den Riffen, erholen sich beim Tauchen, leben vom Rifftourismus, vertrauen darauf, dass die Korallenbauten Wellen brechen und die Küsten schützen. Weltweit aber sterben die Korallenriffe. Mindestens die Hälfte von ihnen ist bereits verloren, aus regional unterschiedlichen Gründen. Auch hier im ehemaligen Taucherparadies sind die Ursachen erkennbar. Beim Apnoetauchen auf einer kleinen Insel im Gaafu Alif Atoll schwimmt man vom schneeweißen Strand  bis zum Hausriff über weite Felder von Trichteralgen. Sie sind ein typisches Anzeichen der Überdüngung. Jedes Jahr machen zigtausende Menschen, vorwiegend aus Europa, hier ihren Cluburlaub mit allem Komfort. Das Trinkwasser kommt aus einer Meerwasserentsalzungsanlage und die Abwässer… ? Tonnen von Fäkalien müssen wohl oder übel ins Meer geleitet werden. Der Tourist zerstört das, was er sucht, indem er es findet. Ich nehme mich davon nicht aus.

Die Temperaturkurve des Weltozeans steigt, solange die globale Erwärmung anhält. Diese Gewissheit beruht auf der Tatsache, dass der Ozean den wirkungsvollsten Wärmespeicher im Klimasystem der Erde darstellt. Seit den 1970er-Jahren haben die Meere mehr als 90 Prozent jener Wärmeenergie aufgenommen, die auf menschengemachten Treibhausgasemissionen beruht, und haben sie in immer größere Tiefe eingelagert. Dadurch haben die Ozeane den Anstieg der globalen Oberflächentemperatur maßgeblich gebremst und spürbare Veränderungen des Erdklimas hinausgezögert. Erst wenn die Wassertemperaturen nicht weiter ansteigen oder aber sogar wieder sinken, kann die Menschheit von einem echten Erfolg im Kampf gegen den Klimawandel sprechen.* Die Erwärmung der Ozeane zieht dramatische Veränderungen nach sich: Die Wassermassen dehnen sich aus, sodass die Meeresspiegel steigen und vor allem in den Tropen Küstenabschnitte mit Abermillionen Einwohnern bedrohen. Vor allem jene Menschen, die am wenigsten zur Erderwärmung beitragen. Gleichzeitig verliert der Ozean sein Lebenselixier Sauerstoff, weil wärmeres Wasser weniger Gase speichert als kaltes, Strömungen an Kraft verlieren und die windgetriebene Durchmischung durch eine stärkere temperaturbedingte Schichtung des Wassers abnimmt. Extremereignisse wie marine Hitzewellen treten häufiger auf. Parallel dazu verändert sich die Meereschemie: Seit Beginn der Industrialisierung haben die Weltmeere etwa ein Viertel der vom Menschen verursachten Kohlendioxidemissionen aufgenommen. Infolgedessen ist der pH-Wert des Ozeans gesunken und das Meerwasser versauert, wodurch sich die Lebensbedingungen insbesondere für Meeresorganismen mit Kalkschalen und -skeletten verschlechtert hat.

Bei einem Transfer zum Inselflughafen Koodoo mache ich am winzigen Hafen der Insel einen Spaziergang. Das Ufer ist übersät mit Plastikmüll. Die flachen Strände sind voll mit Einwegflaschen, Plastiksandalen, Plastiksäcken und ähnlichem. Es hat keinen Sinn, sie wegzuräumen, es werden täglich neue angeschwemmt. Das Gleiche habe ich auf den Philippinen und auf Neuguinea gesehen. Millionen Tonnen Plastik schwimmen im Meer und jedes Jahr kommen Millionen Tonnen dazu.

