Wahlsprengel 44

Der Wahlsprengel 44 in Wien hat bei den letzten Wahlen einen gewissen Bekanntheitsgrad dadurch erreicht, dass die FPÖ hier mit Abstand am meisten Stimmen holen konnte. Bei der Bundespräsidentenwahl waren es 64,81 Prozent, bei der Nationalratswahl 2019 waren es 38,2% und bei der  Wienwahl 44%. Und das inmitten des sonst grellroten Ottakring. Der Wahlsprengel umfasst zwar nur knapp 500 Stimmen, aber das sind vorwiegend Polizisten, die dort in zwei Wohnblocks einer bundeseigenen Wohlfahrtseinrichtung leben. Kann man daraus Rückschlüsse auf die politische Ausrichtung der Polizei insgesamt machen? Kann man nicht, es gibt dafür zu wenig Datenmaterial. Man kann sich nur so seine Gedanken machen.                  

Jetzt haben angeblich 600 Polizisten einen offenen Brief an den Innenminister verfasst.  Die geplante Impfpflicht einerseits, aber andererseits auch die Problematik, dass sie „überwiegend friedlichen Demonstranten drohend“ gegenüberstehen müssen, bilden die Grundlage für diesen Brief. Die Unterzeichner warnen vor einer Spaltung der Gesellschaft und auch des Polizeiapparates und erklären dem Innenminister, dass er damit rechnen müsse, zahlreiche motivierte, engagierte und qualifizierte Beamte zu verlieren. Anstelle des “Impfnarrativs” will die Gruppe eine Diskussion über „alternative” Behandlungsmethoden führen. Ob damit das in Impfgegnerkreisen propagierte Entwurmungsmittel Ivermectin gemeint ist, bleibt offen. In ihrem Brief wiederholen die Polizisten Behauptungen, die auch in Impfgegnerkreisen kursieren und nachweislich falsch sind. Dass die Impfung keinen ausreichenden Schutz vor Ansteckung” biete und dass “Nebenwirkungen nicht ausreichend geprüft” wären, steht dabei im Vordergrund. (Dass sehr wohl eine deutliche Reduktion – sowohl  der Infektionen als auch der schweren Verläufe – ganz einfach statistisch erfassbar ist, wird negiert). Der ganze Brief entspricht dem Narrativ des Herbert Kickl und so ist es auch nicht verwunderlich, dass das Schreiben von der FPÖ begrüßt und in allen ihr zur Verfügung stehenden Medien breit getreten wurde*. FPÖ- Sicherheitssprecher Hannes Amesbauer sieht darin einen Beleg dafür, dass sich der „friedliche Widerstand gegen das schwarz-grüne Corona-Regime, die unverhältnismäßigen Zwangsmaßnahmen und die spalterische Kampfrhetorik durch alle Berufs- und Gesellschaftsschichten zieht“. Kann man also annehmen, dass der Großteil der Polizei gegen die Impfpflicht ist?                                                                                  

Natürlich versteht man, dass Polizisten, die die FPÖ wählen nur ungern Demonstrationen auflösen, die von Rechten organisiert und angeführt werden und bei der ihr Parteiobmann Herbert Kickl eine flammende Rede hält. Natürlich versteht man, dass rechte Polizisten aus dem selben Grund ihren Unmut über die zusätzliche Arbeit lieber an linken Gegendemonstranten auslassen, weil sie ja nicht ihre Freunde  von der FPÖ verdreschen können. Aber Tatsache ist, dass 85 Prozent der Polizisten geimpft sind, also deutlich mehr als in der Durchschnittsbevölkerung. Und Tatsache ist, dass die Betreiber des Schreibens der FPÖ Personalvertretung angehören und somit dieser Brief wohl nicht aus Unmut über die Impfung sondern aus politischem Kalkül lanciert wurde. Die 600 Unterstützer blieben bis jetzt namenlos. Gibt es sie überhaupt?

