Working Cat

So tituliert man in Amerika jene Katzen, die sich ihren Lebensunterhalt bei einer Farm als Mäusejäger oder ähnliches verdienen. Natürlich schleppen auch unsere Katzen ab und zu eine tote Maus oder einen gerupften Vogel ins Haus, aber damit ist uns nicht wirklich geholfen. Unsere Katzen gehören eher zu den Bonvivants und die paar Leichen, die sie bringen und mit gönnerhaftem Blick auf den Teppich legen, stehen nicht wirklich in einem vernünftigen Verhältnis zu den Kosten für die Unmengen Dosenfutter, die sie täglich verschlingen.
1,5 Tonnen Lärchenholz zu einem Gartenzaun verarbeitet. Es tut richtig gut manuell zu arbeiten und zu sehen, wie der Zaun langsam Gestalt annimmt. Unsere beiden Kater leisten Gesellschaft und neugierig, wie sie sind, sitzen sie ständig genau auf dem Brett oder dem Pfosten, den ich gerade brauche, und sind empört, wenn ich sie in ihrer erhabenen Ruhe störe. Aber nach einer Weile hat jeder einen Platz gefunden, der die notwendige Aussicht auf das Geschehen mit den Bedürfnissen Bequemlichkeit und Faulheit in Einklang bringt. Der eine liegt lang ausgestreckt auf dem Holzstapel und beobachtet eher gelangweilt mit einem Auge was ich so tue. Der andere hat es sich direkt auf dem Zimmerstock, auf dem ich Bretter zuschneide bequem gemacht und lässt sich weder vom Lärm der Kreissäge noch von der Bohrmaschine vertreiben. Wenn ich ein neues Brett zum Zuschneiden auflege, tapst er kurz mit der Pfote drauf, als würde er die Qualität des Materials prüfen und verfolgt dann neugierig jede meiner Bewegungen. Mich würde interessieren, welche Schlüsse sie ziehen, was geht in so einem Katzenhirn vor sich? Dass sie in gewisser Weise folgerichtig denken können steht für mich außer Zweifel. Wenn sie hungrig sind und der Futternapf leer ist, können sie das präzise kommunizieren: Einmal „miau“, ein Blick zu mir, und dann ein bedeutungsschwerer Blick zum leeren Futternapf. Wenn ich nicht sofort reagiere, folgt das, was man in der Psychologie der Manipulation „lovebombing“ nennt: Ein kurzes Anstupsen mit der Nase, ein Blinzeln und intensives Kopfreiben und Umschmeicheln, dabei spielt es keine Rolle, ob ich gerade Zeitung lese oder sonst wie beschäftigt bin. Die Zeitung ist zwar ein Hindernis, aber kein substantielles. Sie wird einfach niedergetrampelt. Führt das auch nicht zum Erfolg – und hier wird klar, dass sie folgerichtig denken – folgt die nächste Eskalationsstufe – sie fahren ihre Krallen aus. Besonders lustig, wenn man verschlafen, frühmorgens, nackt im Badezimmer steht. Da unsere Main Coon inzwischen mehr als einen Meter von der Schwanzspitze bis zum Kopf messen, kann man sich leicht ausmalen, welche Körperteile im Einflussbereich ihrer Pfoten sind. Da geht man dann schnell füttern. Man kann sie natürlich auch schroff abweisen, dann sind sie mindestens einen Tag beleidigt und sehen demonstrativ zur Seite, wenn sie einem begegnen. Das klingt jetzt alles so ein wenig nach Vermenschlichung und übertriebener Tierliebe, aber die Wissenschaft hat die Kommunikation von Katzen inzwischen recht gut untersucht. Katzen kommunizieren für den Menschen oft nicht erkennbar über Blicke und Augenkontakt. Gegenseitiges Anstarren ist in der Katzenkommunikation ein Ausdruck von Aggression. Die unterlegene Katze wendet im Verlauf eines solchen Blickduells als Geste der Beschwichtigung die Augen ab. Langsames Blinzeln oder Zwinkern gefolgt vom Abwenden des Blickes ist hingegen ein Zeichen der Zuneigung. Blinzelt man einer Katze langsam zu, so wird sie oft diese unter Katzen freundliche Geste erwidern. Allerdings die Katze nach dem Blinzeln weiter anzustarren, wird als eine unfreundliche Geste gewertet. Dies ist einer der Gründe, warum Katzen gern zu Personen gehen, die keine Katzen mögen. Diese Personen vermeiden Blickkontakt mit der Katze, was die Katze als freundliches Verhalten interpretiert. Jedoch lernen Katzen im Zusammenleben mit dem Menschen auch, dessen „falsches“ Verhalten zu deuten und sie lernen die Menschen, mit denen sie zusammenleben, zu manipulieren. Boomer, der faulere der beiden Kater hat sich inzwischen von seinem Lager auf dem Bretterstapel erhoben. Nach ausgiebigem Gähnen und einigen Streckübungen schnuppert er mit erhobenem Schwanz den bereits fertig gestellten Teil des Zaunes entlang und pinkelt dann dagegen. Ich bin mir nicht recht sicher, ob ich das als freundliche Geste werten soll.

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