Derzeit produziert die Welt zwei Mal so viel Treibhausgase wie Meer und Wälder absorbieren können und alleine die Menschen in der westlichen Welt verbrauchen pro Jahr 1,5-mal so viele Ressourcen wie nachwachsen können. Wir wollen uns aber nicht beschränken. Das Wirtschafts- und Produktionswachstum können wir nur aufrechterhalten, wenn wie weitermachen wie bisher. Das führt zu einer weiteren Überfischung der Weltmeere, zu Bodenverlust und Abholzung der Regenwälder. Davon abgesehen wären wir schon lange in noch größeren Schwierigkeiten, wenn es nicht gelungen wäre, durch Kunstdünger und Pestizide die Böden weit über ihre natürlichen Kapazitäten hinaus auszubeuten. Aber alles, was wir an Überschüssen erzielen, verbrauchen wir auch gleich wieder oder verfüttern Nahrungsmittel an Kühe, Schweine, Hühner und Schafe, die wir essen. Der Anstieg des Meeresspiegels wird nicht nur die Inseln im Pazifik und im indischen Ozean, die meist nur wenige Meter über dem Meeresspiegel liegen, treffen. Die Anbaufläche pro Kopf wird dadurch weltweit verringert und das bei ständig steigender Weltbevölkerung. Zusätzlich haben wir die Meere ausgeplündert und viele Arten bereits ausgerottet oder dermaßen reduziert, dass  ihr Überleben in Frage gestellt ist.     Wir töten ca. 73 Millionen Haie jährlich, also 139 pro Minute.   Sie werden meist als Beifang bei der Langleinenfischerei, bei der bis zu 130 Kilometer lange und mit bis zu 20000 Haken versehene Angelschnüre ausgelegt werden, getötet und wieder ins Meer geworfen.  Als Köder wird vielfach das Fleisch von Delfinen verwendet. Chinesische Fangschiffe schneiden den Haien bei lebendigem Leibe nur die Flossen ab und werfen sie wieder ins Meer.                                              

 Der vorgegaukelte Ausweg der Elektromobilität oder der Wasserstofftechnik erinnert an einen Patienten mit metastasierendem Lungenkrebs, der sich rasch noch das Rauchen abgewöhnen will.  Wir tun alle so, als würde das Fest ewig andauern und hoffen wie die kleinen Kinder, dass irgendwer alles regeln wird – dass nicht wir das tun müssen, dass nicht wir auf  unseren Komfort verzichten müssen. Die Verdrängung geht so weit, dass wir glauben, wir könnten mit technischen Mitteln einen zerstörten Planeten ersetzen. Immer noch fordern meist eitle, aggressive alte Männer, dass der Umweltschutz die Wirtschaft nicht gefährden darf. Gerade jetzt im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine fordern diese Verbrecher, dass der Staat Geld für die erhöhten Energiekosten der Industrie herausrücken soll, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Und in Deutschland frohlockt die Rüstungsindustrie über das 100 Milliarden- Budget, dass Olaf Scholz versprochen hat. Gleichzeitig wird ein großzügiges Vorgehen bei den CO2 Flottenbilanzen der Autoindustrie angekündigt und in Österreich verlangen Industrielle die eben eingeführte, vollkommen unzulängliche Co2 Steuer gleich wieder zu Grabe zu tragen. Die Welt befindet sich in einem Wettlauf direkt auf den Abgrund zu, aber keiner will sich eingestehen, dass niemand gewinnen kann. Wir werden alle verlieren.                                                                                

Die dramatischen weltweiten Veränderungen der Korallenriffe sind für die meisten Menschen nicht nachvollziehbar, weil sie sie nie zu Gesicht bekommen. Aber sie sind ein ziemlich präziser  Indikator für den Zustand der Welt. Ein junger Franzose, der mit uns unterwegs war, fand das, was von den Riffen der Malediven übrig ist, ganz toll, weil er nicht weiß, wie dass noch vor 25 Jahren ausgesehen hat. Meine Freunde die mit mir, seit bald 30 Jahren tauchen, haben den Ernst der Lage begriffen. Wir stehen direkt am Abgrund und nirgendwo, in keinem heiligen Buch, ist die Rede davon, dass die menschliche Art eine Garantie für oder einen Anspruch auf ihr Überleben hat. Auch wenn sie das derzeit noch zu glauben scheint.

* El Nino: Zwischen einem Hochdruckgebiet vor der Westküste Südamerikas und einem Tiefdruckgebiet vor der Ostküste Australiens zirkulieren in bestimmten Richtungen Winde, die sogenannten Passatwinde. Je nach Stärke des jeweiligen Druckausgleichs entstehen unterschiedliche Windgeschwindigkeiten. Parallel dazu kreisen kalte und warme Meeresströmungen. Die kalte Meeresströmung aus dem Süden wird Humboldtstrom genannt. Sie sorgt für ein ausgeglichenes Klima im Meer.