Ominöses Schreiben – Ärger bei Polizei: Brief ein „Riesenschwachsinn“ | krone.at

*Polizisten gegen Impfpflicht und Spaltung: Hier der vollständige offene Brief (info-direkt.eu)

Den Kurz machen…

Am 13. Jänner vor genau 10 Jahren, streifte das Kreuzfahrtschiff Costa Concordia einen Felsen nahe der italienischen Insel Giglio südöstlich von Elba. Der Kapitän hatte eigenmächtig den vorgesehenen Kurs geändert und fuhr nahe an der Insel vorbei, um einen alten Bekannten zu grüßen. Genaue Karten, um diese Kursänderung abzusichern, waren nicht an Bord. Als es dann  plötzlich krachte,  telefonierte der Kapitän Francesco Schettino gerade mit einem anderen Bekannten. Auf der Brücke war auch seine Geliebte anwesend, die er heimlich in seiner Kabine beherbergte. Die Costa Concordia war manövrierunfähig, lief auf Grund und legte sich zur Seite. 32 Menschen ertranken. Schettino und ein Teil der Offiziere verließen mit einem Rettungsboot das Schiff. Auf der Insel ging er als erstes in ein Hotel, um zu fragen, ob es irgendwo weiße Socken zu kaufen gebe. Seine waren bei der Flucht nass geworden.                                                                      

„Fare lo Schettino“, den Schettino machen, ist in Italien zum geflügelten Wort für besondere Feigheit geworden. Nicht ganz vergleichbar, aber durchaus ähnlich ist der Abgang unseres Bundeskanzlers. Das Schiff ist nicht untergegangen, hat aber Schlagseite. Das Vertrauen in Demokratie und Politik ist erschüttert. Der Kapitän ist mit einem Rettungsboot nach Amerika unterwegs. Ein Teil der Minister und führenden Funktionäre  haben sich ebenfalls abgesetzt. Die rettende Insel heißt Thiel Capital und wird von einem strammen Rechten, dem Demokratie und Sozialstaat von Herzen zuwider sind, regiert.  Kurz wird dort wohl  zuerst nach einer weißen Weste fragen.

Der Clou

Alle Augen sind auf die Coronaepidemie gerichtet.  Die Medien berichten  seit zwei Jahren rund um die Uhr  darüber. Gefühlte fünf mal pro Abend sieht man einen Arzt, der herzhaft in einen Oberarm sticht. Die Welt muss sich  mit einer Mutation nach der anderen auseinandersetzen.  Während wir die damit verbundenen skurrilen Auswüchse – die Coronaleugner, das Wiedererstarken der Rechten, die Gründung einer neuen Partei, die gegen wissenschaftliche Erkenntnisse kämpft – diskutieren, hat die Hure der Reichen aus der Not eine Tugend gemacht. Über ein System der Verschleierung und der klandestinen Absprachen hat die ÖVP mittels einer eigens dafür gegründeten Gesellschaft, Milliarden an die Reichen verteilt. Jetzt hat das EU-Beihilfenrecht dafür gesorgt, dass die Zahlungen an die Reichen nicht mehr geheim bleiben. Wenn man zugrunde legt, dass in unserem „Sozialstaat“  finanzielle Hilfen für sozial Schwächere immer knapp kalkuliert wurden, dass Arbeitslosengelder und finanzielle Hilfen für Menschen in Not  von der ÖVP immer bekämpft und runterverhandelt wurden und werden, dann kann man die Ausschüttung von vielen Milliarden an die Reichsten der Reichen nur als einen der übelsten Coups der österreichischen Geschichte bezeichnen. Während für die dringend notwendige Finanzierung von Gewaltschutzeinrichtungen für Frauen nach dem 34 Femizid im Jahr, gerade einmal 20 Millionen zur Verfügung gestellt werden, kassiert die Mediamarkt- Kette, obwohl sie ein enormes Umsatzplus hatte 16,3  Millionen aus der Staatskasse. Novomatc-Milliardär Graf 2,4 Millionen, Benko 7,7 Millionen  etc.etc. Mit den Geldern, die jetzt in die Privatschatullen von Milliardären wandern, könnte man die gesamten Sozialausgaben wohl für einige Jahre finanzieren. Ist das in irgendeiner Weise zu rechtfertigen?  Wird mit einer Zahlung von 800 000 Euro an Starbucks Not gelindert? Nein wir werden bestohlen. Die dafür Verantwortlichen, in erster Linie Kurz und Blümel  sind inzwischen in die Privatwirtschaft gegangen und hinterlassen einen Schuldenberg, den wir alle bezahlen müssen. Und während wir gebannt auf die Fallzahlen starren und viele Österreicher vieles oder alles verloren haben, reiben sich die oberen 10 % die Hände

Vor lauter Feigheit gibt es kein Erbarmen

Die 25-jährige afghanische Forscherin Amena Karimyan, sollte eigentlich in Österreich sein. Aber jetzt ist sie in Deutschland .

