Der mRNA Impfstoff,

oder was man wissen sollte, wenn man Servus TV sieht….

Eigentlich wollte ich heute über das Verschwinden des Harald Vilimsky schreiben (er fehlt mir), aber aus gegebenem Anlass drängt es sich auf, über eine andere Gestalt nachzudenken, die ähnlich wie Vilimsky bei einem gewissen Teil der Bevölkerung mit kruden Theorien den Eindruck erweckt, ein Fachmann zu sein und damit durch die Talkshows sämtlicher Kommerzsender tingelt. Der Mann heißt Prof. Dr. Sucharit Bhakdi, jener Mann, der vor einem halben Jahr behauptet hat, dass es keine zweite Welle geben wird, weil Corona eh vollkommen harmlos ist. Servus TV stellt Bhakdis fragwürdige Aussagen immer wieder auf Augenhöhe den Aussagen von Fachleuten gegenüber, ohne zu erwähnen, dass Bhakdi mit seiner Meinung weitgehend alleine steht und ein Teil seiner Aussagen ohne jeden wissenschaftlichen Beweis erfolgt. Darüber hinaus wird auch negiert, dass seine Aussagen von der Realität schon überholt wurden,  wie seine Behauptung, dass es keine zweite Welle geben wird. Hier wird unseriöser Journalismus zum Quotenbringer  und verunsichert zahlreiche Menschen, die die Aussagen mangels Fachwissen nicht einordnen können.

Bhakdi, der immer als der superkompetente Virologe angekündigt wird, ist in Wahrheit Bakteriologe und hat ein paar wissenschaftliche Arbeiten über bakteriologische Probleme gemacht. Und das liegt auch schon ziemlich lange zurück. Aber das genügt ihm offensichtlich, um sämtliche Wissenschaftler, die mit der Materie im Gegensatz zu ihm wirklich vertraut sind, zu diskreditieren. Seine unbewiesenen Behauptungen lösen bei Fachleuten Kopfschütteln aus. Nachdem er das Tragen von Masken strikt abgelehnt hat, ist jetzt die Impfung ins Zentrum seiner unwissenschaftlichen Kritik getreten. Seine Befürchtungen – die er spezifisch auf die mRNA – Impfung bezieht – gehen aber über allgemein mögliche Nebenwirkungen nicht hinaus. Und das, was er als grandiose Erkenntnis von sich gibt, steht sowieso im Beipacktext jeder Impfung und wird auch im Beipacktext dieser m RNA-Impfung stehen – zum Beispiel, dass es für Schwangere nicht empfohlen wird, sich  zum gegenwärtigen Zeitpunkt impfen zu lassen. No na…….

Was ist also ein m(essenger) RNA Impfstoff?

 Die Messenger-  oder auf deutsch  Boten-RNA ist ein Teil jenes Systems, mit dem in unseren Zellen die Befehle des körpereigenen Signalsystems in mehreren Schritten in die Produktion von Hormonen/Eiweiß/Enzymen/Zellbausteinen umgesetzt werden.             Ich versuche diesen Vorgang einmal anhand der Funktion der Schilddrüse zu beschreiben, ohne auf gewisse Voraussetzungen näher einzugehen, sonst wird es zu kompliziert:                                      