In einem El-Niño-Jahr bricht das Hoch zusammen. Dies geschieht immer im Südsommer, der heißesten Jahreszeit, und die ist auf der Südhalbkugel stets zur Weihnachtszeit. Durch den Zusammenbruch geraten die Winde außer Kontrolle und blasen teilweise mit erheblichen Geschwindigkeiten in entgegengesetzte Richtungen. Dadurch verändern sich auch die Meeresströmungen. Der Humboldtstrom wird abgeleitet und das Meer erwärmt sich mehr und mehr. Plankton und andere Meerestiere verenden.

*WOR7_de.pdf (worldoceanreview.com)

Eiszeit

Wir haben ein vordringliches Problem. Die Lösung dieses Problems wird darüber entscheiden, wie die Welt in hundert Jahren aussieht und ob sie noch lebenswert ist. Das Problem ist nicht der Schneesturm am Peloponnes oder die Waldbrände in Sibirien und Kalifornien.   Das Problem ist, dass die Menschheit in den letzten zweihundert Jahren gelernt hat, Materie zu manipulieren und zu beherrschen wie noch nie zuvor, aber in emotionaler und spiritueller Hinsicht absolut nichts dazu gelernt hat. In diesen Bereichen sind wir auf dem Stand des Tyrannen Phalaris von Akragas. Er ließ vom Künstler Perilaos im 6. Jhd. vor Christus einen bronzenen Stier entwerfen, in den er seine Gegner sperrte, um sie dann darin langsam zu rösten. Heute lassen wir zu diesem Zweck von unseren besten Wissenschaftlern Hyperschallraketen und Laserkanonen, atomare Mehrfachsprengköpfe und tödliche Chemikalien entwickeln.

Grönland ist die größte Insel der Erde. Grönland ist 2670 km lang und 1050 km breit. Das gesamte grönländische Inland ist von einem Eisschild bedeckt, der bis zu 3400 Meter dick ist. Er macht vier Fünftel der Landesfläche aus. Die eisfreien Küstenbereiche sind in der Fläche etwas größer als Deutschland. Es ist der zweitgrößte Eisschild des Planeten, nur übertroffen vom stellenweise mehr als 4700 m dicken antarktischen Eisschild. Durch die globale Erwärmung  ist das grönländische Inlandeis einem kontinuierlichen Abschmelzprozess ausgesetzt. Zwischen 2011 und 2014 verlor der Eisschild auf Grönland im Schnitt etwa 269 Mrd. Tonnen (ca. 293 km³) Eis pro Jahr. Der Massenverlust hat sich seit den 1980er Jahren versechsfacht. Wenn das gesamte Inlandeis Grönlands (2,85 Mio. km³) schmilzt, steigt der Meeresspiegel weltweit um 7,4 Meter. Von der Eislast befreit wird die Insel in ihren Zentralbereichen, die heute teilweise unter den Meeresspiegel gedrückt werden, um rund 800 Meter aufsteigen. Was wir dort derzeit erleben ist aber, dass die Gipfel der Eismassen absinken und dadurch in immer wärmere Luftschichten gelangen, wodurch sich der Abschmelzprozess dramatisch beschleunigt. Dazu kommt der Albedoeffekt –   das Eis wird dunkler – und das trägt ebenfalls zu einer Selbstverstärkung der Eisschmelze bei. Wir wissen das und jeder, der einigermaßen bei Sinnen ist, kann sich ausrechnen, was das für die Erde bedeutet. Küstenstädte unter Wasser, geologische Verschiebungen, Änderung der Richtung des Golfstroms, Millionen Menschen, die die Heimat verlieren etc. etc. Bei all dem ist das Abschmelzen der antarktischen Eismasse noch nicht mitberechnet. Der Pine-Island-Gletscher im Westen der Antarktis, der in die Amundsen-See fließt, verdünnte sich von 1992 bis 1996 um ca. 3,5 m pro Jahr und hat sich im gleichen Zeitraum um etwa 5 km zurückgezogen.  Auf der Antarktischen Halbinsel, dem einzigen Teil der Antarktis, der über den südlichen Polarkreis hinausragt, befinden sich hunderte zurückgehende Gletscher. Bis dato hat kein Land der Welt dem wirklich Rechnung getragen. Alles, was wir in dieser Hinsicht tun, sind halbherzige Entscheidungen und das Suchen der Schuld bei den Anderen,  getrieben von dem Glauben daran, dass neue Technik uns retten wird.                            