Eine Initiative von Forschern der Universität Graz, der Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und des Grazer Kulturzentrums Forum Stadtpark stellte zunächst eine dreimonatige Forschungsreise für die junge Wissenschaftlerin zusammen um sie vor den Taliban in Sicherheit zu bringen. Die Forscherin sollte in Österreich Vorträge halten und damit der Gefahr in Afghanistan entkommen.  Die österreichische Botschaft in Islamabad signalisierte grünes Licht für ein Visum. Das Visum sei abholbereit, so die schriftliche Zusage. Der Flug nach Wien war bereits gebucht. Unter Lebensgefahr überquerte die junge Frau nach der Machtübernahme der Taliban die Grenze zu Pakistan. Auf dem Weg wurde sie zwischenzeitlich von Taliban verhaftet und geschlagen. Doch als sie schließlich in der österreichischen Botschaft ankam, hieß es plötzlich: Nein! Ihr Visumsantrag wurde abgelehnt. Die unfassbare Begründung: Man könne nicht ausschließen, dass die junge Frau länger als drei Monate in Österreich bleibe. Vier Monate musste die afghanische Forscherin und Frauenrechtsaktivistin in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad um ihre Sicherheit bangen. Das deutsche Außenamt ist nun auf den Fall aufmerksam geworden und hat der 25-jährigen Astronomin binnen weniger Tage ein Visum ausgestellt und sie dann sofort nach Deutschland geflogen“.

Impftaliban

Ärzte und Gesundheitspersonal haben in den letzten Tagen Post vom Innenministerium bekommen. Einen ausführlichen Brief mit konkreten Anleitungen, um sich vor Angriffen von Impfgegnern zu schützen. Dazu gehört, dass man es vermeiden soll, in der Öffentlichkeit Dienstuniformen oder Abzeichen einer Hilfsorganisation zu tragen. Der Hinweis: Arzt im Dienst, im Auto könnte Auslöser von Aggressionen sein. Am besten man sorgt in der eigenen Ordination für einen privaten Bewachungsdienst und entfernt alles aus der Reichweite von Patienten, was als Waffe benutzt werden könnte. ….

Als die Bayern 1805 Tirol besetzten und eine Reihe von Reformen vorantrieben und  ab 1809 Männer für die bayrische Armee rekrutiert wurden, kam es zum Aufstand. Der ist bis heute mit der Heldenverehrung des Andreas Hofer verbunden. Die Tiroler sehen das immer noch anders, aber im Wesentlichen waren es neben Steuererhöhungen auch reaktionäre und antiaufklärerische Gründe, gegen die sich vor allem der Tiroler Klerus, der seinen Einfluss schwinden sah, zu wehren gedachte.    So hetzte der Kapuzinerpater Haspinger gegen die von der bayerischen Besatzung auch für Tirol eingeführte Pockenimpfung, weil er befürchtete, dadurch solle den Tirolern das „Bayerische Denken“ eingeimpft werden. Nach Hofers erstem Sieg wurde den Frauen eine züchtige Kleidung vorgeschrieben und Wirtshäuser mussten während der Messe schließen. Unmittelbar nach der ersten Schlacht am Bergisel kam es zu gewalttätigen Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung Innsbrucks von Seiten der Aufständischen.                                                                                                   

So weit zu den Volkshelden. Damals, am Übergang zur Neuzeit, kann man es noch irgendwie verstehen, dass weitgehend Ungebildete das Recht in die eigene Hand nahmen, weil sie sich über Dinge aufregten, die sie nicht verstanden. Aber man sieht, es hat sich in 200 Jahren kaum etwas geändert. Die reaktionäre Gesinnung, der Widerstand gegen Wissenschaft und Aufklärung, der Antisemitismus ist immer noch da und die Wahrheit und die Besonnenheit kommen in den Zeiten der totalen Information auch total unter die Räder. Jetzt müssen sich Ärzte und Pflegepersonal gegen die Impftaliban schützen.