Nehmen wir an, die Hirnanhangsdrüse  (Hypophyse) stellt fest, dass der Blutspiegel des Hormons der Schilddrüse, das Thyoxin,  viel zu niedrig ist. Deshalb schickt die Hirnanhangsdrüse ein Hormon auf den Weg, das die Schilddrüse über diesen Umstand informiert und die Produktion anregt. Es heißt deshalb: Schilddrüse stimulierendes Hormon (thyreoidea stimulating hormon oder kurz TSH). Dieses Hormon dockt an den Follikelepithelzellen der Schilddrüse an und löst eine komplizierte Befehlskette aus, die darin gipfelt, dass sich im Zellkern dieser Zellen die DNA Spirale  unserer Chromosomen genau an der Stelle spaltet, an der der Bauplan für die Produktion des Schilddrüsenhormons liegt.  Von diesem Abschnitt wird eine Kopie angefertigt und zwar in Form einer Boten- oder mRNA. (Die RNA ist etwas anders aufgebaut als die DNA der Chromosomen, aber funktioniert als Datenspeicher gleich wie diese)*.  Diese mRNA ist also so etwas wie die Zeichnung eines Werkstückes,  das vom Konstruktionsbüro an die Werkstatt geschickt wird, damit dort die Zeichnung in ein Werkstück umgesetzt werden kann. Und genau dorthin geht sie auch.  Auf einer Art Werkbank, bestehend aus den sogenannten Ribosomen,  wird die mRNA aufgespannt und dann wird dieser Bauplan von Enzymen abgearbeitet und das benötigte  Hormon produziert.   Sobald diese mRNA in der Zelle als Vorlage für das Hormon ihren Zweck erfüllt hat, wird sie abgebaut und ist nicht weiter wirksam. Sonst würde unablässig weiter Schilddrüsenhormon produziert. Wenn der Hormonspiegel dann wieder stimmt, schickt die Hirnanhangsdrüse kein weiteres TSH.                                                   

Was wir bei der Impfung tun ist, eine mRNA zu verwenden, die lediglich den Bauplan für einen Eiweiß-Bestandteil des Virus enthält, das dann in unseren Zellen produziert, aber gleichzeitig als fremd erkannt wird und eine Immunantwort bewirkt. In den Körperzellen wird die mRNA auf die gleiche Weise verwendet wie bei der Produktion des Schilddrüsenhormons – es wird ein Eiweiß produziert, dann wird die m RNA wieder in ihre Bestandteile zerlegt. Sie kann nicht – was fälschlicherweise angenommen wird – unsere Gene verändern, das ist vollkommen ausgeschlossen. Unser Immunsystem reagiert auf das ihm unbekannte Eiweiß und produziert Antikörper.  Bei jeder Immunantwort kann es zuerst einmal zu Fieber oder Abgeschlagenheit kommen – wir kennen das von den vielen grippalen Infekten, die jeder von uns im Lauf des Lebens durchmacht. Aber das ist eigentlich keine Nebenwirkung, sondern integraler Bestandteil jeder Immunantwort – insofern lediglich ein Zeichen, dass die Impfung funktioniert. (Dass Bhakdi behauptet, es seien die Hälfte der Probanden mit Fieber darniedergelegen, stimmt einfach nicht. Er ignoriert alle Tatsachen. Die bei mehr als 40 000 geimpften und untersuchten Probanden aufgetretenen Nebenwirkungen wurden minutiös aufgezeichnet und es waren 3 bis 4%, bei denen Fieber oder Kopfweh auftrat.)

Wir ahmen also einen Virusangriff nach, denn  genau das Gleiche tut das Virus auch: Es zwingt unseren Zellen ein Programm auf, das eine ungestüme Vermehrung kompletter Viren in unseren Zellen bewirkt und zwar ebenfalls, indem Baupläne für Einzelteile des Virus mittels mRNA in den Zellen abgearbeitet werden, die dann zu einem kompletten Virus zusammengebaut werden. Dass die Zellen dabei sterben, bevor das Immunsystem reagieren kann, gehört zur Strategie. Wenn wir nur einen Teil des Virus, der sich weder vermehren noch infektiös wirken kann, durch die Impfung erzeugen, dann kann sich das Immunsystem sozusagen eine Blaupause des zukünftigen Gegners anfertigen und beim tatsächlichen Auftreten einer Infektion das Virus bzw. ein bestimmtes Eiweiß des Virus erkennen und unschädlich machen. Die Methode ist genial und – auf Grund dessen, dass sie einen natürlichen Mechanismus nachahmt – mit minimalen Nebenwirkungen behaftet. Wie es aussieht, ist die 90-jährige Engländerin Margaret Keenan mutiger als Dr. Bhakdi. Sie wurde gestern als Erste mit dem Impfstoff geimpft.

