Nous sommes unis!

Wenn in Syrien 120 Menschen sterben, ist uns das vollkommen egal, denn das geschieht fast täglich. Wenn mehr als 100 Kinderleichen in Lesbos angeschwemmt werden, lässt uns das nicht ganz kalt, aber wirklich betroffen sind nur wenige. Manche sind sogar so blöd, das Sterben im Mittelmehr mit den Worten „eine Seefahrt die ist lustig“ zu konterkarieren. Wenn im Libanon eine Bombe hochgeht, oder in Ankara – selber schuld! Aber unser geheiligter Boden darf nicht mit Blut besudelt werden. Dann ergreift uns eine Welle hecktischer Aktivität. Dann suchen wir Ziele die es zu vernichten gilt. Wir haben kein Mitleid nur Selbstmitleid. 9/11 war so ein Anlass, als der Krieg, den die Amerikaner schürten, ins eigene Land kam. Jetzt ist wieder so ein Grund gefunden. Natürlich ist dieser islamistische Fundamentalismus eine faschistische Denkweise, die Freiheit, Gleichheit, ja jegliches Menschenrecht und jegliche Menschlichkeit missachtet. Aber wer hat sie zu dem gemacht, was sie sind? Woher haben sie ihre Waffen und nach welchen Vorbildern funktionieren ihre taktischen Netzwerke? Wer hat die Taliban und Al Kaida gegen die Russen in Afghanistan ausgebildet, bewaffnet und ins Feld geschickt und wer unterstützt die fundamentalistischen, saudiarabischen Unterstützer dieser Ideologien?

Zur Ehrenrettung der Pädagogen

Die Lehrer sind sehr oft Zielscheibe des Spottes oder des Neides. Nichtsdestotrotz gehört der überwiegende Teil dieser Berufsgruppe zu denen in Österreich, die sich redlich mühen. Sie genießen nicht nur eine wissenschaftliche Ausbildung auf hohem Niveau, sondern die pädagogischen Akademien sind auch forschende Institutionen von nicht unbedeutendem Rang. Das ist eine Tatsache, die der Bevölkerung leider entgeht. Allerdings machen die Akademien kaum Aufhebens davon, sie stellen ihr Licht unter den Scheffel. Lehrer sind eben bescheiden. Vielleicht steht dahinter die Erfahrung, dass sie sonst noch mehr Neid auf sich ziehen. Allerdings ist es fatal, wenn Politiker die Erkenntnisse der Wissenschaft einfach ignorieren und Wissen durch Glauben oder im konkreten Fall durch dümmliche Resentiments ersetzen.
Worum geht es. Wie schon hierorts bekrittelt, war der erste Piepser, den die neue Landesregierung von sich gegeben hat, ein Verbot für Schüler in der Schule, eine andere Sprache als Deutsch zu sprechen. Dass das eine ziemlich dumme, populistische und einzig auf die blauen Parteigänger abgestimmte Einfaltspinselei ist, habe ich schon gesagt. Nun hat an der Uni Wien schon vor geraumer Zeit die Sprachwissenschaftlerin Katharina Brizic eine Untersuchung angestellt, betreffend den unterschiedlichen schulischen Erfolg von Kindern mit Herkunftsland Türkei und Kindern aus dem ehemaligen Jugoslawien. Den Pädagogen war aufgefallen, dass sich die kleinen Türken wesentlich schwerer tun als die Kinder aus Jugoslawien. Jetzt würde der einfache Denker (und um deren Rolle in der Landesregierung geht es mir) wohl vermuten, das hätte mit familiären oder sozialen oder gar genetischen Unterschieden zu tun. Mitnichten – die Erklärung, die Brizic für dieses Phänomen fand, ist folgende: Unter Atatürk wurde die Kurdische Sprache in der Türkei verboten. Das hatte zur Folge, dass ein Großteil der kurdisch sprechenden Bevölkerung auch die Türkische Sprache ablehnte und diese nur unzureichend erlernte. Die Kinder dieser Leute konnten weder gut türkisch noch hatten sie ausreichen Übung in ihrer eigenen kurdischen Sprache. Das Resultat ist eine spezielle Form der Sprachlosigkeit, die auch wieder an die Kinder weitergegeben wird. Das hat zur Folge, dass man sich mit dem Erlernen einer Fremdsprache zeitlebens schwer tut. Die Türken haben ihre Fehler eingesehen und das Verbot inzwischen wieder aufgehoben. Die oberösterreichische Landesregierung kann es sich auf ihre Fahnen heften, gleich am Anfang der Legislaturperiode einen riesigen Blödsinn gemacht zu haben. Darauf sind sie wahrscheinlich auch noch stolz