https://www.welt.de/geschichte/article228477591/Andreas-Hofer-Diese-Impfung-provozierte-den-bewaffneten-Aufstand.html

https://www.diepresse.com/465178/andreas-hofer-tiroler-taliban

Clusterbuster

Die Verhinderung von Coronaclustern ist ein löbliches Vorhaben, gelingt aber nicht. So genau weiß man bei der derzeitigen Verordnungspolitik nie, ob man noch auf dem Laufenden ist oder ob man eine neue Verordnung überhört /übersehen hat. Aber soviel ich weiß, ist nach wie vor Lockdown für Ungeimpfte und zwar bis zum 10. Jänner. Demzufolge sollten Ungeimpfte eigentlich kaum eine Gelegenheit haben, sich anzustecken, weil sie zu Hause bleiben oder entsprechend geschützt und getestet sein müssen. Gestern waren 3789 Neuerkrankungen gemeldet, heute sind es bereits 6799. Offensichtlich ist dabei nicht nur die vorhergesagte Verdoppelung innerhalb kurzer Zeit, sondern, dass trotz der Verordnungen eine rege Verbreitung  des Virus stattfindet. Nach Wien hat Tirol die höchste Zahl von Neuerkrankungen und hier führt  Kitzbühl mit 88 Neuerkrankten. Im sattsam bekannten Lokal Kitzloch sind 5 Mitarbeiter erkrankt, 3 an der Omikronvariante. Der erste positiv getestete Mitarbeiter war ungeimpft.  Also wie im Gastgewerbe die Logistik der Pandemieeinschränkung, mit ungeimpften Mitarbeitern greifen soll, verschließt sich mir komplett……                                                                                                                                    

Der römische Kaiser Traian war der Meinung, dass Gesetze, die von niemandem eingehalten werden, sinnlos sind und somit aus dem Gesetzescodex gestrichen werden sollten. Ein Großteil der Coronaverordnungen fällt unter diesen Terminus. Entweder man sorgt dafür, dass die Gesetze auch für die Tiroler Adlerrunde gelten und kontrolliert und sanktioniert Fehlverhalten – Stichwort Clusterbuster – oder man lässt es überhaupt und nimmt die Folgen für die Gesellschaft in Kauf und akzeptiert, dass fahrlässige Dummheit und Geldgier einen höheren Stellenwert haben als Menschenleben.

Corona Dashboard (covid2019.at)

Omen

Vor zwei Jahren zu Silvester hatte ein besonders begnadeter Oberösterreicher die Absicht, eine Silvesterrakete aus seinem Allerwertesten abzufeuern. Das Experiment ging schief und er hat mit einer abgebrannten Rückfront bezahlt. Er ließ sich bei seinem Unterfangen auch noch filmen – das Video kam in die Schlagzeilen. Dann kam Corona.                                                                                 

Wenn man das jetzt retrospektiv als Omen betrachtet, fragt man sich, was steht uns heuer bevor?  Ein Toter und zahlreiche Schwerverletzte durch Feuerwerkskörper sind die Bilanz der vergangenen Silvesternacht.“                                                                                                                                

„Es gibt intelligente Menschen, die fürchterlich dumme Entscheidungen treffen und sich sehr dumm verhalten“, sagt die Psychiaterin Heidi Kastner in ihrem Buch über die Dummheit.  Dumm meint, ignorant zu sein, unglaublich selbstsicher oder nur „bei sich“ zu sein, wie es heutzutage gerne umschrieben wird. Es bedeutet das Ausblenden von Verantwortungen und dass man keine Informationen vor Entscheidungsfindungen einholt. Es bedeutet auch  selbstzentriert und selbstherrlich zu sein, kein Gefühl dafür zu haben, dass man als Teil eines Ganzen auf der Welt ist und das Ganze mitbedenken muss, wenn man Entscheidungen trifft. Dummheit hat auch viel zu tun mit einer gewissen Form von Arroganz….“

 Ich wünsche uns allen fürs neue Jahr weniger Dummheit, mehr Verantwortung, mehr Gefühl fürs Ganze und steckt euch nichts in den Hintern, was explodieren kann.