Die Corona-Woche beim Corona-Quartett – Servus TV

Das Goldene Brett 2020: Die Finalisten stehen fest | gwup | die skeptiker

*Der DNA-Faden ist wie eine Strickleiter aufgebaut. Das Rückgrat der Leiter besteht aus einem Zucker, der Desoxyribose, verbunden im Wechsel mit Phosphat. Die Sprossen dieser Leiter werden von vier organischen Basen gebildet: Adenin (A) und Thymin (T), Cytosin (C) und Guanin (G).

DNA / DNS = Desoxyribonucleinsäure.

 RNA / RNS =  Ribonucleinsäure.

Der Unterschied im Aufbau dieser Makromoleküle ist das Zuckermolekül, das die Phosphorsäure mit den Basen verbindet und das bei der RNA statt der Base Thymin die Base Uracil verwendet wird,. Die DNA speichert die Erbinformation, die RNA findet bei verschiedenen Vorgängen in der Zelle Verwendung zB. als Boten- oder mRNA.

4 Gedanken zu „Der mRNA Impfstoff,“

  1. sie schreiben, dass auftretendes fieber lediglich ein Zeichen dafür ist, dass die Impfung funktioniert. sollte dann nicht jeder geimpfte fieber bekommen? oder ist fieber jetzt doch eine unerwünschte nebenwirkung? bitte um aufklärung bim kein bhakdi fan

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    1. Bei Virusinfektionen wird eine ganze Kaskade von immunologischen Reaktionen im Körper bzw. in den Zellen ausgelöst. Unter anderem wird Interferon gebildet, ein Stoff, der von befallenen Zellen an die umliegenden Zellen geschickt wird, um sie in Alarmbereitschaft zu versetzen. Damit verbunden sind in vielen Fällen – abhängig von Faktoren wie Alter, Vorerkrankungen und dem immunologischen Gedächtnis – eine Änderung der Kreislaufparameter, Muskel- und Gelenksschmerzen und oft eine Temperaturerhöhung, weil viele Mikroorganismen, aber auch Viren für ihre Vermehrung einen optimalen Temperaturbereich brauchen. Durch Fieber kann der Körper dem entgegensteuern. Das heißt aber nicht, das jeder fiebert, oder das das Fieber Grundbedingung für die Wirksamkeit der Impfung ist. Es ist ein sehr individuelles Geschehen, das wissen wir schon lange und auch die 3-4% Fiebernder bei den Studien mit der neuen Impfung haben das gezeigt.

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  2. danke für die ausführliche erklärung! trotzdem fühle ich mich noch immer ein bißchen wie der ungläubige thomas. gerade wieder der nachweis einer infektion, wahrscheinlich schon im november, in italien, zeigt eine sehr große unsicherheit im ablauf, und ich glaube auch in der beherrschbarkeit einer solchen viruserkrankung. z.b. gibt mir die tatsache, das so scheinbar harmlose aber durchaus lästige virusinfektionen wie herpes oder rhinoviren, von der medizin nicht in den griff zu bekommen sind, zu denken. (warum gibt es keine impfung gegen schnupfen? ) meiner bescheidenen und durchaus inkompetenten meinung nach, sterben die menschen zu einem großen anteil an sars und seinen folgen; und das nicht nur in jüngster zeit. leider werden wir im kampf gegen den tod immer unterliegen, womit ich nicht sagen will, dass der versuch, ihm von der schippe zu springen, gänzlich unterlassen werden soll…….

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  3. Gute Frage, warum gibt es keine Impfung gegen Schnupfen? 1. Es gibt eine Unzahl differenter Rheo – Rhino- Arbo- und sonstiger Viren die katarralische Symptome verursachen. Man müsste eine Unzahl von Impfungen machen um dem Herr zu werden.Aber andererseits – und diese Überlegung gibt es- sind diese häufig wiederkehrenden Infekte für was gut. Sie aktivieren das Immunsystem und sorgen für eine stete Abwehrbereitschaft. Das kommt dem Körper auf mehreren Ebenen zugute. Vielleicht sogar beim Erkennen und eliminieren von bösartigen Zellen, die im Körper durch äußere Einflüsse oder genetische Gegebenheiten entstehen. Das ist zwarwissenschaftlich nicht erwiesen, aber da könnte was dran sein.

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