Kurzismus

Während sich die Jünger des soeben über den politischen Jordan gegangenen H. Christian Strache mit verweinten Augen an die von ihm hinterlassene Botschaft „Jetzt erst recht“ klammern und auf eine Wiedervereinigung in einer besseren Welt hoffen, ist der Messias der Neoliberalen bereits in diese Welt gekommen. Es heißt von ihm, dass er schon als Kind Außenminister war. Dann wurde er als jüngster Prophet aller Zeiten vom lieben Gott und seiner irdischen Niederlassung – dem Industriellenverband- zum Bundeskanzler in Österreich bestimmt. Er heißt Sebastian, das ist griechisch und bedeutet der Gesalbte. Mithin ein eindeutiger Hinweis auf seine göttliche Herkunft. Und dieser Sebastian ist sich seiner Berufung bewußt. Nicht umsonst erinnert sein Auftreten vor den Fernsehkameras an einen jungen frommen Pastoralassistenten, der in der Kirche den Pfarrer bei der Maiandacht vertritt. Damit ist aber langfristig nur der immer gleiche Teil der Gläubigen zu beeindrucken – ein paar alte Weiber. Wie es in der Bibel so schön heißt: Nicht an ihren Worten, an ihren Taten sollt ihr sie erkennen (1. Johannes 2,1-6) und die Taten und Wunder, die er bis jetzt vollbracht hat*, legen eindeutig Zeugnis davon ab, dass er nicht der wirkliche Messias, sondern nur der neoliberale Erzengel der Wirtschaftsverbände ist, der keinesfalls daran denkt, Umwelt – oder Sozialstandards zu verbessern und damit einen Ausgleich zwischen den extrem Reichen, und den Armen zu schaffen oder das wichtigste Thema unserer Zeit, auch nur am Rande zur Kenntnis zu nehmen, nämlich den Umweltschutz. Sein Affront gegen alle Oppositionsparteien – allen neu berufenen MinisterInnen in der Übergangsregierung einen Aufpasser in Form eines ÖVP nahen Kabinettchefs zu verpassen, zeugt aber von seiner momentanen Allmacht.Der Erzengel mit dem Flammenschwert. Kurz und gut, während die eine Glaubensgemeinschaft gerade ihren Karfreitag hatte, feiert der Kurzismus sein Weihnachtsfest. Da wir aber per definitionem ein laizistischer Staat sind, bitte ich alle Parlamentarier darum, am Montag ein Zeichen zu setzen und mit dem Kurzismus kein neues Konkordat einzugehen, sondern wirklich neue Wege zu beschreiten.
Der einzige Bodenschatz, der in Österreich ausreichend zur Verfügung steht, ist Hirnschmalz. Das ist eine Substanz, die in fast allen Gegenden – auch den ländlichen- in großer Menge vorhanden ist und in Bildungseinrichtungen, wenn sie denn ordentlich und modern geführt werden, zu einer erstklassigen Essenz verfeinert werden kann, die in allen Bereichen des Landes als Energielieferant für wirklichen Fortschritt dienlich ist. Und unter wirklichem Fortschritt verstehe ich nicht, dass alle weitermachen wie bisher, sondern dass man gemeinsam anstrebt, aus diesem Land ein Vorzeigeland zu machen, das in erster Linie in umweltbewusste Zukunftstechnologie investiert und als gemeinsames Ziel formuliert, dass Österreich zum weltweiten Vorreiter einer neuen Industrialisierung wird. Nämlich einer Industrialisierung, die nicht mehr die Umwelt zerstört, wie wir es derzeit noch tun, sondern die nachhaltige Energieproduktion, neue Ideen und Konzepte für den öffentlichen Nah- und Fernverkehr, umweltverträgliche Verpackungen, usw. entwickelt und zur Verfügung stellt. Die Intelligenz dazu haben wir, die Experten dazu haben wir und die innovativen Firmen dazu haben wir. Nur die Politiker, die jene Weitsicht haben, die Welt so zu gestalten, dass auch unsere Kinder noch darin leben können, haben wir nicht. Und Sebastian Kurz ist, auch wenn sein smartes Auftreten uns etwas anderes glauben machen soll, zwar ein moderner, aber kein fortschrittlicher Mensch. Er denkt, wie alle modernen Religionsgründer, nur an sich und seine Jünger.

* Wobei, ich muss zugeben – es gibt Berichte, dass fromme Pilger, die ihn auf einer Bergwanderung begleitet haben und seinen Rocksaum berührten, sofort mit einer Sonderausgabe der Kronenzeitung belohnt wurden.

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