Rakete im Hintern: Video vom schmerzhaften Resultat (oe24.at)

DIE GROSSE NEUJAHRSPROPHEZEIUNG

Es ist der 31. Dezember 2021. Das Thermometer vor meinem Fenster zeigt gerade 18 Grad Celsius. Während die Welt auf Grund mangelnder internationaler Solidarität und nationaler Dummheit noch immer mit der Pandemie zu Gange ist, die gerade ins dritte Jahr geht, feiern religiöser Fanatismus und Wissenschaftsfeindlichkeit auf der einen Seite und Nationalismus, Raffgier, Neid und die kapitalistische Inkompetenz, diesen winzigen Planten gerecht zu verwalten, auf der anderen Seite fröhliche Urstände. Multimilliardäre schießen zum Vergnügen Raketen in das Weltall, während Millionen Menschen hungern. Die Demokratie ist weltweit auf dem Rückzug. Politische Korruption gilt als Kavaliersdelikt und politische Parteien sind nichts weiter als die Huren der Reichen. Vorbilder gibt es nicht mehr. Sogar Mutter Theresa war auf ihre Art korrupt. Der logische Schluss daraus: Bei soviel Egoismus und Inkompetenz ist davon auszugehen, dass sich nichts wirklich ändert.

31. Dezember 2022: 20 Grad Celsius

Witz des Tages

Die ÖVP hat kein Korruptionsproblem!                                                                                                                            

Während Franz Fiedler von einem Sittenbild der übelsten Sorte spricht und sich an die Endzeit des römischen Reiches erinnert fühlt, meint Karl Nehammer, es käme nun darauf an, alles abzustreiten und den Teilnehmern des zukünftigen Untersuchungsausschusses zur ÖVP- Korruption gleich vorweg politische Befangenheit zu unterstellen und so lange zu lügen, bis Gras über die Sache gewachsen ist. Er vertraut darauf, was er im Seminar politische Kommunikation bei Peter Filzmaier  gelernt hat: Je öfter was wiederholt wird, je eher wird es geglaubt.  Der Slogan „Flood it with shit“ als Synonym für das Anpatzen der Gegner, wenn sie einem auf die Schliche kommen und Korruption aufdecken, ist dort wohl auch einmal erwähnt worden. Mit seiner zur Schau getragenen Verbindlichkeit und Korrektheit versucht er die Öffentlichkeit einzulullen. Sein Auftrag ist es eine Desinformationskampagne zu starten, um die ÖVP letztlich reinzuwaschen. Mit dem Bonmot, dass die ÖVP kein Korruptionsproblem hat, wagt er sich weit vor, zeigt aber auch, dass er Sinn für schrägen Humor hat.  

 Ob  der neue Finanzminister wirklich gewillt ist alles aufzudecken, was seinen direkten Vorgänger betrifft und die Malversationen des Thomas Schmid – im Zusammenhang mit gefakten und gekauften  Jubelberichten bei den Fellners – und die Vorgänge um die Steuernachzahlungen des Herrn Wolf ebenfalls, muss man auch erst abwarten. Womöglich ist da vieles an Beweismaterial nicht auffindbar oder verschwindet im Schredder.  Also wirkliches Vertrauen kommt da nicht auf. Das Finanzministerium ist immerhin seit dem Jahr 2000 in den Händen der ÖVP, also seit Karl-Heinz Grasser, der gerade zu 8 Jahren Gefängnis wegen Korruption verurteilt wurde. Das ist auch sehr witzig. Aber, dass einer von der ÖVP die ÖVP Korruption untersucht – da hat Sobotka schon die Hand drauf – da ist für Magnus Brunner nichts mehr zu gewinnen.

Darum kommt der zweite Witz des Tages von Arbeitsminister Martin Kocher. Er fordert, dass Frauen, die Teilzeit arbeiten, gefälligst ein paar Stunden zusätzlich anschaffen sollen. Wenn man im Hinterkopf hat, dass Sebastian Kurz, der ihm diesen Ministerjob verschafft hat, am Beginn seiner glamourösen Karriere verantwortlich dafür war, dass die verbindliche Finanzierung für Kinderbetreuung blockiert wurde, und damit viele Frauen zur Teilzeitarbeit gezwungen sind, ist das ein ziemlich  guter Witz.