Jetzt gibt es Krieg in Europa.  Für alle unverständlich hat ein offensichtlich dem Cäsarenwahn verfallener Ex – FSB Agent die Lunte, die er schon vor geraumer Zeit gelegt hat, angezündet und droht dem Rest der Welt mit Atombomben.  Derzeit kann kein Mensch abschätzen, wie lange dieser Krieg dauern wird und ob die Ukraine womöglich über Jahre der Boden für einen Stellvertreterkrieg der großen Blöcke sein wird. Deutschland beschließt von heute auf Morgen 100 Milliarden Euro in die Rüstung zu investieren und andere Staaten werden nachziehen. Geld, das dem Umweltschutz ohne Frage fehlen und die umweltschädliche Produktion von Rüstungsgütern in einem unglaublichen Ausmaß antreiben wird.  Die Nato beschließt Waffen in die Ukraine zu liefern, damit die Russen, genauer gesagt Putin, aufgehalten oder zu einem Kompromiss gezwungen werden. Das wird die russischen Staatsfinanzen in Zusammenhang mit den Wirtschaftssanktionen in den Abgrund stürzen. Und vor allem – das kann dauern.  Russland wird gezwungen sein, gnadenlos seine Bodenschätze auszubeuten und die Temperaturen in Sibirien, die jetzt schon Höchstwerte erreichen, werden weiter steigen. Mit dem Effekt, dass der aus den auftauenden Permafrostböden gespeicherte Kohlenstoff in Form von Methan und Kohlendioxid freigesetzt wird. Die gesamte im Permafrost der Nordhalbkugel gespeicherte Menge wird auf etwa 1000 Gigatonnen geschätzt und die werden bei einem Auftauen des Permafrosts größtenteils innerhalb eines Jahrhunderts freigesetzt werden. Dadurch wird die regionale und globale Erwärmung verstärkt. Ein sich immer schneller drehendes Rad. Das ist das Problem, dem sich die gesamte Menschheit widmen müsste. Wir brauchen kein Ende der Eiszeit in Grönland, wir brauchen ein Ende der Eiszeit in den Köpfen der Menschen.

https://www.derstandard.at/story/2000133686789/weltklimarat-bisherige-anpassungen-an-die-klimakrise-sind-viel-zu-schwach?ref=nl

Hallo Wladimir,

sag was ist mit Dir nicht in Ordnung? Ich meine nicht körperlich – Du wirkst zwar in den letzten Wochen etwas aufgedunsen – aber das meine ich nicht, ich meine in erster Linie psychisch.  Bei allem Respekt und allem Verständnis für die Sicherheitsbedürfnisse Russlands oder Dein persönliches Befinden.  Ich denke Du und Deine Freunde, ihr habt doch schon alles. Die Reichtümer Russlands habt ihr unter euch aufgeteilt. Deine Freunde waren schlauer und haben ihre Vermögen krisensicher im Ausland investiert und ich glaube, dass viele von denen sogar so schlau waren, die vielen Milliarden so anzulegen, dass sie auch jetzt noch Zugriff auf ihre Kröten haben, zum Beispiel in der Schweiz.  Die haben auch Pässe aus Malta oder Cypern, auch aus Österreich, wo es Part of the Game war, für viel Geld und eine zusätzliche Parteispende eine Staatsbürgerschaft zu bekommen. Die können sich vermutlich im Großteil der Welt trotz Sanktionen frei bewegen. Aber Du sitzt dann allein in Moskau. Was tust Du in Zukunft als Geächteter? Immer nur Judo, Eishockey und Bärenjagen ist auch auf die Dauer langweilig. Geht es Dir ums Prestige, willst du eine coole Sau sein, ein bedeutender Staatenlenker, der die Leiden seines Volkes versteht und mit eiserner Faust die Sehnsucht der Russen nach einem Großreich erfüllt, um in die Geschichte einzugehen?  Letzteres wirst Du wohl oder übel. Aber als was?