Privatisierung

Die freien Berufe sichern in Österreich den Bürgern den Zugang zu den elementaren Lebensbereichen, wie Gesundheit und Recht. Sie decken Grundansprüche und Grundbedürfnisse der Bürger ab. Die Ärzte haben nach dem Ärztegesetz den Auftrag, in Eigenverantwortung, und nach bestem Wissen und Gewissen unter Anwendung der medizinischen Wissenschaft Menschen zu behandeln.
Es ist nicht das erste Mal, dass staatlichen Stellen versuchen die Ärzte aus dieser Rolle, die sie seit Jahrzehnten klaglos erfüllen, zu verdrängen. Geplant sind Primary Health Center. Das heißt mit Ärzten, Krankenschwestern und Sozialarbeitern besetzte Institute, die Allgemeinmediziner ersetzen und Spitalsambulanzen entlasten sollen. Dagegen ist natürlich in Zeiten des Ärztemangels absolut nichts einzuwenden. Auch neue Formen der interdisziplinären Zusammenarbeit sind zu begrüßen. Aber darum geht es nicht, es geht darum, dass nicht mehr Ärzte von den Sozialversicherungen als Vertragspartner gewünscht sind, sondern juristische Personen egal welcher Herkunft.
Demnach sollen die Kassen, abseits der Gesamtverträge, mit den PHC-Zentren Einzelverträge abschließen. Und diese juristischen Personen können Gesellschaften sein, die Ärzte und Therapeuten zu ihren Konditionen anstellen. Schon vor Jahren hat die Firma Hartlauer versucht in dieses Geschäft einzusteigen und Zahnambulatorien zu gründen, vermutlich mit der Absicht, möglichst groß und dann Monopolist zu werden. Dann kann man nämlich die Preise diktieren. Jeder der über genug Kapital verfügt, kann also diese juristische Person sein, die so ein PHC betreibt. Auch die Firma Mc Donalds oder Hans Peter Haselsteiner könnte neben der Westbahn noch ein kleines Medizinimperium aufbauen. Die Anfangsinvestitionen für solche Zentren werden erheblich sein und für einen Arzt allein finanziell sicher nicht zu stemmen. Da kommt das Finanzkapital ins Spiel, das schon lange ein Auge auf das Gesundheitssystem geworfen hat, denn hier lassen sich auch in Zukunft noch Erträge erwirtschaften. Denn für die Gesundheit geben Menschen immer Geld, aus auch wenn es für das Zweitauto nicht mehr reicht. Und Finanzkapital, das lohnende Anlagen sucht, ist unglaublich viel vorhanden. Ich erinnere noch einmal daran, das 10 % der Österreicher über 60% des Gesamtvermögens verfügen und die 100 reichsten Österreicher zusammen ein Vermögen von ca. 160 Milliarden Euro haben.
Diese Primary Health Centren sind der nächste Schritt zu Privatisierung des österreichischen Medizinsystems. Dort werden nicht die Bedürfnisse der Menschen im Vordergrund stehen, sondern marktwirtschaftliche, sprich kapitalistische Gesichtspunkte wie Effizienz, satte Gewinne und der sogenannte Shareholders Value, die entscheidende Rolle spielen. Investitionen müssen sich lohnen, die Zentren sollen Gewinn abwerfen, damit sich damit neue Zentren finanzieren lassen – ihr Arzt bei Billa sozusagen. Dazu wünsch ich allen viel Vergnügen.

Wenn ihnen in den nächsten Monaten die Politiker einreden wollen, dass die Ärzte sich aus lauter Gier gegen diese Einrichtungen wenden, dann überlegen Sie, ob sie sich von einer schlecht bezahlten Supermarktangestellten Blut abnehmen lassen würden.