Auf Grund dieser kabarettistischen Fähigkeiten plädiere ich dafür, dass Karl Nehammer den österreichischen Kleinkunstförderpreis erhält und Martin Kocher den Salzburger Stier. Den Hauptpreis erhält aber Herbert Kickl. Er ist wirklich immer zu einem Scherz aufgelegt. Seine lustigen Beiträge zur Coronaimpfung und seine Behandlungsvorschläge zählen zum Witzigsten und Hinterfotzigsten, das uns das Coronajahr 2021 beschert hat. Im gebührt der Titel Clown der Nation.*

Das Recherchenetzwerk OCCRP kürte die „Person des Jahres 2021 im Bereich Organisierte Kriminalität und Korruption“. Sebastian Kurz war dabei unter den fünf Finalisten, gemeinsam mit Alexander Lukaschenko, dem syrischen Präsidenten Bashar al-Assad,  dem türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan sowie dem afghanischen Ex-Präsidenten Ashraf Ghani. Sieger wurde Lukaschenko, aber 5. Platz weltweit für Kurz, immerhin…..hätte man einen derart durchschlagenden Erfolg jemals für möglich gehalten? Er hat sämtliche afrikanischen Korruptionisten hinter sich gelassen und auch Ungarn abgehängt.

Österreich fällt im internationalen Korruptionsranking (CPI) auf Rang 15 zurück | Transparency International – Austrian Chapter, 28.01.2021 (ots.at)

Sebastian Kurz unter korruptesten Politikern des Jahres – Politik | heute.at

https://www.derstandard.at/story/2000132208667/kanzler-nehammer-die-oevp-hat-kein-korruptionsproble

*Seine rhetorischen Beiträge zum Geschehen und die Tatsache, dass er die drittgrößte Partei im Land führt, lässt Österreich zudem über die Grenzen hinaus als einen Staat von lustigen Volltrotteln erscheinen.

Kotau

Gönnerhaft und mit selbstzufriedenem Grinsen nehme ich derzeit den Kotau zahlreicher ehemaliger Kurz-Fans entgegen. Leute, die dermaßen in den  Sebastian verliebt waren, dass sie für ihn alles getan hätten –  inclusive den Arsch einer Kuh zu küssen – müssen einsehen, dass ich von Anfang an recht hatte und Kurz und seine Buberlpartie immer schon als das bezeichnet habe, als was sie sich letztendlich herausgestellt haben: Einen unfähigen infantil-mafiösen Klub von präpotenten JVP Buben, wie er in dieser Form nur als Zweig am Baum einer präkorrupten ÖVP wachsen kann. Ich bin dann mal weg hat er plötzlich gesagt als das Eis dünn wurde. Seit- Rück- Wechselschritt, wie beim Tango. Aus den Augen aus dem Sinn denken wohl alle Beteiligten, die in ihrer selbstverliebten Großartigkeit nie über die mögliche Tiefe ihres Falls nachgedacht haben und nützen die Gunst der Stunde – die Wirrnisse der Pandemie – um von der Bildfläche zu verschwinden. Zurückgeblieben sind die enttäuschten Liebenden, die sich die Frage stellen müssen, welcher Teil ihrer psychischen Grundstruktur so defekt ist, dass sie nicht wahrnehmen wollten oder konnten was offensichtlich war.  Zurückgeblieben ist auch ein unglaublicher Misthaufen auf allen Ebenen. Den wird man in den nächsten Jahren aufarbeiten müssen. Und dabei wissen wir nur einen Bruchteil dessen, was geschah. Die Inseratenaffäre um die Fellnerbrüder ist erst der Anfang. Die Schredder Affäre wird uns vielleicht auch noch aus einem der noch auszuwertenden Chats des Herrn Schmid erklärt werden. Aber das Finanzministerium war offensichtlich das Laufhaus der türkisen ÖVP. Dort hatten die Freier freien Zutritt und nicht nur Sigi Wolf dürfte ein wenig Steuern gespart haben. Zu klären wird auch die Art und Weise sein,  wie er quasi ohne Konkurrenz die Steyrer  LKW- Werke eingesackt hat. Was da an erotischen Schmankerln geboten wurde wird wohl Gerichte auf Jahre hinaus beschäftigen. Zum Beispiel die Milliarden die an Coronahilfen ausbezahlt wurden, ohne dass das Volk etwas darüber erfahren durfte. Österreich wurde in den letzten Jahren nicht regiert sondern ausgenommen wie eine Weihnachtsgans, gerade so wie damals, als Herr Lüssel Kanzler war. Und ich frage mich gerade, welches Land hat mit Österreich keinen Auslieferungsvertrag für Straftäter.