Trotz der amerikanischen Warnungen vor einem Angriff auf die Ukraine habe ich Dich für einen guten Schachspieler gehalten. Von Michail Tschigorin und Akiba Rubinstein zu Nimzow und Allechin bis Boris Spaski, Kasparow und Anatoly Karpow und noch vielen anderen Großmeistern habt ihr Russen ja eine lange Tradition in dieser Disziplin und habt zahllosen Gegner das Fürchten gelernt. Auf dem Schachbrett. Für so einen habe ich Dich gehalten. Für einen, der viele Züge vorausdenkt und auf dem Schachbrett der Diplomatie Feld um Feld erobert, bis er die gegnerischen Stellungen umgangen hat und sein Ziel erreicht. Und wie einem Schachspieler aus der langen Tradition russischen Großmeister habe ich Dir zugetraut, dass Du ein Spiel auf hohem Niveau spielst, aber dabei immer auf der Ebene der diplomatischen Auseinandersetzung bleibst. Zugegeben, beim Schach da darf man schon einmal bluffen und Scheinattacken reiten, während man im Hintergrund seine Stellung ausbaut und die wahre Angriffslinie so lange verschleiert wie möglich. Der Bessere gewinnt und anschließend schüttelt man sich die Hände. Das haben offensichtlich auch die Ukrainer geglaubt. Menschen, die sich zwar in vielen Bereichen mit dem „russischen Brudervolk“ auf einer Linie und einer Ebene sehen, aber trotzdem nach dem Untergang der Sowjetunion beschlossen haben, eigene Wege zu gehen. Ohne Frage hatten sie ihre guten Gründe dafür und alles Recht der Welt, einen eigenen Staat zu gründen. Und die meisten Ukrainer haben bis heute Morgen geglaubt und gehofft, es geht um ein Schachspiel. Man wird sich wohl gedacht haben, dass Du genug hast, wenn Du die Ostprovinzen, die Du de facto sowieso schon hast, „befriedest“. So wie man einen Läufer opfert, um die Dame zu retten. Ich muss sagen, blauäugig wie ich bin, habe ich das auch geglaubt. Ich habe noch immer Deine Rede vor dem deutschen Parlament in Erinnerung. Damals hattest Du nicht nur meinen Respekt und Sympathie. Dein Friedensangebot, deine Hoffnung auf Zusammenarbeit mit dem Westen klangen glaubwürdig und ich frag mich, was ist seither geschehen, was ist mit Dir nicht in Ordnung? Verbirgt sich hinter Deiner Fassade ein mieser Charakter oder bist Du enttäuscht darüber, dass man dich nicht wirklich ernst genommen hat. Man hat zwar Geschäfte mit Dir gemacht – halb Europa hängt an Deinen Gasleitungen – aber so richtig dabei warst Du nie.  Grund dafür war, dass Du im eigenen Land einen Raubkapitalismus unter Deiner Führung zugelassen hast und mit Deinen Oligarchenfreunden die Beute teilst, während Du jeden Opponenten verfolgst oder umbringen lässt. Das spricht eher für den miesen Charakter und ist einer der Gründe, warum man Dich bisher nicht erst genommen hat. Und jetzt erweist Du dich erst recht als einer dieser bösartigen und furchterregenden alten Männer wie es viele vor Dir zum Unglück der Welt gegeben hat, mit einem Sendungsbewusstsein, das durch nichts weiter gerechtfertigt ist als durch einen religiös überhöhten Nationalismus.

Jetzt nimmt man Dich ernst. Du hast einen Krieg begonnen – für Dich nur ein Federstrich unter einen Befehl an die Armee, für alle anderen heißt es Blut vergießen, sterben, von Granaten in Stücke gerissen und von Kugeln durchsiebt werden. Das ist für die meisten zivilisierten Menschen im 21. Jahrhundert unverständlich, ja vollkommen indiskutabel. Du trittst damit ganz weit außerhalb jene Gemeinschaft, der Du so gerne angehören möchtest und reihst Dich mit diesem Angriffskrieg bei denen ein, die in der Geschichte als Verbrecher gelten.