Germanisierung

Linz, das ist die Stadt in der Adolf Hitler aufwuchs, in der er neun Jahre seines Lebens verbrachte. Linz ist die Stadt des Führers, mit der er dereinst große Pläne hatte, aus denen aber bis auf die Nibelungenbrücke nichts geworden ist. Hier wollte er seinen Alterssitz errichten und ein Museum bauen, dass mit dem Louvre in Paris oder den Uffizien in Florenz vergleichbar hätte sein sollen. Für diesen Zweck wurden in ganz Europa Museen geplündert und Kunstwerke zusammengestohlen.
Wie wohl muss sich ein Rechtsnationaler fühlen, dem es gelingt in eben dieser Stadt, zumindest ein Teil der Macht zu werden. Dieser Mann ist Detlef Wimmer. Ein Mann, der es leider nicht zum Berufsoffizier geschafft hat, weil er die Verlässlichkeitsüberprüfung des Abwehramtes nicht bestanden hat. Das Magazin NEWS schreibt dazu: “In den dazugehörigen Akten des Abwehramtes heißt es, dass man schon 2006 bei Ermittlungen im Bereich Rechtsextremismus auf Wimmer gestoßen sei, dass 2007 Wimmer zwei Mal einvernommen wurde und bei seiner ersten Befragung Angaben gemacht habe, die “nachweislich nicht den Tatsachen entsprachen““
Und aus anderer Quelle: Das Abwehramt soll Wimmer 2007 wegen einer verdichteten Verdachtslage zu einem möglichen Naheverhältnis zu Personen im Bereich Rechtsextremismus befragt haben. Dabei hätten seine Angaben nicht den Tatsachen entsprochen. Es sei nachgewiesen worden, dass er Kontakt zu „Proponenten verfassungsfeindlicher Organisationen unterhält“, die das Bundesheer als Verbreitungsbasis ihrer Ideologie und Nährboden für Rekrutierungsmaßnahmen zu nutzen versuchen“.  Wimmer ist eigentlich , wenn man sich seine Biographie so ansieht, ein Hans Dampf in allen rechten Gassen. Er ist Mitglied der deutschnationalen Burschenschft Arminia Czernowitz und Kuratoriumsmitglied des Dinghofer Institutes, eines Vereines, der sich auf den deutschnationalen Antisemiten und ehemaligen Linzer Bürgermeister Franz Dinghofer bezieht. Dinghofer war Begründer des Deutschen Volksbundes. 1919 gründete er die Großdeutsche Vereinigung, aus der 1920 die deutschnational und antisemitisch gesinnte Großdeutsche Volkspartei hervorging, deren Obmann er auch war.(2)       Alles in allem also ein recht einschlägige Karriere, die der gute Detlef da hingelegt hat. Das werden sicherlich auch seine 2000 Facebookfreunde bestätigen, obwohl ein paar von denen wirklich ein Problem haben, mit ihm in Zusammenhang gebracht zu werden (1)

