COVID 19, ein RNA Virus macht Karriere

 

Da ich in den letzten Tagen immer wieder angesprochen wurde und eine ziemliche Verunsicherung bei den Fragenden zu erkennen war, ein paar Infos zum Thema. Schließlich ist nicht jeder Virologe, ich eigentlich auch nicht. Aber Begriffe wie RNA Virus oder DNA Virus sind für viele unverständlich und  die jetzt gesetzten Maßnahmen können ob ihrer Sinnhaftigkeit nicht beurteilen werden, wenn man nicht ein bisschen Hintergrundwissen hat..

Jeder kennt inzwischen die Doppelhelix*, aus der unsere Chromosomen bestehen. Die Bausteine dieser Chromosomen sind Zuckermoleküle und die sogenannten Basen.
Im Fall der DNA ist Desoxyribose der Zucker und Adenin, Cytosin, Guanin und Thymin die Basen. Bei der RNA ist Ribose der Zucker und die Basen sind Adenin, Cytosin, Guanin und Uracil. Also ein kleiner Unterschied zwischen Desoxyribonukleinsäure – DNS und Ribonukleinsäure – RNS bzw. die englische Abkürzung von Desoxyribonucleinic acid – DNA /RNA. Dazu kommt, dass die RNA meist als Einzelstrang vorliegt, die DNA aber als sogenannte Doppelhelix, wie wir sie von unseren Chromosomen kennen. Die DNA speichert das Erbgut, die RNA spielt ein wichtige Rolle bei der sogenannten Transkription, also dem Vorgang des Kopierens von Erbmaterial in unseren Zellen. Beides ist aber eine Art Codesystem, mit dem man Informationen verschlüsseln und weitergeben kann, ähnlich einem Lochstreifen mit dem in der Frühzeit der Datenverarbeitung Rechenmaschinen gesteuert wurden.
RNA Viren wie COVID 19 besitzen also einen RNA Strang, auf dem der genaue Bauplan für das Virus festgeschrieben ist. Im Gegensatz zu Bakterien und Zellen können sich aber Viren nicht vermehren,. indem sie sich teilen. Sie sind auf lebende Zellen mit einem Zellkern angewiesen und müssen zuallererst an einer solchen Zelle Halt finden, um in der Folge in sie eindringen zu können. Dazu haben sie molekulare Strukturen entwickelt, die aber nicht für jede Zelle passen. Darum befallen manche Viren eher den Respirationstrakt, andere den Darm und wieder andere können mit menschlichen Zellen gar nichts anfangen und befallen Bakterien oder Pflanzen.
Wenn es einem Virus gelingt, an einer Zelle anzudocken, schleust es seine RNA oder DNA* in die Zelle ein und ändert damit das Programm. Es werden von der infizierten Zelle ab sofort Virusbestandteile produziert. Also eine exakte Kopie der RNA und die dazugehörende Hülle aus Zuckermolekülen und Eiweiß, die sich selbständig zu einem kompletten Virus zusammenfügen. Auf diese Weise entstehen pro Zelle bis zu tausend Viren. Die Zelle stirbt und die Viren werden freigesetzt. Sie gelangen in die Umwelt und befallen neue Zellen oder andere Individuen. Bei dieser Art der Vermehrung besteht die Gefahr, dass es bei jedem Kopiervorgang in der Zelle zu Abschreibfehlern kommt und dadurch Mutationen entstehen. Das können Veränderungen in der RNA sein, die dazu führen, dass das Virus die nicht mehr funktioniert, aber es können auch Mutationen entstehen, die das Virus gefährlicher für seinen Wirt werden lassen. Je mehr Menschen also vom neuen Coronavirus befallen werden, je mehr Viruskopien entstehen, desto höher wird die Wahrscheinlichkeit einer Mutation. Wir kennen das von den Grippeviren, die ebenfalls ständig mutieren, dagegen sind wir inzwischen weitgehend gewappnet und trotzdem sterben jährlich in Österreich an die 1000 Menschen an Grippeviren, weil sie die Impfung für verzichtbar halten. Und nicht nur Alte sterben an der  Grippe, auch Jugendliche und Kinder. Gewöhnlich hören wir dann von einer „verschleppten Grippe“, wenn ein junger Mensch zum Opfer der Viren wird. Die war nicht verschleppt – was immer dieser euphemistische Terminus zum Ausdruck bringen soll – die war halt einfach tödlich. Da das COVID 19 offensichtlich sehr infektiös ist und schon bewiesen hat, dass es vor allem für alte Menschen höchst gefährlich sein kann, geht es also darum, die Anzahl der Menschen, die es befällt und damit die Mutationshäufigkeit zu verringern, weil wir ganz einfach nicht wissen, was dann passiert. Und bis es eine Impfung gibt oder antivirale Medikamente, die helfen, wird es noch eine Weile dauern.
Alles was momentan geschieht, schaut natürlich ein wenig nach Affenzirkus aus. Italien hat schon dicht gemacht, Österreich ist gerade dabei und die Deutschen werden in einigen Tagen mit ziemlicher Sicherheit folgen. Das, was wir als unseren Alltag kennen, wird für einige Wochen anders ablaufen als geplant. Aber die Maßnahmen sind sinnvoll und notwendig. Trotzdem wird es noch zu einem Anstieg der Neuinfektionen bei exponierten Personen kommen, aber ähnlich wie in China wird die Welle flacher und flacher.

PS: Nützt die Zeit und tuts was Gescheites.

*1 https://de.wikipedia.org/wiki/Ribonukleinsäure

*2 es gibt auch DNA Viren. Das Genom von DNA-Viren ist weniger variabel als jenes der RNA-Viren und entsprechend stabiler gegenüber Umweltfaktoren. DNA ist chemisch stabiler als RNA und weist auch eine geringere Mutationsrate auf.

5 Gedanken zu „COVID 19, ein RNA Virus macht Karriere“

  1. Gute Idee, ich nütze die Zeit und probiere dein Nudelrezept! Nudelmehl habe ich noch und einen guten Roten werde ich vielleicht auch noch finden. Wir schaffen das!

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