Jetzt ist er Vizebürgermeister in Linz und befehligt weiterhin die Stadtwache. Allerdings ist er selbst unbewaffnet. Die Polizei hat vor ein paar Monaten seine Glock-Pistole beschlagnahmt, weil er sie nicht wie vorgeschrieben, versperrt aufbewahrte, sondern auf dem Wohnzimmertisch griffbereit liegen hatte. Vorher durfte er die Waffe ständig bei sich  tragen, weil er sich von Linken bedroht fühlte.(3)
Die Arminia Czernowitz ist im Linzer FP-Gemeinderatsklub mit drei von insgesamt neun Mandataren übrigens gut vertreten: Nebst Wimmer sind auch Markus Hein und Michael Raml Arminia-Mitglieder. Raml begann seine Politkarriere in der Studentenpolitik. Als Obmann des Rings Freiheitlicher Studenten (RFS) an der Linzer Kepler-Uni sorgte sich Raml 2007 darum, dass „unser Volk stirbt ohne Nachwuchs angesichts der Zuwanderung.“ Auf den Vorhalt, das sei „NS-Diktion“, sagte Raml: „Bitte, nicht alles, was damals war, war falsch. Die voest war doch nicht schlecht. Soll die voest deswegen abgerissen werden?“(4)
Unter anderem mit Sorgen um den Volkserhalt begründete ein Jahr später auch Detlef Wimmer RFJ-Aufkleber mit dem Text: „Gemischte Sorte: Zuwanderung kann tödlich sein.“
Neben den jungen Recken sitzt in der Linzer FP-Gemeinderatsfraktion auch Horst-Rudolf Übelacker. Der 77-jährige Deutsche ist einstiges Mitglied der deutschen Partei „Die Republikaner“. Im Herbst 2012 war er für ein klandestines Lesertreffen der Neonazi-Zeitschrift „Volk in Bewegung – Der Reichsbote” als Referent angekündigt.
Als das publik wurde, kündigte Sebastian Ortner, damals Klubchef der FPÖ,  Konsequenzen an: „Das Maß ist voll, hier muss eine Trennlinie her“, sagte Ortner gegenüber „Österreich“. Übelacker zog darauf zurück: Er sei zwar eingeladen worden, habe aber nicht zugesagt. Er habe auch nicht gewusst, worum es bei dem Treffe gehe.
Schon erstaunlich was die Blauen immer alles nicht   wissen …..

Also, lange Rede kurzer Sinn, die Stadt des Führers hat durchaus wieder ein paar echte Germanen im Stadtrat. Übrigens der CV Verbindungsnahme von Thomas Stelzer, dem designierten Nachfolger von Josef Pühringer ist Wotan. Das wird die FPÖ Stadträte sicher freuen.

http://kurier.at/chronik/oberoesterreich/der-linzer-fpoe-rechtsaussen-und-seine-exotischen-freunde/61.063.422
(2)http://www.stopptdierechten.at/2013/10/27/burschenschaftsehrung-durch-burschenschafter-prasidenten/
(3)http://www.krone.at/Oesterreich/Linzer_FPOe-Politiker_Wimmer_droht_Waffenverbot-Polizei_ermittelt-Story-442642
(4)http://www.nachrichten.at/nachrichten/politik/landespolitik/Rechtsum-Die-krude-Welt-der-Linzer-FPOe;art383,1109752

Der Durchschnittsösterreicher oder Handwerk hat goldenen Boden

Gestern hat das österreichische Staatsfernsehen berichtet, dass der Durchschnittsösterreicher um die 2300 Euro pro Monat verdient und damit europaweit an der Spitze der Einkommensentwicklung steht. Was ein Durchschnittsösterreicher ist, wurde allerdings nicht mitgeteilt. Aber der Durchschnitt errechnet sich aus Maxima und Minima, die man zusammenzählt und dann durch die Anzahl der Individuen dividiert. Dabei sollte man nicht vergessen, dass 10 % der Österreicher 61% des gesamten Vermögens besitzen, was einzigartig in Europa ist.* Ob der Durchschnittsösterreicher noch einmal zu unterteilen ist in Durchschnittsösterreicher und Durchschnittsösterreicherinnen oder in Angestellte und Selbständige, in Erben und  Staatspensionisten oder dergleichen, bleibt auch im Dunkeln. Gerüchteweise gibt es da immer noch eklatante Unterschiede. Und das, was nach gewaltigem gemeinsamem Reichtum und Prosperität klingt, werden Unterdurchschnittsösterreicher wohl nicht nachvollziehen können und Überdurchschnittsösterreicher werden milde lächeln.
Heute war ein Servicetechniker bei mir, der einen Durchlauferhitzer inspiziert hat. Er hat festgestellt, dass der Durchlauferhitzer funktioniert, aber der Thermostat der Badewannenarmatur nicht funktioniert. Das hat 15 Minuten gedauert und 136,50 Euro gekostet. Verrechnet wird immer eine halbe Stunde, der Großteil der Zeit vergeht für das Erstellen der Rechnung und eines verpflichtenden Kostenvoranschlages. Den Kostenvoranschlag, so sagt er achselzuckend, sollte er eigentlich schon vor Beginn der Arbeit erstellen. Aber aus zweckmäßigen Gründen kann er ihn erst nach getaner Arbeit erstellen. Dem vorausgegangen war der Besuch eines Elektrikers, der Sicherungsnetz und Stromanschluss des Durchlauferhitzers geprüft und selbiges ebenfalls für in Ordnung befunden hat. Das hat Kosten von 45,90 Euro verursacht (die Anreise ist kürzer, Stundenlohn 51 Euro). Dem vorausgegangen ist ein Anruf meinerseits beim Installateur, mit der Bitte, die Armatur und den Durchlauferhitzer, den er vor gut 2 Jahren montiert hat, durchzusehen, weil das Badewasser nur gerade mal handwarm wird. Er hat dann nach einigem Hin und Her zuerst einen Facharzt aus der Elektrobranche empfohlen, weil das eher nach  elektrischer Erkrankung klänge und dieser hat in der Folge seiner Konsultation wiederum zum Spezialisten vom Durchlauferhitzerservice geraten. Jetzt ist von zwei Spezialisten festgestellt worden, was ich vorher schon vermutet habe, dass der Thermostat der Armatur kaputt ist. Jetzt kommt erst recht noch der Installateur zum Zug. Der Chef des Elektrikers, der den Durchlauferhitzerspezialisten beigezogen hat, hat übrigens vor kurzem drei Häuser im Ort erworben um dort Mietwohnungen zu errichten.. Aber das wundert mich nicht. Mein sehr geschätzer Nachbar stellt seinen mehrere hundert PS starken BMW bzw. vorher ein Mercedes Cabrio seit Jahren direkt vor meine Garageneinfahrt. Er ist Besitzer eines etwas größeren Würstelstandes.  Wenn ich eine Nachtvisite mache (zwischen 20 und 22 Uhr:46,2 Euro. Von 22 Uhr bis 7 Uhr: 62, 66 Euro) ärgere ich mich oft darüber, vor allem wenn es sich um Notfälle handelt, weil ich dreimal reversieren muss bis ich aus meiner Garage herauskomme. Vor   Jahren hat mein Lieblingsmalermeister eine komplette Außenrenovierung von Wohnhaus und Ordination durchgeführt. Zu meiner Verwunderung hatte ich auch ein halbes Jahr nach Abschluß der Arbeiten noch keine Rechnung erhalten. Auf meine diesbezügliche Anfrage sagte er:“Die kommt schon“. Gekommen ist sie sage und schreibe drei Jahre später, knapp vor der Verjährungsfrist. Es war kein zu vernachlässigender Betrag, im damals noch 5 stelligen Schillingbereich und man muss schon ganz gut verdienen, um  so eine Zahlungsfrist gewähren zu können. Alle drei genannten sind tüchtige und ehrenwere Männer, die etwas von ihrem Fach verstehen.
Conclusio: Ich vermute schon lange, dass es sich bei dem gutverdienenden, vom Staatsfernsehen apostrophierten Durchschnittsösterreicher,  um einen Handwerker handelt.

Wenn das Smartphone dreimal klingelt

Was wäre der Mensch ohne Telefon? Ein armes Luder. Was aber ist er mit Telefon? Ein armes Luder. Diese Betrachtung stammt von Kurt Tucholsky. Er ist 1935 gestorben. Was würde der heute schreiben?
Ich sitze in Wien in der U 1. Rundherum ein beständiges Geklingel. Eigentlich kein Geklingel, den der Geräuschpegel reicht vom Radetzkymarsch über flapsige Synthesizer-Töne bis zum elektronischen Muhen einer Kuh. Von den ca. 40 Fahrgästen im vollgestopften Wagon haben 10 das Handy am Ohr und erzählen ihrem imaginären Gegenüber selbstvergessen, zum Teil recht intime Dinge. Zirka zwanzig der Sitzenden betrachten das Smartphone gebannt mit gesenktem Haupt, als sähen sie darin die Geheimnisse des Universums erscheinen. Mehr als 60 % der Anwesenden tragen Jeans fällt mir auf. Diejenigen die ihr Handy in der Tasche haben und über Kopfhörer Musik hören sind merkwürdigerweise fast alle mit einem Sweater mit Kapuze bekleidet. Der Rest der Jeansträger ist weniger uniform mit Fleecejacken, Anoraks und Sakkos ausstaffiert. Geschätzte 40 % tragen bunte Sneakers. Die Welt ist uniform geworden, wie ein Ameisenstaat, ferngesteuert von den Duftsignalen einer wahnsinnig gewordenen Ameisenkönigin. Aber gut, denke ich, in Rom gab es eben auch nur die Tunika, die man bei alltäglichen Geschäften trug. Nur die Senatoren trugen Toga mit breiten Purpurstreifen und nur ihnen war es erlaubt rote Schuhe mit einer Elfenbeinsichel als Schmuck zu tragen und einen goldenen Ring.  Also auch nicht viel besser. Dann fällt mein Blick auf meine eigenen Beinkleider: Jeans. Und im selben Moment höre ich einen vertrauten Klingelton. Ich sehe mich um, wem das wohl gilt. Dann wird es mir bewusst – es ist meins.

Das System ist bald am A….

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Eine Turnusärztin in einem Oberösterreichischen Krankenhaus. Sie ist seit 1 Monat auf der Chirurgie tätig, hat aber den Operationssaal, so wie es zu ihrer Ausbildung gehört, noch nie von innen gesehen. Stattdessen arbeitet sie faktisch ohne Pause auf der Station und erledigt die anfallende Administration. Zusätzlich ist sie mit den täglichen Problemen, die an die fünfzig, meist frischoperierte Patienten haben, gefordert. Niemand hat sie in irgendeiner Form eingewiesen oder ihr erklärt was zu tun ist, welche Medikamente Antibiotika etc, auf der Station üblicherweise verwendet werden. Wenn sie einen der Assistenten fragt, bekommt sie keine Antwort oder den Rat selber irgendwo nachzuschauen. Sie ist die einzige Turnusärztin. Ärzte sind insgesamt viel zu wenige und alle arbeiten an ihren Grenzen. Das ist die Gesundheitsreform, verbunden mit der neuen Arbeitszeitregelung. An den meisten Tagen kommt die Kollegin nicht einmal zum Essen. Entlassungsbriefe müssen dringend diktiert werden, während 5 neue Patienten auf die Aufnahmeuntersuchung warten. Wenn ein Befund oder eine Untersuchung noch fehlt, kann der Patient nicht entlassen werden und das Krankenhaus verliert Geld, weil nicht die Anstaltstage, sondern nur noch Leistungen bezahlt werden. Also muss der Umsatz durch möglichst viele Patienten, die möglichst rasch durchgeschleust werden erzielt werden und das mit möglichst wenig Personal. Auch in der Pflege fehlt Personal. Die Verpflichtung ständig alles zu dokumenterien, jeden Handgriff und jede Entscheidung für einen etwaigen Rechtsstreit nachzuweisen, führt zu einem ungeheuren Zeitaufwand. Zeit, die für den Umgang mit den Patienten fehlt. Patienten, das sind Menschen, Menschen wie Du und ich, falls das jemand vergessen haben sollte. Aber im modernen, von einem Management geführten Krankenhaus gibt es nur PATIENTEN, die je nach Sachlage als Kostenfaktor oder als Einkunftsquelle betrachtet werden. Manche sind auch nur Durchlaufposten. Und Ärzte sind ebenfalls Kostenfaktoren, also bitte möglichst billig.

Es läuft alles gut….

Um noch einmal das Thema aufzugreifen: Natürlich kann man heutzutage Angst bekommen, wenn man sich in der Welt umsieht. Irgendwie ist gerade alles wieder einmal höchst beunruhigend. Die Presse tut ein Übriges, um diese Stimmung anzuheizen und alles was wir wissen, wissen wir nicht, weil wir es selber sehen, sondern weil es die Medien berichten. Es schein im Interesse gewisser Gruppen zu sein, dass wir alle immer in einem Zustand der Ungewissheit und Unsicherheit sind. Seien es gelogene Berichte über Plünderungen, sei es die beständige Drohung mit der Islamisierung des Abendlandes oder sei es ein paar Wochen vorher, die höchst einseitige Berichterstattung über die Degradierung Griechenlands zu einer Kolonie der Europäischen Finanzoligarchie. Die Presseorgane sind zum Großteil im Besitz dieser Finanzoligarchie und sie werden in erster Linie nicht zur objektiven Informierung der Bevölkerung eingesetzt. Je nach Bedarf werden, speziell in Österreich, wichtige Informationen einfach unterschlagen oder es wird derart tendenziös berichtet, dass Unsicherheit und Angst geschürt werden. Siehe den Bericht der Kronenzeitung über Plünderungen durch Flüchtlinge, der frei erfunden war. Verängstige Menschen lassen sich leichter regieren. Sie sind eher bereit harte Maßnahmen, gegen wen auch immer, zu tolerieren, wenn man ihnen vorher eingeredet hat, dass sie selber auch in Gefahr geraten könnten.
Das ist die eine Seite. Dem gegenüber stehen tausende Menschen in ganz Europa, die die Not der Mitmenschen wahrnehmen. Da ist der Gastwirt in Hartkirchen, der einer Familie eine Wohnung kostenlos zur Verfügung stellt und die Mühen die damit verbunden sind, auf sich nimmt und auch noch für deren Mahlzeiten aufkommt. Einfach so, weil er die Notwendigkeit sieht. Da ist der Schuldirektor und seine Lehrer aus Dachsberg, die den Unterricht für junge Afghanen organisieren. Da sind ein paar tausend Polizisten und Bundesheerangehörige, die an den Grenzen professionell agieren und die trotz Überstunden und Dauerdienst menschlich handeln. Da sind Studenten in Wien, die für Asylanten sorgen und für sie Behördengänge machen oder rechtliche Unterstützung organisieren. Da sind einerseits Private, andererseits Hilfsorganisationen wie Rotes Kreuz und Caritas, die ehrenamtlich helfen. Da sind Asylanten die als Dolmetscher einspringen, und selber am Bahnhof übernachten um jederzeit zur Verfügung zu stehen. Da sind die vielen Österreicher, Deutschen, Griechen, Slovenen, Türken, Ungarn etc. die nicht lange fragen, sondern im Sinne der Selbstermächtigung sich ungefragt einmischen und  helfen oder Hilfe finanzieren. Wenn es diese Leute, die den Großteil der Bevölkerung ausmachen, die Vernünftigen, die sich nicht erschrecken oder einschüchtern lassen nicht gäbe, würde kein Staat funktionieren, geschweige denn eine Situation wie diese, gemeistert werden.

Ein Antidepressivum – Katzen.

Wir, das heißt eigentlich in erster Linie der Familienanteil mit XX Chromosomenstatus hat wieder Katze.  Die XYpsilöner müssen zwangsläufig mittun, obwohl in der Mehrheit und ursprünglich geschlossen dagegen. Aber, da gibt es eine dunkle Geschichte mit Bestechung und so. Lassen wir das aber beiseite. Im Laufe der Jahre hatten wir viele Katzen, manche Unvergessene, manche Najaauch-Katzen. Jetzt haben wir eigentlich zwei. Das heißt, der zu erwartenden Endgröße entsprechend, handelt es sich um mindestens vier. Es sind Großkatzen. Main Coon, heißt die Rasse und in manchen hinterwäldlerischen Gegenden Amerikas geht die Mär, dass sie aus einer Kreuzung zwischen Hauskatze und Waschbär entstanden sind (raccoon ist der Waschbär – davon ist der Name abgeleitet). Endgewicht nach 3 Jahren um die 12 Kilo, zusammen 24 Kilo.
Sie haben Haarbüschel an den Ohren und sehen in etwa aus wie ein Luchs. Die jetzt 6 Monate alten Kätzchen sind fast doppelt so groß wie unsere letzte Normalkatze im ausgewachsenen Stadium. Sie fressen so viel, dass meine Frau schon frühmorgens unterwegs ist um Futter zu besorgen, denn wenn sie nichts kriegen werden sie ziemlich lästig. Verspielt sind sie, so wie der Züchter behauptet hat, das kann man nicht bestreiten. Wenn man an einem Schrank vorbeigeht und sich plötzlich von oben herab ein paar Krallen in die Kopfhaut nageln, kann man das lustig finden oder auch nicht. Wenn man dann hochsieht, sieht man eine Katze die so tut als wäre nichts gewesen. Abenteuerlich auch die nächtlichen Besuche im Schlafzimmer. Meist gegen 3 Uhr früh scheint der Biorhythmus der Gattung auf Fressenszeit programmiert zu sein. Dann verleihen sie ihren Bedürfnissen Nachdruck indem sie als ultimaive Aufforderung, jetzt sofort eine Dose zu öffnen, in meine Hand beißen. Erst sachte, dann mit Vehemenz. Auch die Unterschenkel, soweit zugänglich sind Ziel ihrer Übergriffe. Wenn das nicht reicht, wird man kurz darauf wieder wach, weil sich von unten, unter der Bettdecke, etwas Pelziges zwischen den Beinen langsam vorwärtsarbeiten. Auch im Tiefschlaf führt dass bei einem gewohnheitsmäßigen Nacktschläfer zu Panikattacken. Türen öffnen sie ohne sich sonderlich anzustrengen. Nur ein verschlossenes Schlafzimmer schützt. In Zukunft werde ich auch noch das Bücherregal davorstellen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Katzen, die Wasser eher scheuen, sind diese Burschen regelrecht hydrophil. Sie trinken aus den Klo und Sie lassen einen  auch in der Badewanne nicht in Ruhe. Sie sitzen am Rand und tun vorerst einmal eine Weile so, als würde sie irgend ein Detail, das für alle anderen unsichtbar scheint, interessieren. Wenn man sie dann gelangweilt aus den Augen lässt und sich der Lektüre zuwendet, dann klatschen sie plötzlich mit ihren Riesenpfoten ins Wasser. Nicht dass es mir was ausmacht, in der Badewanne nass zu werden, aber es ist die pure Bosheit. Biedermeiermöbel mit kostbaren Bezugsstoffen und das Bedürfnis von Katzen, sich gelegentlich die Krallen zu schärfen, sind eigentlich auch etwas, was nicht zusammengeht. Darum bin ich froh, wenn manchmal jemand auf Besuch kommt. Besonders Jeansträger sind bevorzugt. Sie kriegen ihre Krallen ins Gesäß.

Depression

Also, du…. dein Blog, ist das nicht ein wenig depressiv?
Diese Frage wurde mir gestern Abend gestellt. Ich war wohl ein wenig überrascht. Ich muss der Wahrheit halber sagen: Darüber hab ich noch nie nachgedacht – aber, kommt mir nicht so vor. Vielleicht zeugt es von depressiver Verstimmung, wenn man die Zeiterscheinungen wahr nimmt und kommentiert, wenn man im Bannkreis des Schwarzweissen, des Unumstößlichen das dem Weltgeschehen seine scheinbare Bedeutung verleiht, sein Gedanken kreisen lässt, statt nur die lustigen, fröhlichen Dinge zu sehen. Die glücklichen Gesichter der Kinder in den Einkaufszentren, das selige Lächeln der Alten in den Altersheimen….und auch einmal egoistisch sein – da sind wir, das sind unsere Grenzen und das da sind Fremde. Einfach das Leben genießen.  Ist es schon depressiv wenn man sich über Flüchtlinge Gedanken macht oder muss man zusätzlich auch noch Ängste haben? Zum Beispiel vor Politikern, die neoliberal daherkommen aber vielfältige Verbindungen zu Rechtsextremen haben. Alles Leben ist Leiden, sagt der Buddhismus. Wenn schon dieser Mercedes unter den Religionen darauf hinweist, dass man sich von den Dingen der Welt lösen soll, weil die Dinge der Welt für alles Leiden verantwortlich sind, dann hat das doch einen gewissen Stellenwert und ich bin dann sicher auf dem falschen Dampfer. Aber bin ich deswegen depressiv?
Ich nehm jetzt meine Pillen und geh zu Bett. Morgen schreib ich über Katzen.